Bild: dpa / Inga Kjer

Ich war ein Kaffee-Junkie. Zwei, drei Tassen am Morgen zum Wachwerden waren Standard. Dann: duschen, anziehen, Tasche packen. Schnell noch einen zum Mitnehmen am Bahnhof bevor der Zug kommt. Milch? Schwarz. Ein Euro, bitte. Danke. Das war mein Start in den Morgen.

So ging der Tag weiter: Kaffee, immer Kaffee. Im Büro, im Hörsaal, in den Pausen. Bei fortgeschrittener Tageszeit nicht mehr, um wach zu werden, sondern um wach zu bleiben.

Fünf bis acht Tassen kamen bei mir so täglich zusammen. Nach dem Kaffee war vor dem Kaffee. Mit Genuss hatte das nicht mehr viel zu tun. Kaffeetrinken wurde für mich zur Gewohnheit, so wie Menschen aus Gewohnheit rauchen.

Dabei hatte ich schon länger den Verdacht, dass mir Kaffee nicht gut tut. Ich fühlte mich aufgeputscht, künstlich wachgehalten, unkonzentriert.

Nach einem Urlaub in Irland begann ich einen Entzug. Ich hatte dort schwarzen Tee mit ein wenig Milch getrunken. Die Iren lieben diesen Tee, und das aufputschende Koffein ist auch drin. Allerdings nur halb so viel wie im Kaffee, und es kickt nicht sofort, sondern wirkt langsamer.

Ich besorgte mir ein Tee-Ei und rührte keinen Kaffee mehr an. In der ersten Woche hatte ich ständig Kopfschmerzen. Mich überkam eine tiefe Müdigkeit. Entzugserscheinungen.

Am Kaffee kam ich aber auch während der Abstinenz nicht vorbei. Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee im Zug, beim Mittagessen in der Stadt, im Büro, immer und überall. Die ersten Tage waren eine einzige Überwindung; die Verlockung hoch, wenn jeder Kaffee trinkt nur man selbst nicht.

Trotzdem wollte ich das unbedingt schaffen, um herauszufinden, wie es mir danach geht.

Nach einer Woche ohne Kaffee ging es mir dann auch tatsächlich besser. Der Lohn für die Überwindung: Ich konnte mich wieder konzentrieren. Ich konnte mich entspannen. Ich kam leichter aus dem Bett.

Nebenbei sparte ich Geld, das ich sonst für coffee to go ausgegeben hätte. Ich verursachte dadurch weniger Müll. Auch das gab mir ein gutes Gefühl.

Dabei soll Kaffee doch sogar gut sein: "Schwarz und starkWie Kaffee die Gesundheit fördert" heißt das Buch, das Karen Nieber dazu geschrieben hat. (Wenn Du über den Link bestellst, bekommen wir eine Provision.) Nieber war Professorin am Institut für Pharmazie der Universität Leipzig.

In ihrem Buch berichtet Nieber unter anderem, wie Kaffee das Risiko für erhöhte Leberwerte und Leberzirrhose verringert, da er einen Faktor hemmt, der für den Umbau gesunder Leberzellen in funktionsloses Bindegewebe verantwortlich ist. Auch Diabetes-Typ-2-Patienten kann demnach Kaffee helfen, da er die Zuckeraufnahme beim Essen verlangsamt; Asthmatikern kann er durch Erweiterung der Atemwege ermöglichen, besser durchzuatmen.

Kann. Denn Kaffee, sagt Nieber, zeige nicht bei allen Menschen die gleiche Wirkung: "Studien belegen, dass es Menschen gibt, deren Körper Koffein schneller abbauen. Das hat mit einem Gen zu tun. Manche Menschen haben es, andere nicht." So sei es unter anderem erblich bedingt, ob eine Person das durch Kaffee verursachte Wachheitsgefühl als positiv oder negativ bewertet.

Warum Kaffee wach macht

coffee-emoji.jpg#asset:1402458Kaffee beinhaltet mehr als 100 verschiedene Inhaltsstoffe. Der wohl bekannteste ist Koffein. Der Stoff bindet sich im Gehirn an den sogenannten Adenosinrezeptoren. Adenosin ist ein Botenstoff, der im Körper wie eine Bremse wirkt. Er steuert die Informationsaufnahme und verhindern eine Überbelastung des Gehirns. Außerdem macht er uns müde, wenn er an seinen Rezeptoren bindet. Wird nun Kaffee getrunken, blockiert das Koffein die Rezeptoren. Das Gefühl von Wachheit entsteht. Hört die Koffeinzufuhr auf, zum Beispiel während der Mittagszeit, kann das Adenosin wieder seiner Arbeit nachgehen - das berühmte Mittagstief entsteht.

Auch die Zubereitungsart ist von Bedeutung: "Kaffee aus einer sogenannten French Press ist weniger bekömmlich als Filterkaffee, da bestimmte Inhaltsstoffe nicht herausgefiltert werden", sagt Nieber. Chlorogensäure zum Beispiel. Die kann die Magenschleimhaut reizen und so das gesamte Wohlbefinden beeinflussen.  

Insgesamt sei es von vielen Faktoren abhängig, wie Kaffee einer Person bekommt, sagt die Expertin.

Für die meisten Menschen sind drei bis vier Tassen aber vollkommen unbedenklich und unter Umständen sogar gesund.
Karen Nieber

Wie so oft in Sachen Ernährung gilt also auch beim Kaffee: Was einem gut oder schlecht tut, muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich trinke mittlerweile wieder Kaffee – allerdings nicht mehr täglich und deutlich weniger als vorher.

Ich versuche jetzt, Kaffee als Genussmittel zu betrachten: Mal eine Tasse im Café mit Freunden oder Bekannten ganz in Ruhe, oder zum Frühstück am Wochenende. Das tut mir gut.

Du magst Kaffee trotzdem noch? Dann haben wir Kunst für dich:
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Wir haben mit dem Instagram-Star "dicklatte" über Milchschaum-Penisse gesprochen.


Fühlen

David Beckham küsst seine Tochter auf den Mund – und sofort kommt die Frage: Darf er das?

Wie weit darf elterliche Zuneigung gehen? Wo ist die Grenze zwischen süß und seltsam? Und vor allem: Darf ein Vater seine kleine Tochter auf den Mund küssen?

All diese Fragen hat Ex-Fußballprofi David Beckham mit einem einzigen Instagram-Post aufgeworfen. Das Foto zeigt ihn und seine fünfjährige Tochter Harper im Familienurlaub. Die beiden drücken sich einen Kuss auf die Lippen, im Hintergrund geht die Sonne über einer Steppe unter, die den Kommentaren einiger Nutzer zufolge in Tansania liegt. 

Dazu die Bildunterschrift: Kiss for Daddy ❤️