Himalayan salt PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright xjirkaejcx Panthermedia14301975
Bild: Panthermedia/imago, Montage: bento
Fünf Produkte aus dem Biomarkt, die du dir sparen kannst

Wer sich bewusst ernähren möchte – für die eigene Gesundheit und die Umwelt – landet beim Lebensmitteleinkauf schnell in Biomärkten. Die Produkte, die es hier gibt, müssen ja besonders gesund, frei von Pestiziden und fair gehandelt sein, denkt man.

Vielen werden solche Wunder-Wirkungen nachgesagt, dass es ans Esoterische grenzt: Salz, das einen von innen reinigt, Früchte, die Tumore zurückbilden sollen, Bienensekret, das Energie gibt. Klar, dass diese Produkte dann auch besonders teuer sind.

Dass die Versprechen oft Unsinn sind, zeigt sich unter anderem am Beispiel Himalaya-Salz.

Ein Biomarkt in Leipzig hat – auf mehrfachen Kundenwunsch – das aus den Regalen verbannte Himalaya-Salz wieder ins Sortiment aufgenommen (Kölner Stadtanzeiger). Allerdings nicht, ohne seine Kunden über einige Hintergründe zu dem Produkt aufzuklären: Das Salz stamme überhaupt nicht aus dem Himalaya. Und "Himalaya"-Salz sei auch nicht gesünder als andere Steinsalze. Nur teurer.

Statt direkt aus dem Himalaya-Massiv stamme das Salz aus der pakista­nischen Salt-Range – etwa 200 Kilo­meter davon enfernt.

Darum darf sich Himalaya-Salz nach einem Urteil des Ober­landes­gerichts Köln aus dem Jahr 2010 auch eigentlich nicht mehr explizit Himalaya-Salz nennen (Stiftung Warentest). Auf den Verpackungen gibt es jetzt meist den Vermerk "Aus Pakistan". 

Auch eine gesundheitsfördernde Wirkung konnte nie nachgewiesen werden – und darf auch nicht beworben werden (Verbraucherzentrale). Ja, "Himalaya"-Salz soll einen leicht erhöhten Eisenanteil enthalten. Allerdings ist der so gering, dass er keine Wirkung hat.

Im Gegenteil, die Verbraucherzentrale warnt sogar: Der Rat, mit Sole, also Salzlauge, erhöhten Blutdruck zu senken, ist gesundheitlich höchst bedenklich. Das kann nicht nur den Stoffwechsel und Wasserhaushalt stören, sondern auch die Nieren belasten.

Wir haben mit Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale über falsche Versprechungen bei Produkten aus Biomärkten und Reformhäusern gesprochen. 

Sie ist Abteilungsleiterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

"Viele Kunden haben Vertrauen in Produkte, denen etwas Exotisches anhaftet, weil sie beispielsweise aus Asien kommen. Das wird durch Namen wie 'Himalaya' noch verstärkt. Viele zahlen dafür viel zu viel Geld. Die Gesundheitsversprechen werden in den seltensten Fällen erfüllt", sagt Schwartau. Einige dieser exotischen Produkte seien sogar mit Schadstoffen belastet.

„Leider gibt es immer noch zu viele, die so Geschäfte machen. Die Gewinnspannen sind enorm.“
Silke Schwartau

Sie nennt bento noch weitere Beispiele.

Diese Produkte aus dem Biomarkt und Reformhaus kannst du dir auch sparen:

* Goji-Beeren

Die kleinen roten Beeren kommen aus Asien und werden in der traditionellen chinesischen, koreanischen, vietnamesischen und japanischen Medizin verwendet. "Goji Beeren werden häufig mit dem Bio-Logo beworben", erklärt Schwartau. Der Nutzen werde aber oft überzogen dargestellt. "Goji-Beeren sind kein 'Superfood'."

  • Das Versprechen: Goji-Beeren sollen helfen, den Zyklus zu regulieren und die Fruchtbarkeit zu steigern. In der Stillzeit sollen die Beeren beim Kind die Entwicklung von Knochen und Zähnen unterstützen, bei der Mutter sollen sie "Baby-Blues", Haarausfall und Stilldemenz verringern. Angeblich lindern sie Wechseljahres-Beschwerden, stärken Potenz und Immunsystem und helfen gegen Falten. (goji-beere.info). Wäre es nicht toll, wenn gegen all diese Probleme eine Beere gewachsen wäre?
  • Aber: Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat die Studien überprüft und konnte keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Behauptungen und der Einnahme von Goji-Beeren feststellen. (Verbraucherzentrale) Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat bei Untersuchungen von Goji-Beeren sogar eine hohe Pestizidbelastung festgestellt: Alle Proben wurden wegen Überschreitung der Höchstmenge des Insektizids Acetamiprid beanstandet. Die Belastung war gesundheitlich nicht bedenklich. Unter den Proben waren aber auch Goji-Beeren mit den Angaben "bio" und "wilde Goji-Beeren unbehandelt". Hier hätten eigentlich kaum Pestizide nachgewiesen werden dürfen. (Verbraucherzentrale)

* Gelée Royale

Gelée Royale ist die Hauptnahrung von Bienenköniginnen und wird als Sekret in den Drüsen von Arbeiterbienen gebildet. Da Bienenköniginnen viel größer werden als Arbeiterbienen und sehr viel länger leben, werden dem Gelée Royale Wirkungen nachgesagt.

  • Das Versprechen: Die enthaltenen B-Vitamine sollen Energie geben, Stress abbauen und die Konzentration fördern. Außerdem sollen sie bei der Blutbildung unterstützen und den Stoffwechsel anregen. Mineralstoffe, Spurenelemente, Eiweiße und weitere Vitamine steigern angeblich das Wohlbefinden. (Naturherz.de)
  • Aber: "Diese Gesundheitsversprechen sind völlig überbewertet und es gibt keine einzige zugelassene gesundheitsbezogene Werbeaussage", sagt Schwartau. "Zusätzlich geht eine Gefahr durch eine erhöhte Belastung mit für die Leber giftigen und krebserregenden Pyrrolizidinalkaloiden von diesen Produkten aus – egal ob bio oder konventionell." Gelee Royale gelte außerdem als hoch allergieauslösend. Vor allem Asthmatiker, Atopiker, aber auch Schwangere und Stillende sollten darauf verzichten.

* Kudzu

Kudzu ist eine Hülsenfrucht aus Asien und wird oft als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Das Versprechen: Kudzu soll bei der Alkohol- und Tabakentwöhnung helfen. (soin-et-nature.com) Auch bei Wechseljahresbeschwerden oder zur Unterstützung beim Sport wird Kudzu empfohlen. (Verbraucherzentrale)

Aber: "Die Werbung ist häufig übertrieben", sagt Schwartau. Die Wirkung der Nahrungsergänzungsmittel auf Kudzu-Basis sei nicht bewiesen. Auch die Folgen der Einnahme seien nicht geklärt. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist vor allem bei längerfristigem Verzehr ein gesundheitliches Risiko nicht auszuschließen. Es gebe offene Fragen zu Höchstdosis, hormonellen Effekten und der Wechselwirkung mit Medikamenten und Alkohol. (Verbraucherzentrale)

* Noni-Saft

Der Saft der Noni-Frucht gilt in Polynesien seit über 2000 Jahren als Wundermittel gegen zahlreiche Krankheiten.

Das Versprechen: Mit Noni-Saft soll die Wundheilung beschleunigt werden. Er verringere Schlafstörungen, verbessere die Haut und stärke das Immunsystem. Trinkt man ihn regelmäßig, soll der Saft die Leistungsfähigkeit steigern. Er ist deshalb bei Sportlern beliebt. Bei manchen Krebserkrankungen soll sich sogar der Tumor zurückbilden. (natur-kompendium.com)

Aber: Auch beim Noni-Saft konnte die gesundheitliche Wirkung nie wissenschaftlich nachgewiesen werden, erklärt Schwartau. Stattdessen stehe der Saft in Verdacht, Leberschäden zu verursachen. Der Zusammenhang sei aber nicht zweifelsfrei bewiesen worden. Trotzdem sollte unbedingt, sicherheitshalber, die auf der Packung angegebene Tageshöchstdosis beachtet werden.

"Noni-Säfte sind Fruchtsäfte wie viele andere. Eine besondere Wirkung konnte nicht bewiesen werden, daher ist der hohe Preis - wenn überhaupt - lediglich mit den exotischen Früchten und einer Bioqualität zu begründen." (Verbraucherzentrale)


Gerechtigkeit

#Utopieverbot: Alle fordern Engagement, doch wenn junge Menschen aktiv werden, gibt es Stress

Sie retten Menschenleben im Mittelmeer, kämpfen gegen den Klimawandel, verteidigen die Kunstfreiheit – und am Ende kommt jemand wie Christian Lindner und sagt: "Das ist eine Sache für Profis." So läuft es seit Monaten, wenn junge Menschen politisch aktiv werden und plötzlich Gehör finden.