Bild: Constantin Gubbels

Wer sich am Wochenende oder zum Feierabend üblicherweise in Bars und Kneipen aufhält, muss derzeit selbst schütteln und rühren. Aber wie macht man wirklich gute Drinks, die über Wodka-O hinausgehen?

Der Experte: Robert von Appen

Robert von Appen, genannt Bobby, ist seit zehn Jahren Gastronom. Nach seinem Studium in London, dort hat er seinen Lieblingsdrink Pimms Cup entdeckt, arbeitete er in der Schifffahrt – doch der Wunsch, sich in der Gastro selbstständig zu machen, war immer da. Ab 2010 organisierte er Secret-Dinnerpartys in einem Popup Restaurant in Brandshof, dem letzten Gebäude vor den Elbbrücken in Hamburg. 2013 eröffnete er dann das nicht mehr so geheime Chapeau

Uns hat Bobby Tipps und Tricks verraten, wie wir auch zu Hause gute Drinks zubereiten können. Außerdem hat er uns zwei seiner liebsten Aperitif-Rezepte verraten.

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"Zu Hause sind Drinks gut, die man bauen kann" 

Um gute Drinks zu Hause selbst zuzubereiten, benötigst du keine teure Barkeeper-Ausstattung oder massig Tools, die nur die Schubladen füllen. "Zu Hause sind Drinks immer schön, wenn man sie bauen kann, also nicht shaken muss. Ich habe zwar einen Shaker zu Hause, benutze den aber eigentlich nie", sagt Bobby. Für gute Drinks zu Hause reicht ihm ein kleines Obst-, oder Gemüsemesser und ein Brett. Ein Mörser ist gut, aber ebenfalls nur ein Zusatz, der nicht unbedingt benötigt wird. 

Pimms Cup

Dafür benötigst du:

🛒Pimms No. 1

🛒Gingerale

Gurkenscheiben

Eine Orangenscheibe

Etwas Minze

Eiswürfel

Gurkenscheiben ins Glas legen und 5cl Pimms darauf geben, Reihenfolge ist wichtig, da der Pimms mit der Gruke mazoriert und einen speziellen Geschmack entwickelt. Eiswürfel ins Glas geben und mit Gingerale auffüllen. Eine Scheibe Orange und etwas Minze – die vorher in der Hand aufgeschlagen wurde – hinzugeben.

Auch bei Gläsern hält es Bobby einfach: "Aperitifs, die mit Eis gereicht werden, und auch ein bisschen Schmelzwasser vertragen können, kommen in ein großes Weinglas. Ein Martini aber beispielsweise, der ohne Eis gereicht wird – also gerührt und nicht geschüttelt, wie James Bond ihn fälschlicher Weise bestellt – wird in einem kleinen Glas serviert. Für 🛒Longdrinks, wie beispielsweise Gin Tonic, kann man ganz 🛒normale Wassergläser nehmen. Oder ebenfalls ein großes Weinglas, so machen es die Spanier und Italiener", sagt er.

Hier findest du ein Obst- und Gemüsemesser von 🛒PAUDIN und hier ein Messer von 🛒Zwilling. Gibt es auch hier von 🛒WMF. Und für Drinks, die man schütteln muss, findest du hier einen 🛒Shaker.

"Crushed Ice erinnert mich an 1990 Mojito-Time"

Klar, die Drinks müssen gekühlt sein. Aber: Eis ist nicht gleich Eis. "Auf keinen Fall Crushed Ice, das erinnert mich an Mojito-Time aus den Neunzigern", sagt Bobby. Er rät bei Eiswürfeln immer, zu denen aus dem Supermarkt oder von der Tankstelle zu greifen, statt selbst gemachte Eiswürfel zu verwenden. Die industriellen Eiswürfel sind doppelt gefrostet. Das heißt, sie halten doppelt so lange wie selbstgemachte. Und sie sind größer. Für einen guten Drink braucht man nämlich viel Eis", sagt Bobby.

Alkohol kauft Bobby am liebsten in kleineren Läden. "Wer keine Ahnung von Wein hat, sollte wirklich unbedingt in eine Weinhandlung gehen. Die Auswahl im Supermarkt ist viel zu groß, da ist die Chance, daneben zu greifen, ziemlich hoch." Grundsätzlich gilt: Ein Wein von Übersee für 2,99 Euro oder 4,99 Euro kann kein guter Wein sein. "Das merkt man dann meistens auch erst am nächsten Tag, ein guter Wein sollte – je nach Menge – keine Kopfschmerzen machen", sagt Bobby. "In Deutschland wird sehr guter Wein angebaut. Und der deutsche Weinbau wird auch subventioniert, das wissen viele nicht", sagt er. 

Lillet Wild Berry mit selbstgemachtem Himbeerpüree

Dafür benötigst du:

🛒Lillet

🛒Tonic Water (z. B. Thomas Henry)

Tiefkühl-Himbeeren

Sirup deiner Wahl (z. B. Agavendicksaft)

Eiswürfel

Weinglas

Ein großes Weinglas randvoll mit Eiswürfeln füllen. Tiefkühl-Himbeeren auftauen lassen und Sirup deiner Wahl hinzufügen, im Mixer pürieren. Himbeerpüree ins Glas geben, 5 cl Lillet hinuzufügen und mit Tonic Water auffüllen.

Nach der Party ist vor der Party 

Damit man bei Partys – wenn Menschenansammlungen mit mehr als zwei Personen wieder cool sind ­– nicht irgendwann auf dem Trockenen landet, plant Bobby bei Wein mit etwa einer halben bis ganzen Flasche Wein pro Kopf. Bei hochprozentigem Alkohol rechnet man mit einem Longdrink oder Cocktail pro Person. "Manche trinken keinen Alkohol, andere bleiben bei Wein oder Bier. Dann geht die Rechnung in etwa auf. Es kommt allerdings darauf an, ob man direkt zu Beginn mit Longdrinks oder Cocktails startet", sagt er. 

(Bild: Constantin Gubbels)

Wer zu viel gekauft hat, muss unbedingt auf die richtige Lagerung achten. "Nur was mehr als 40 Prozent Alkohol hat, hält ewig", sagt Bobby. Alles was darunter liegt, sollte allerdings im Kühlschrank aufbewahrt und relativ schnell verbraucht werden. Ebenso alle Getränke, die Zucker enthalten. Diese können schnell kippen oder ziehen Fruchtfliegen an. Nach einer Woche sind die meisten Getränke durch, Getränke mit Kohlensäure und ohne Stöpsel schon nach ein paar Stunden oder einem Tag. Frische Kräuter, die Bobby für seine Drinks verwendet, packt er eingewickelt in ein feuchtes Tuch ebenfalls in den Kühlschrank – so halten sie am längsten frisch. "Am besten ist es natürlich, die Kräuter auf dem Balkon selbst anzupflanzen. Dann hat man immer frische Zutaten für seine Drinks im Haus", sagt er.

Hier findest du Saatgut für 🛒Basilikum und für 🛒Minze.  

Die Gretchenfrage: Gin Tonic mit Gurke oder Zitrone?

Was in vielen Freundes- und Bekanntenkreisen der Frage nach Leben oder Tod gleicht, ist für Bobby ganz einfach. "Ob in einen Gin Tonic Gurke oder Zitrone kommt, ist lediglich eine Frage des Gins. Ein Gin ohne Wacholderbeeren ist eigentlich auch nur ein Wodka", sagt Bobby. "Erst wenn der Wodka mit Wacholder mazeriert, wird er zum Gin."

Deshalb gibt es auch sehr viele unterschiedliche Gin-Sorten, weil man mit vielen unterschiedlichen Aromen, also Botanicals, neue Sorten entwickeln kann. In den Botanicals befinden sich schon oft Gurke oder Zitrone. "Gurke oder Zitrone gehören dann auch nur da rein, wo es schon drin ist. In 🛒Tanqueray Gin kommt also Zitrone, in 🛒Hendricks Gurke", sagt Bobby. Und hat damit die Gretchenfrage eindeutig geklärt. 

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Uni und Arbeit

Pflegeazubis in der Coronakrise: "Am Ende der Ausbildung wird man sich fragen, warum wir das nicht können"

In der Nacht zum 16. März war Marcel so sauer, dass er Jens Spahn eine E-Mail schrieb. Um zwei Uhr morgens sendete er sie ab. Er liebe seinen Beruf, schrieb Marcel, aber gerade sei er "perplex", "erschüttert", "traurig und verzweifelt". Darüber, dass der Bundesgesundheitsminister zwar qualifiziertes Pflegepersonal fordere, Marcel und seine Kolleginnen und Kollegen nun aber einfach aus der Schule geholt und auf Station geschickt würden – ohne genauen Plan, wie sich das in ihre Ausbildung einfügen soll.

Marcel ist 21 Jahre alt und angehender Krankenpfleger, vor Kurzem hat sein drittes Ausbildungsjahr begonnen. Seine Mitschüler und er gehören zu jenen, die in der Coronakrise als Heldinnen gefeiert werden. Zugleich leiden sie besonders unter der aktuellen Situation: Wie Ärztinnen und examinierte, also fertig ausgebildete, Pflegekräfte arbeiten auch Pflegeschüler unter großer Anspannung, mit oft unzureichender Ausrüstung. Dazu kommt die Angst um ihre persönliche Zukunft: Wie andere Azubis fragen auch sie sich, was nun aus ihrem Unterricht, aus ihren Prüfungen wird. Kann Ausbildung im Ausnahmezustand überhaupt noch funktionieren?

Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Mindestens 2.100 Stunden Theorie und 2.500 Stunden Praxis müssen die Azubis am Ende vorweisen, um zum Examen antreten zu dürfen. Wann eine Klasse Berufsschule hat, wann Urlaub, wer wann auf welcher Station den Krankenhausalltag kennenlernt, folgt einem komplexen, lange im Voraus festgelegten Plan. Den hat Corona nun durcheinandergeworfen.

Überall wird improvisiert

Als Mitte März gemeinsam mit anderen Ausbildungseinrichtungen auch die Pflegeschulen geschlossen wurden, habe seine Klasse gerade in einem Theorieblock gesteckt, erzählt Marcel am Telefon. Der hätte noch zwei Wochen dauern sollen, dann war eine Woche Urlaub geplant und im Anschluss der nächste Praxisblock. Doch dann schickte die Schule eine E-Mail: Der Unterricht werde eingestellt, die Schüler müssten schon ab dem kommenden Montag auf ihre nächste Station, sie sollten sofort dort anrufen und ihre Dienste klären.