Der Kugelgrill als Status.

Sonne, Wochenende, Grill, das gehört zusammen wie Einigkeit und Recht und Freiheit. Es gibt für die Deutschen kein größeres Hobby als Ruß, ob nun beim Dieselauto oder der Zubereitung von Fleisch unter freiem Himmel.

Ich freue mich auch schon. Ich bin verabredet mit Freundinnen und Freunden. Gepflegt grillen gehen. Paar Getränke verhaften.

Früher hätten wir einfach einen Wegwerf-Grill geholt. Aber darüber sind wir hinaus. Ist ja auch nicht besonders nachhaltig. Mit 30 Jahren gehört es sich offenbar, über Grillhersteller und ihre besten Modelle Bescheid zu wissen. Meine Grillkollegen unterhalten sich über durchdachtes Smoken, kaufen Spähne aus Kirschholz und bändeschwere Fachliteratur. 

Die Brutzelkästen auf Deutschlands Terrassen sind Statussymbole. Es zählen Marke, Größe, Hitze und es geht immer noch besser. Sie heißen Broil King, Napoleon Prestige oder gleich Genesis, also Schöpfung.

Kaum fassbare 1200 Euro geben Griller im Schnitt für Nobelteile mit Gasbetrieb aus, berichtet der Hessische Rundfunk.

Was hingegen auf dem Rost landet, ist viel zu oft grilldeutsche Standardware: Nacken, Wurst, Pute. Keine Experimente!

Alles wird immer teurer. Bis auf das Fleisch.

Die Wenigsten reichen dem Bio-Schlachter ihr halbes Monatseinkommen für Demeterware über die Ladentheke.

Viel häufiger kommt das Fleisch von Aldi, Penny oder der nächsten Tankstelle: Lappen in Plastik, mit Wasser aufgepumptes Knorpelfleisch, das in öligen Würzmischungen schwimmt. Zwei Euro für ein halbes Kilogramm Schwein.

Was, bitte, läuft da schief?

Warum geben manche Menschen für einen Grill so viel aus wie für einen gebrauchten Kleinwagen – und legen dann 99-Cent-Würstchen drauf? Als würde man teure Kristallgläser kaufen und Oettinger reinkippen. Den Mercedes mit Rapsöl betanken. Auf dem riesigen LED-Fernseher ein HSV-Spiel gucken. Man tut das nicht. Weil es nicht zusammenpasst.

Genau so passt es nicht zusammen, dass wir nach unzähligen Videos aus Schlachtbetrieben und Billig-Fleischskandalen wissen, was auf den Grill gehört: 

  1. Fleisch, für das niemand leiden musste. (bento)
  2. Fleisch, für das unsere Umwelt nicht draufgeht: Rund 15 Prozent aller Klimagase stammen allein aus der Fleischproduktion. (MDR)
  3. Fleisch, das keine Antibotika enthält. (Bund)
  4. Oder halt etwas anderes statt Fleisch.

Wenn man schon angeben möchte damit, was für ein starker Griller man ist, kann man doch einfach mal hochwertige Lebensmittel kaufen

Wer mehrere hundert oder tausend Euro für ein Gerät ausgibt, das im Jahr ein Dutzend mal genutzt wird, könnte diese Mahlzeiten mit Biofleisch aus artgerechter Haltung zelebrieren. 

Mich zumindest würde das deutlich mehr beeindrucken, als ein importiertes Stahlmonster mit Infrarot Sizzle Zone, wasserdichter Smokerbox und XXL-Verdampfungssystem. Grillt, aber grillt Gutes!

Und Du?


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