Bild: International Center for Tropical Agriculture
Diese Grafiken zeigen, wo unser Essen eigentlich herkommt.

Kartoffeln, Tomaten, Mais – das alles sind Nahrungsmittel, die täglich auf unseren Tellern landen. Und die ganz selbstverständlich in Deutschland angebaut werden: auf Feldern, in Schrebergärten, sogar auf Großstadt-Balkonen. Dass sie ursprünglich von weit her kommen, hat heute kaum noch jemand auf dem Schirm.

Ein Forscherteam des International Center for Tropical Agriculture (CIAT) in Kolumbien hat jetzt eine Studie veröffentlicht, die zeigt, woher die Nutzpflanzen stammen, die wir heute anbauen und essen.

Auf den ersten Blick sehen die Grafiken aus wie quietschbunte Kreise mit vielen mehr oder weniger dicken Linien; alle zusammen bilden ein dichtes Netz, in dem kaum etwas zu erkennen ist. Genau das wollten die Forscher erreichen: "Das Gefühl, das man bekommt, wenn man die Grafiken betrachtet, trifft genau den Punkt: Wir sind enorm vernetzt", schreibt Colin Khoury in einer E-Mail an bento. Er hat die Untersuchung geleitet.

Diese Grafik zeigt die "Production Quantity" – die Menge der Nutzpflanzen also, die produziert wird. Je dicker die Linie, desto größer diese Menge.(Bild: International Center for Tropical Agriculture)

Wer die Grafiken ein wenig genauer betrachtet, erkennt durchaus einiges: Jede bunte Linie hat einen Startpunkt – eine Weltregion, die genauso eingefärbt ist wie die Linie. Das ist die Region, wo eine Nutzpflanze ursprünglich kultiviert wurde. Am anderen Ende der Linie steht eine zweite Weltregion. Dort wird die Pflanze heute angebaut und gegessen.

Ein Beispiel: Kartoffeln kommen ursprünglich aus Südamerika, genauer gesagt aus der Andenregion ("Andes"). Produziert und verzehrt werden sie heute in weiten Teilen der Welt, zum Beispiel bei uns in Europa ("NW Europe"). Das Gleiche gilt für andere Nutzpflanzen wie Tomaten. Also führt in dem Diagramm eine hellrote Linie von "Andes" zu "NW Europe". Gut, es ist ein bisschen schwer zu erkennen – aber sie ist da.

Ein zweites Beispiel: Von Südasien ("S Asia") und Südostasien ("SE Asia") führt je eine dicke blaue Linie nach Südamerika ("Tropical S. America"). Der Grund: In Südamerika werden große Mengen Zuckerrohr, Reis und Bananen angebaut – und das alles kommt ursprünglich aus Asien.

Die Diagramme enthalten alle Nutzpflanzen, die von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gelistet werden: Weizen, Mais, Reis… Dabei geht es aber immer nur um Nahrungsmittel; Pflanzen, die in der Industrie oder als Treibstoff verwendet werden, fallen weg. (Bild: International Center for Tropical Agriculture)

Weil die Diagramme etwas unübersichtlich sind, hat das CIAT zusätzlich vereinfachte Versionen veröffentlicht (links im Bild). Colin Khoury: „Die linke Grafik zeigt jeweils nur die dominantesten (größten) Bewegungen. So versteht man leichter, worum es geht." Also: Hier kommen Nutzpflanzen rein, die mittlerweile nicht nur in anderen Regionen der Erde produziert werden, sondern das auch noch in großer Menge.

Wer seine Ernährung von jedem Migrationshintergrund befreien wollte, müsste seinen Speiseplan wohl stark umstellen: In Nordeuropa zum Beispiel bliebe kaum mehr als Äpfel, Salat und Haselnüsse übrig. Das zeigt eine weitere hübsche Grafik; sie schlüsselt auf, welche Nutzpflanze woher kommt.

(Bild: International Center for Tropical Agriculture)

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Wer mehr wissen will: Das CIAT-Team hat auch für Kalorien, Protein und Fett bunte Kreisdiagramme angelegt – für die Arten also, mit denen die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Nahrungszufuhr misst. Hier fanden die Forscher heraus, dass im Durchschnitt mehr als zwei Drittel der Pflanzen, die uns mit Kalorien, Fett und Proteinen versorgen, ihren Ursprung anderswo in der Welt haben.
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Die Grafiken machen klar, wie der internationale Austausch unsere Ernährung bereichert hat. In diesem Sinne: Guten Appetit!