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"Ich mach mir doch auch keine Gurke aus Hack!"

"Krabben", "Hühnchen" und "Lachsfilet" stehen im Kühlregal. Die Anführungsstriche signalisieren mir: "Hey, das ist nur im übertragenen Sinne gemeint!" Denn die "Krabben" sind aus Yamswurzelpulver, die "Hühnchen" aus Sojaeiweiß und der "Lachs" aus Sojafasern. Daneben stehen noch "Chorizo", "Pizzaschmelz" und "Schnitzel".

Ich packe alles in den Einkaufswagen und freue mich.

Die Geschichte könnte hier zu Ende sein, ich könnte einfach in Ruhe nach Hause gehen, und mein "Fleisch" genießen. Das kann ich aber nicht, weil mir irgendjemand garantiert wieder auf die auf die Nerven gehen wird.

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Mal ein paar Beispiele:
  1. Bringe ich Fake-Fleisch zum Grillabend mit Familie oder Freunden, werde ich belächelt.
  2. Auch unter meinen vielen Mitbewohnern gab es immer jemanden, der beim Blick in den geteilten Kühlschrank ein Fragezeichen im Gesicht bekommt.
  3. Erst recht aber im Büro, wo der kritische Blick aufs Frühstücksbrot ("Ich dachte, du isst kein Fleisch?" – "Tue ich auch nicht, das ist Veggie-Salami.") in einem Gespräch darüber enden muss, wie falsch und dumm so ein Produkt sei.

In all diesen (und vielen weiteren) Situationen werde ich gebeten, mein Verhalten und meine Ernährung zu rechtfertigen. Oft werde ich sogar kritisiert.

Auch Jan Böhmermann und Olli Schulz kotzen sich in ihrem Podcast "Fest & Flauschig" regelmäßig über Vegetarier und Veganer aus. So auch vergangene Woche, in Episode 12:

Jan: "Ich finde auch diesen Satz ketzerisch, von der Firma Rügenwalder, dass die Wurst die Zigarette von morgen ist. So ein Scheiß. Nur weil die ganzen Vegetarier-Wichser auf einmal anfangen, sich da so industriell verarbeitete Soja-Kacke zu Würsten zusammen zu formen. Und keiner lernt mehr zu schätzen, was eine anständige Fleischware ist."

Olli: "Was bringt es dir denn auch, wenn du vegetarisches Gyros isst? Mit Gyrosgeschmack?"

Von den Beleidigungen Jans mal abgesehen, bringt Olli hier die eine Frage, die scheinbar jeden Fleischesser umtreibt:

Warum isst du nicht einfach richtiges Fleisch?

Ich kann es euch sagen: Der Großteil der Veganer und Vegetarier hat aufgehört, Fleisch zu essen, weil dafür Tiere sterben. Nicht etwa, weil ihnen der Geschmack nicht gefällt. Oder weil sie plötzlich eine "Fleischallergie" erlitten hätten. Natürlich ist Fleisch lecker, extrem sogar. Und ein schöner Teller Gyros mit Zwiebeln und Tzaziki erst recht.

Nur wurde für das Gyros halt leider ein Schwein erst eingesperrt, dann gemästet, im heißen Transporter über die Autobahn gekarrt und am Ende gekeult. Das ist er dann auch schon: der Grund, warum manche Menschen darauf verzichten wollen.

Nun gibt es Firmen, die das erkannt haben und Alternativen anbieten. Sie entwerfen Produkte für alle, die Fleisch zwar mögen, es aber aus ethischen Gründen nicht essen wollen. Vegetarier, die früher gerne Fleisch gegessen haben, haben so die Möglichkeit, die leckeren Gerichte ihrer Kindheit (Schnitzel mit Jägersauce, hallo!!) trotzdem genießen zu können. Nur halt ohne Tod. Damit niemand da draußen immer nur Salat und Grünkern-Burger essen muss. Vegetarier oder Veganer zu sein bedeutet nämlich nicht, sich in Selbstgeißelung nur noch von geschroteten Körnern ernähren zu dürfen.

Und ja, die Veggie-Produkte schmecken oft nicht so wie das Original und enthalten in einigen Fällen keine gesunden Zutaten. Aber das Gleiche gilt für jedes Fast Food, jede Tankstellenbockwurst und jeden Mitternachtsdöner.

Wenn du dich also ganz ernsthaft jemanden dafür verurteilst, dass er bewusst keine Tiere töten will, obwohl er den Geschmack von Fleisch für eine gute Sache hält, ist das ziemlich dämlich.

Lass uns Freunde werden!

Wenn du noch nicht weißt, was du eigentlich essen kannst, mach hier das Quiz:

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