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Verarbeitetes Fleisch ist krebserregend, sagt die WHO.
Worum geht's?

1:0 für die Vegetarier. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat den Verzehr von verarbeitetem Fleisch als krebserregend eingestuft.

Verarbeitet ist das meiste Fleisch, das man so isst: Gepökeltes, Geräuchertes, Fermentiertes oder durch andere Prozesse haltbar Gemachtes. Wurst, Speck und Schinken – alles potenziell gefährlich.

Es gebe genug Belege in Bezug auf Darmkrebs, berichten Experten der zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörenden Behörde im Fachblatt "Lancet Oncology". Zudem sei ein Zusammenhang mit Magenkrebs beobachtet worden sowie mögliche Zusammenhänge mit dem Risiko für Bauchspeicheldrüsen- sowie Prostatakrebs.

Die Belege dafür, dass der Verzehr dieser Fleischsorten beim Menschen Krebs auslöse, seien jedoch begrenzt, heißt es zur Erklärung in "Lancet Oncology". Einige großangelegte Studien hätten einen Zusammenhang zwischen Verzehr und Darmkrebs gezeigt, andere jedoch nicht.

Welches Fleisch ist gefährlich?

Rotes Fleisch – also das von Rind, Schwein, Lamm, Ziege und Pferd – stufen die Experten als "wahrscheinlich krebserregend" ein. In dieser Kategorie findet sich in den IARC-Listen zum Beispiel auch das Pflanzenschutzmittel Glyphosat, das nach Ansicht vieler Kritiker verboten werden sollte.

Die Krebsgefahr entsteht durch verschiedene Substanzen, die bei der Verarbeitung von Fleisch, aber auch beim Kochen oder Braten entstehen. Sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder heterozyklische aromatische Amine (HAA) stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen.

Und wie gefährlich?

"Für den Einzelnen ist das Risiko klein, infolge des Fleischkonsums Darmkrebs zu entwickeln", sagt Kurt Straif von der IARC. "Aber das Risiko steigt mit der verzehrten Menge."

Die Experten des IARC schätzen, dass ein Mensch, der jeden Tag eine 50-Gramm-Portion verarbeitetes Fleisch isst, ein um 18 Prozent erhöhtes Darmkrebs-Risiko hat. Das gilt im Vergleich zu einer Person mit gleichen Lebensgewohnheiten und genetischen Voraussetzungen, die zudem gar kein verarbeitetes Fleisch isst.

So gefährlich wie Rauchen ist Fleischverzehr aber sicher nicht: “What we do know is that avoiding red meat in the diet is not a protective strategy against cancer,” sagte der Neurobiologe Robert Pickard dem "Guardian". The top priorities for cancer prevention remain smoking cessation, maintenance of normal body weight and avoidance of high alcohol intakes.”

Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form auf SPIEGEL ONLINE.