Bild: Imago/Waldmüller
"Muss das mit dem Beutel in die Pfanne?"

Die Deutschen, ein Volk der Kochmuffel? Nichts mehr los mit guter Hausmannskost und ambitionierter Küche? Der Flyer für den Lieferservice wichtiger als das Kochbuch? Und erst die Jugend - unfähig, auch nur ein Spiegelei unfallfrei zu braten? Dieses Lamento ist nicht gerade neu, vor allem zu großen Familienfesten wird der Verlust der Kochkunst bedauert.

Ganz unberechtigt ist es nicht. Eine Befragung von 30.000 Deutschen ergab 2015, dass nur noch 34 Prozent der Verbraucher regelmäßig kochen - 42 Prozent dagegen so gut wie nie. Verzehrten die Deutschen 2005 rund 570.000 Tonnen Fertiggerichte, waren es 2014 schon 964.000 Tonnen. Und in einer Umfrage stimmten 2015 nur 26 Prozent der Deutschen der Aussage zu: "Ich habe eine Menge Erfahrung und Wissen zu den Themen Lebensmittel und Kochen".

Wie groß ist die Ahnungslosigkeit in deutschen Küchen? SPIEGEL ONLINE hat bei großen Fertigprodukteherstellern nachgefragt: Sind Kunden selbst bei der Zubereitung dieser Speisen überfordert - trotz genauer Zubereitungsanleitungen? Oder ist es ein Zerrbild, dass die Deutschen das Kochen verlernt haben?

Diese Fragen stellen Menschen, wenn sie Fertigprodukte zubereiten:
"Was bedeutet 'den Backofen vorheizen'?"
"Wie macht man ein Bami Goreng? Muss man das mit dem Beutel in die Pfanne legen oder ohne?"
"Kann ich aus konserviertem Obst Konfitüre herstellen?"
"Was bedeutet 'auf höchster Stufe erhitzen'?"
"Was ist mit 'die Sahne unterheben' gemeint?"
"Wie viel ist ein Viertelliter Wasser in Millilitern?"
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Wer Antworten sucht, muss Menschen wie Bettina Prims fragen. Sie leitet seit mehr als 15 Jahren das Team Verbraucherservice bei Dr. Oetker. "Ein Anteil der Verbraucher hat sehr geringe Kochkenntnisse", sagt sie. Diese Kunden bewegten sich "fernab der Hochlevelküche".

Regelmäßig müssen Prims und ihr Team Anrufer Schritt für Schritt bei der Zubereitung von Speisen begleiten. "Mitunter denken wir, das ist ein Jux-Anruf", sagt sie. Prims Erfahrungen sind keine Ausnahme, das kann Felix Ahlers bestätigen. Der gelernte Koch ist seit 2010 Vorstandsvorsitzender von Frosta.

Oder sie stellen die Frage, was "auf höchster Stufe erhitzen" bedeutet? "Manche Leute bringen das mit einer Treppe und nicht mit einem Herd in Verbindung", sagt Ahlers. Andere Leute wüssten nicht, "dass man nicht ein Kilo Pasta in einen Liter Wasser tut. Die Leute denken, Pasta kocht man genauso wie Kartoffeln oder Reis."

Wie viel ist ein Viertelliter Wasser in Millilitern?

Bei einem gewissen Kundenkreis fehle auch bei simpelsten Dingen das Wissen zu Zutaten und Zubereitung. "Man muss erklären, was es bedeutet, den Deckel aufzusetzen." Oder gleich ganz vorne anfangen: "Das ist ein Herd, das ist ein Topf, das ist eine Pfanne. Das Nichtwissen ist extremer geworden", sagt Ahlers.

Und damit ist das Thema Maße und Gewichte noch nicht einmal gestreift: Wie viel ist ein Viertelliter Wasser in Millilitern? "Das gehen wir sehr häufig mit Kunden durch", sagt Bettina Prims von Dr. Oetker. Doris Wilhelmi, Leiterin der Kundenberatung bei Bofrost, nennt ein ähnliches Beispiel: Auf der Packung stehe, dass für zwei Portionen ein Esslöffel Wasser zugegeben werden solle. "Hin und wieder rufen Kunden dann zum Beispiel an und fragen, wie viel Wasser sie dann für drei Portionen brauchen."

Alles furchtbar also? Das wäre falsch. Alle kontaktierten Unternehmen sehen auch einen gegenläufigen Trend. Prims denkt nicht, dass die Deutschen das Kochen generell verlernt haben. Viele Anrufer brauchten Tipps, wenn mal eine Zutat fehle: "Ich habe kein Kardamom zu Hause, was kann ich stattdessen nehmen?"

"Da herrscht teilweise Verzweiflung"

Ähnliche Erfahrungen gibt es bei Bofrost. Der Kundenservice des Unternehmens zählt monatlich rund 1200 telefonische Anfragen zur Zubereitung. Wie gut und aufwendig gekocht werde, sei eher eine Frage der Zeit und nicht des Könnens, sagt Doris Wilhelmi. Viele Anrufer hätten Fragen etwa zu Laktose-Intoleranz oder vegetarischer Ernährung. "Die Kunden sind kritischer geworden und wollen mehr über ihre Lebensmittel wissen." Das kann auch Felix Ahlers bestätigen: "Die Leute setzen sich - auch durch Lebensmittelskandale - mehr mit dem Thema auseinander."

Überforderung tritt bei dieser Gruppe ein, wenn zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder Hochzeiten etwas Besonderes auf den Tisch soll. "Die Leute sind sich oft nicht über den Zeitaufwand bewusst, dass man viele Stunden vorher anfangen, systematisch einkaufen muss", sagt Bettina Prims. Mehrfach hat sie es schon erlebt, dass Anrufer etwa durch die Herstellung einer Hochzeitstorte mit den Nerven runter waren. "Da herrscht teilweise Verzweiflung."

Oder Familienzwist. Einmal erhielt Prims den Anruf einer aufgebrachten Dame. Die nannte die Telefonnummer ihrer Tochter und bat darum, man solle die junge Frau sofort anrufen. Die Tochter wolle eine Weihnachtsgans zubereiten. "Die Mutter sah nur noch die Möglichkeit, dass wir die Zubereitung mit der Tochter telefonisch durchgehen", sagt Prims. Die beiden hätten sich wegen der Gans so zerstritten, dass sie "nicht mehr in der Lage waren, miteinander zu sprechen".

Vielleicht wäre schon etwas geholfen, wenn die Zubereitung präziser beschrieben würde. Tatsächlich gibt es Fälle, in denen nachgebessert wurde. Zum Beispiel bei Fischstäbchen. Früher habe die Anleitung gelautet: "Regelmäßig wenden", sagt Felix Ahlers. "Dann hatten wir immer Beschwerden, dass das Fischstück zerbrochen ist, weil die Leute zehnmal gewendet haben." Nun stehe auf den Packungen: Acht Minuten in der Pfanne garen und nach der Hälfte der Zeit einmal wenden. Und manchmal werde Kunden auch einfach empfohlen, eine beschichtete Pfanne zu verwenden.

Dieser Artikel ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.

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