Unser Lieblingssnack diese Woche: ALLES

Doppeldeckerkekse bestrichen mit Nuss-Nougat-Creme, gerösteter Mais, Chips, Berge von Nüssen, Nachos, Schokobons, Reiswaffeln, Schokolade, Weintrauben, Kekse, Bier und Wein, Käsestullen und jede Menge Jaffa Cake. Das ist nur ein Ausschnitt aus den Antworten einer kleinen bento-Umfrage nach dem aktuell beliebtesten Quarantäne-Snack. 

Widerstand snacklos

Es gibt Lebensmittel, Gerichte und kleine Zwischenmahlzeiten, denen ein Denkmal gesetzt werden sollte. Weil sie unser Leben bereichern, symbolisch für Großes stehen oder einfach ein treuer Begleiter in allen Lebenslagen sind. In dieser Snack-Kolumne stellen wir solche Lieblinge vor. 

Deutschland ist seit Beginn der Corona-Krise nicht nur im Homeoffice, sondern auch im Snack-Loop gefangen: Es wird gegessen, gegessen, gegessen. Der Speiseplan ist mit Terminen wie Pre-Brunch, Fünf-Uhr-Tee und Nachtkäse durchgetaktet wie der von Hobbits. 

Erschwerend kommt hinzu, dass in kinderlosen Haushalten derzeit Las-Vegas-Regeln gelten: 

  • Man darf den ganzen Tag einen Bademantel tragen. 
  • Niemand kennt den Wochentag.
  • Um 9 Uhr morgens mit einem Drink in der einen und einem angebissenen Laib Brot in der anderen Hand "Business" zu machen, ist weithin akzeptiert. 
  • Es gibt 24 Stunden lang Frühstücksbuffet. 
  • Einige berichten uns sogar, nun im Haus zu rauchen, "um nicht so viel essen zu müssen". #priorities

Snacks ersetzen soziale Kontakte

Warum soll man sich auch die Mühe machen, sein Essverhalten zu zügeln, wenn einen sowieso niemand sehen (oder riechen) kann? Dates fallen aus, Partys fallen aus, das Schaulaufen im Büro und Fitnessstudio fällt aus.

Wen in der Isolation die Einsamkeit packt, der geht eben an den Süßigkeitenvorrat. Denn egal ob lachende Gummibären oder charmante Keks-Prinzen, beim Aufziehen der Snack-Schublade blickt man in viele bekannte Gesichter und fühlt sich gleich weniger allein. 

Nicht ohne Grund, denn Essen erinnert wie kaum eine andere Tätigkeit an vergangene Gemeinschaftserlebnisse. Der Sonntagsbraten bei Oma, das Geburtstagsfrühstück oder der romantische Abend im italienischen Restaurant, sie alle haben wir tief in unseren Erinnerungen abgespeichert. Das Essen selbst wird mit den Gefühlen der Gemeinschaft verknüpft, die wir nun durch das Snacken wieder hervorrufen (wollen). Im wahrsten Sinne des Wortes Küchenpsychologie. (Harvard / Journal of Psychology Interdisclipinary and Applied)

Die Ursache finden wir vielleicht am steinzeitlichen Lagerfeuer: dem Ort, an dem ein paar Frühmenschen gemeinschaftlich ihr Mammut grillten und Entlausungstipps austauschten – was ihnen evolutionär einen Vorsprung vor allein essenden (und verlausten) Artgenossen verschafft haben könnte.  

Ebenso ein Grund für den momentanen Heißhunger ist wohl aber auch einfach, dass Supermärkte in Zeiten der Corona-Krise eines der wenigen noch erlaubten Ausflugsziele sind. Und aufgrund der latenten Lebensgefahr (mehr noch durch aggressive Hamster als durch das Virus) sind sie auch Arenen für aufregenden Extremsport. Denn während man sich um Schokolade und Nudeln prügelt, kann man sich ein kleines bisschen fühlen wie "früher", sonntags im Stadion. 

Joghurt statt Yoga

Den entspannenden Ausgleich für diesen Adrenalinrausch gibt es zu Hause, wo der Blick in den nun gefüllten Kühlschrank zur wichtigsten Meditationsübung wird. Tür auf. Tür zu. Einatmen. Ausatmen. Es wird für viele vorerst die einzige Sportübung bleiben, warnen Forscher (Frankfurter Rundschau).

Kaum ein Home-Workout der Welt kann den Berg von Snacks wieder wettmachen, den man dort nicht nur bunkert, sondern eben auch täglich in sich hineinschaufelt. Immerhin wird das Streben nach dem perfekten "Beachbody" jetzt, so wie vielleicht das Sommersemester oder die EM, einfach auf 2021 verschoben. Darauf noch eine Schokomilch!

In der nächsten Folge von Widerstand snacklos: Erdnussflips.


Fühlen

Selbstmassage, Masturbation, Telefonsex: Die Zeit nutzen und den Körper besser kennenlernen
Sexarbeiterin und BDSM-Coach Sadie Lune gibt Tipps

Wenig physischer Kontakt zu anderen Menschen, dafür jede Menge bedrohliche Nachrichten – Sadie Lune ist überzeugt: Die Coronakrise könnte dazu führen, dass viele Menschen ihren eigenen Körper weniger bewusst wahrnehmen.

Sadie ist Sexarbeiterin, BDSM-Coach und bietet Bildungstutorials für Erwachsene rund um das Thema Sex auf der Plattform Sex School Hub an.

Den eigenen Körper zu spüren helfe gegen Nervosität und Unsicherheit, womit gerade viele Menschen zu kämpfen hätten, erzählt sie bento am Telefon. Wer sich mit dem eigenen Körper verbunden fühlt, fühle sich auch mehr mit anderen Menschen verbunden. Das stärke unsere Empathie, die wir in der gegenwärtigen Krise besonders bräuchten. In Verbindung mit dem eigenen Körper zu stehen bedeutet auch, die Gesundheit und das Immunsystem zu stärken. Wir merken so auch viel besser, wenn etwas nicht stimmt. 

Noch ein Vorteil: "Wenn wir unseren Körper, unsere Bedürfnisse und unser Begehren gut kennen, kann das wirklich die Qualität und Quantität unseres Sexlebens steigern – und, nach meiner Erfahrung, auch die unserer Orgasmen."

Mit bento hat Sadie praktische Tipps geteilt, wie wir die Zeit zuhause jetzt nutzen können, um unsere Körper besser kennen zu lernen – alleine oder als Paar.