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Diese Anleitung hilft dir.

Auf Kalorienbomben verzichten? Statt Käse Rohkost knabbern? Und Orangen naschen, nicht Eiscreme? Nicht an Weihnachten! An den drei Feiertagen gilt es zu genießen, was in den Bauch geht. Die einzige Gefahr: das Tief nach dem Schmaus. Wenn der Hosenbund in den Bauch drückt und der Weg zum Sofa wirkt wie eine Bergbesteigung, ist es mit der Freude vorbei. Das muss nicht sein.

Eine Anleitung fürs Schlemmen ohne Koma danach.

Die Vorbereitung: Frühstück wie ein Kaiser

Das richtige Verdauungstraining beginnt mit einer einfachen Regel: tagsüber ja nicht fasten, um ein paar Kalorien einzusparen. Wer zu stark von seiner normalen Ernährung abweicht, sorgt für Rebellion in Magen und Darm. "Wichtig ist vor allem, normal zu frühstücken", sagt Christian Prinz, Direktor der Helios Klinik für Gastroenterologie in Wuppertal. "Über den Tag gesehen schüttet der Magen morgens die größte Menge Säure aus. Nur wer dann etwas isst, kann das puffern und vermeidet Probleme."

Wer seinen Appetit für den Abend aufheben möchte, sollte stattdessen beim Mittagessen sparen und vor allem auf Kohlenhydrate verzichten. Zucker und Stärke sorgen dafür, dass der Körper Insulin ausschüttet - und das sättigt. "Optimal sind deshalb ein Salat, ein Carpaccio oder Antipasti", sagt Prinz. "Alles ohne Brot, damit man abends auch richtig Appetit hat."

Bevor es dann abends richtig losgeht, darf schon eine halbe Stunde vor dem Essen das erste Gläschen gehoben werden - der Aperitif sollte allerdings gut ausgesucht sein. "Prosecco, Champagner, der klassische Sherry oder auch ein Pils eignen sich gut, um die Magensäure zu locken", sagt Prinz. "Das sichert eine exzellente Vorverdauung." Wichtig sei nur, es nicht zu übertreiben. "Der Aperitif sollte nicht mehr als 20 Volumenprozent Alkohol enthalten", sagt Prinz. "Sonst hemmt der Alkohol zu stark die Bewegungen des Darms."

Beim Essen: Wein trifft Wasser

Endlich! Der Appetit ist jetzt riesig. Trotzdem rät Prinz, mit einer warmen konzentrierten Brühe zu starten. "Eine Consommé enthält die wichtigsten Nährstoffe für den Körper", sagt Prinz. "Gerade wenn ein Festessen länger gehen soll, wirkt sie wie ein kleiner Energydrink." Daneben erwärmt die Brühe Magen und Darm und verbessert die Durchblutung - pünktlich zur fordernden Hauptspeise.

Ein sehr fettiges Essen lässt sich durch Wein sinnvoll ergänzen – aber nur in Maßen. "Wein sorgt nicht nur für Synergien mit den Aromen der Speisen, die Säure unterstützt auch die Fettverdauung", sagt Prinz. Mindestens ebenso wichtig sei jedoch Wasser. Anders als häufig behauptet, bremst Wassertrinken beim Essen nicht die Verdauung, sondern bringt sie sogar in Schwung. Indem es den Kloß-Rotkohl-Brei verdünnt, rutschen die Speisen schneller Richtung Darm - und das ist das oberste Ziel.

"Völlegefühl entsteht durch die Dehnung des Magens", sagt Prinz. Was weitergerutscht ist, kann im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr schwer im Magen liegen. Prinz rät, für jeden Gang etwa eine halbe Stunde einzuplanen. Solange braucht der Speisebrei durchschnittlich, bis er den Magen Richtung Dünndarm verlässt und damit Platz für Neues schafft.

"Jetzt ist nur noch eine Sache zu beachten: ausgiebig kauen. Dabei zermalmen die Zähne Rotkohl und Knödel in kleine, magengerechte Stücke. Außerdem können Stoffe aus der Spucke die Kohlenhydrate schon im Mund in ihre Zucker-Bausteine zerlegen und Magen und Darm ein wenig Arbeit abnehmen."

Nachbereitung: Hoch vom Stuhl

Einen Schnaps danach kann man trinken – muss man aber nicht. Der Alkoholgehalt ist so hoch, dass der Schnaps den Weg der Speisen durch den Körper sogar bremst, zumindest zeigen das mehrere Studien.

Die einzige, äußerst effiziente Möglichkeit, dem Fresskoma zu entfliehen: aufstehen! "Man muss nicht gleich spazieren gehen", sagt Prinz. Schon den Tisch abdecken und den Geschirrspüler einräumen schütze vor dem Tief nach dem Essen. Die Bewegung der Bauchdecke aktiviert wahrscheinlich die Schrittmacherzellen im Magen - und die geben den Takt vor, mit dem sich der Weihnachtsschmaus Richtung Darm verflüchtigt.

Nur eins darf die Bewegung nicht sein: zu anstrengend. Sonst rauben die Muskeln in Armen und Beinen zu viel Blut, das die Muskeln von Magen und Darm gerade dringend brauchen. Das Festessen bietet also auch noch die beste Ausrede dafür, keinen Sport machen zu müssen.