Bild: Annika Krause/ Montage: bento
Wir haben Millennials gefragt, wie sie knappes Budget und gesundes Essen zusammenbringen.

Kein Fleisch, keine Kohlenhydrate, kein Zucker – viele junge Menschen probieren verschiedene Ernährungsmodelle aus. Manche wollen abnehmen, manche achten auf Umwelt und Konsumverhalten oder wollen sich einfach möglichst ausgewogen und gesund ernähren.

Millennials haben den Ruf, eine Ernährungsrevolution gestartet zu haben. Sie achten besonders auf Gesundheit und Ernährung – obwohl sie dafür viel weniger Geld zur Verfügung haben als frühere Generationen. (Goldmann Sachs)
Sie lieben Snacks und mögen einfaches Essen. Aber statt des Fettgehalts interessiert sie, wie und wo ihr Essen angebaut wurde. (Washington Post)

Aber ein Ernährungskonzept im Alltag auch umzusetzen und bei Hunger nicht zum Schokoriegel oder billigen Döner zu greifen, fällt vielen schwer.

Wir haben vier Menschen zu Hause besucht, mit ihnen über Ernährung gesprochen – und in ihre Kühlschränke geschaut.

Benny, 24 Jahre

(Bild: Annika Krause)

Ich bin Student und wohne in einer Einzimmerwohnung. Bei meinen Einkäufen achte ich darauf, dass sie günstig und gesund sind. Meine Mutter ist Ernährungswissenschaftlerin, deshalb wurde schon in meiner Kindheit auf eine gesunde Ernährung geachtet. Allerdings nasche ich sehr gern, und ich liebe Süßigkeiten und Eis.

Zu Hause achte ich auf meine Ernährung und kaufe mir nichts Ungesundes. Da habe ich auch kaum Süßkram. Aber wenn ich unterwegs bin, gönne ich mir gern was. Bei gutem Wetter gehe ich oft zur Eisdiele.

Da ich sehr viel Sport mache, nehme ich nicht zu und habe noch nie eine Diät gemacht.

(Bild: Annika Krause)

Ich frühstücke Müsli und mittags gehe ich in die Mensa. Abends esse ich oft Salat oder Brot. Ich versuche, auf Fleisch zu verzichten. Das klappt zwar nicht immer, aber ich habe es stark reduziert. Zu Hause habe ich nie Fleisch, das finde ich überflüssig. Außerdem kann ich mir als Student keine Bioprodukte leisten und Billigfleisch finde ich eklig. Meine Schwester ist Veganerin und hat mir das vegetarische Leben näher gebracht – aber auf Milchprodukte möchte ich nicht verzichten.

Janine, 22 Jahre

(Bild: Annika Krause)

Ich achte darauf, viele Vitamine durch Obst zu mir zu nehmen. Mein Immunsystem ist nicht das Beste, deshalb esse ich noch mehr Obst, wenn ich das Gefühl habe, krank zu werden. Ich frühstücke meist gar nichts, aber trinke jeden Morgen einen Zitronensaft. Erst gegen 10 Uhr bekomme ich Appetit, dann esse ich Bananen und Trauben.

Da ich direkt neben der Uni wohne, gehe ich in der Pause nach Hause und koche mir etwas, das mag ich lieber als die Mensa. Abends mache ich mir meist Porridge mit fettarmer Milch. Eigentlich mag ich lieber Mandelmilch, aber die ist mir als Studentin zu teuer. Hätte ich mehr Geld, würde ich auch mehr Bioprodukte kaufen. Ich finde es schade, dass gute Ernährung auch oft eine Frage des Geldes ist.

(Bild: Annika Krause)

Heute habe ich mir Pelmeni gemacht, das ist ein russisches Nudelgericht mit Fleischfüllung. Ich habe russische Wurzeln und liebe die russische Küche. Früher habe ich in einer WG gewohnt und einer meiner Mitbewohner war Veganer. Er hat einmal pro Woche für uns gekocht und uns gezeigt, dass veganes Essen sehr lecker sein kann. Jetzt wohne ich wieder allein und esse ein- bis zweimal pro Woche Fleisch, ansonsten viel Salat und Fisch.

Wenn ich richtig Bock auf was Süßes habe, mache ich mir einen Chai-Latte. Ich versuche, durch die Ernährung mein Gewicht zu halten, weil ich keinen Sport mag. Von Schokolade und Chips bekomme ich Pickel, aber natürlich werde ich manchmal schwach.

Fastfood versuche ich zu vermeiden, allerdings arbeitet mein Freund in einer Pizzeria und dort gibt es die beste Pizza, die ich je gegessen habe. Ich liebe sie und kann nicht widerstehen.

Antonia, 18 Jahre

(Bild: Annika Krause)

Letztes Jahr habe ich Abitur gemacht und wohne noch zu Hause, gemeinsam mit meiner Mutter und meinem Bruder. Momentan jobbe ich als Kellnerin, um Geld für eine Reise zu sparen. Meine Mutter und ich kochen jeden Tag zusammen und gehen oft gemeinsam einkaufen. Ich finde es cool, selbst auszusuchen, was man mag und sich inspirieren zu lassen.

(Bild: Annika Krause)

Früher war ich auf einem Internat für Leistungssportler und nur am Wochenende zu Hause. Im Internat hat es mich sehr gestört, dass ich keinen Einfluss darauf hatte, was es zu essen gab. Oft gab es morgens Toast und mittags Nudeln, obwohl ich eigentlich keine einfachen Kohlenhydrate essen möchte. Nun kann ich mir endlich aussuchen, was es zu essen gibt und wir versuchen, gesund und ausgewogen zu kochen. Meine Mutter arbeitet in einem Gemüseladen, so dass wir immer viel Gemüse zu Hause haben.

Dominique, 29

(Bild: Annika Krause)

Mein Mann und ich sind Lehrer, sodass wir manchmal gemeinsam Mittagessen können. Wer zuerst zu Hause ist, kocht. Wenn wir beide lange Unterricht haben, isst mein Mann in der Kantine und ich nehme mir etwas vom Vortag mit und mache es warm. Nachmittags trinken wir oft einen Kaffee zusammen und essen etwas Süßes, wie eine Milchschnitte. Abends essen wir Salat oder Suppe.

(Bild: Annika Krause)

Unter der Woche frühstücken wir Müsli und essen sehr selten Brot. Dafür freue ich mich am Wochenende sehr auf ein großes Brötchen-Frühstück. Ich liebe Käse und nasche dann oft von der Käseplatte mit Oliven.

Generell mag ich herzhaftes Essen lieber als Süßigkeiten, auf Käse könnte ich niemals verzichten. Mein Mann und ich gehen abwechselnd einkaufen, ungefähr zwei- bis dreimal pro Woche. Wir gehen zum Supermarkt um die Ecke, wo es leider keine Frischetheke gibt. Deshalb kaufen wir oft abgepacktes Fleisch und Käse.

Obst und Gemüse bewahren wir in extra Frischhaltedosen auf, die man dem Gemüse entsprechend einstellen kann. Vor allem Möhren halten sich dadurch viel länger.

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Grün

Rebellion statt bloß Klimaprotest: "Wir weigern uns auszusterben!"
Was steckt hinter der neuen Klimabewegung Extinction Rebellion aus London?

Ein Samstag Ende April. Auf der Spitalerstraße in Hamburg, einer der zentralen Einkaufsstraßen, sind die üblichen Bummler mit vollen Tüten unterwegs. Doch etwas ist heute anders als an anderen Samstagen. Laute Trommelmusik schallt durch die Fußgängerzone, in bunten Kostümen tanzen mehrere Dutzend Menschen wild auf der Straße, der Jüngste ist gerade mal fünf Jahre alt, andere schon über 50. Passantinnen und Passanten bleiben stehen, staunen, filmen mit dem Handy - Karneval ist doch längst vorbei!? 

Mittendrin tanzt auch Ilka, in lila Blümchenkleid und mit bemaltem Gesicht. Sie ist 20 Jahre alt und studiert Kulturanthropologie an der Uni Hamburg. Plötzlich halten die fünf in Schwarz und Weiß gekleideten Trommelnden inne, die Musik stoppt - und die Tänzerinnen und Tänzer fallen in der Bewegung um und bleiben reglos am Boden liegen.