"Ich pule Fischstäbchen wie andere Krabben"

Wir kennen sie alle, die ästhetischen Foodporn-Bilder, irgendwas zwischen super healthy, super stylisch und super lecker. Wie so vieles in unserer Timeline sind die Bilder oft perfekt inszeniert und belichtet.

Wir haben nachgeschaut, welches Essen wir als letztes fotografiert haben. Ein ehrliches Protokoll.
Marc: Fettbemme


Ich kann Food-Fotos nicht leiden. Ich mache keine, ich verstehe den Sinn nicht, ich like auch keine bei anderen. Wenn mir mal die Idee kommt, dass ein Essen gut aussieht, dann immer erst, nachdem ich schon die Hälfte gefuttert habe. Diese Fettbemme habe ich wahrscheinlich nur aus einem Grund fotografiert: Um einfach mal den ganzen Food-Stylern eine ehrliche Schnitte in die Timeline drücken!

Ich war in Pirna in meiner Heimat Sachsen unterwegs. Das mit sauren Gurken belegte Schmalzbrot schmeckt nach Kindheit. Entsprechend sind auch die drei anderen abfotografierten Speisen in meiner Timeline Klöße, Würste, Semmeln. Meine Essensbilder sind der Amateursex zum Foodporn der anderen.

Im Schnelldurchlauf – unsere ehrlichen Essensbilder:
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Basti: Schokokekse

Ich habe am Wochenende für meine Freundin Schokokekse gebacken. Sie war erkältet und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich sie angesteckt hatte. Das war das ultimative Soulfood, weil wir uns natürlich als guten Vorsatz zum neuen Jahr vorgenommen haben, gesund zu Essen und auf Süßes zu verzichten. Hat nicht geklappt.

Hanna: Trüffel-Frischkäse

Ich mache fast nie Bilder von meinem Essen, aber als ich diesen Lieblingskäse neulich in einem Laden wiedergefunden habe, musste ich ihn vor lauter Freude noch auf dem Kassenband knipsen und das Bild an gleichgesinnte Käselover schicken. Guckt ihn euch an, den Trüffel-Frischkäse. Ein fetter, weißer Haufen Glück.

Marlene: Fischstäbchen

Man sagt, dass Frauen gute Multitasker sind. Ein bisschen wie diese Göttin mit den vielen Armen. Spoiler: Auf mich trifft das nicht zu.

Kürzlich ereignete sich dieses Schicksal: Ich haue Fischstäbchen in die Pfanne. Genug Zeit, um zu telefonieren und schnell zu duschen. Heißer Dampf steigt auf. Dieser lavendelige Duft – kurz durchatmen. Aus herrlich wird rauchig: Die fiesen Fischstäbchen verbrennen in der Pfanne.

Egal, die andere Seite sieht noch okay aus. Ich pule die Stäbchen, wie andere Krabben und lege sie direkt auf den Spinat – vorher ein Foto, das ich auf Facebook poste: "Ich habe gekocht."

Noemi: Hähnchenteller

Dieses Bild verrät viel über das manchmal ungewollt schwierige Verhältnis zwischen Fleischessern und Vegetariern. Folgendes ereignete sich in einer meiner Mittagspause: Der Kollege links von mir schenkte mir seine knusprige Hähnchenhaut – eine große Freude für mich als Liebhaberin dieses würzigen Essens. Der Kollege rechts von mir lief hingegen wenige Minuten später – ohne ein Wort zu sagen – davon. Dem strikten Vegetarier war übel geworden.

Annika: Krabbenbrötchen

Mein letztes Essensfoto ist vor drei Monaten entstanden, an meinem ersten Tag in Hamburg. Ich saß mit meinem Freund an der Alster und wir aßen ein Krabbenbrötchen. Die Sonne schien, ein schöner Moment. Das Foto habe ich meinen Freunden und meiner Familie im Rheinland geschickt. Seht her: Ich bin gut in meiner neuen Heimat angekommen.

Ole: Brot

Klar fotografiere ich mein Essen. Hier das letzte Foto: ein Brot! Ich habe es selbst gebacken. Mehl, Wasser, Hefe, ein bisschen Salz. Sonst nichts. Nur Zeit. Und Knetkraft. Es hat fast einen halben Tag gedauert. Meine Küche ist seitdem voller Mehlstaub.

Ich mag Brotbacken. Es ist unpraktisch und anstrengend, dafür aber sehr entspannend. Andere Menschen gehen Schwimmen, gucken Serien oder posten Hasskommentare auf Facebook. Ich knete und warte. Dann ist es fertig: mein Brot.

Ich bin sehr stolz. Es ist perfekt so, wie es ist.

Miri: Suppe

Dass man langsam erwachsen wird, zeigt sich auch daran, dass man sich an Weihnachten ganz aufrichtig über Küchengeräte freuen kann. Bei einer guten Freundin lag dieses Jahr einen Pürierstab unterm Baum. Sie war ganz erpicht darauf, mir vorzuführen, was der so alles kann. Auf das Ergebnis, eine Süßkartoffel-Mango-Suppe, waren wir dann so stolz, dass wir ein Bild davon an einen gemeinsamen Freund schickten. Er lebt momentan in Israel.

Mein Essen fotografiere ich eigentlich nur, um die Menschen an meinem Alltag teilhaben zu lassen, die zu weit entfernt sind, um mit mir Süßkartoffel-Mango-Suppe löffeln zu können.

Käthe: Gemüsemaultaschen

Was kannst du tun, wenn du dick erkältet auf dem Sofa liegst und plötzlich Hunger bekommst? Den Lieferservice anrufen. Das lohnt sich aber nicht so richtig, weil deine Geschmacksknospen gerade nicht funktionieren. Also schmeißt du einfach die Reste aus deinem Kühlschrank auf einen Teller.

In meinem Fall: Gemüsemaultaschen in der Pfanne gebraten, auf einem Salatbett mit Ziegenkäse. Okay zugegeben: die Resteverwertung könnte schlimmer ausfallen. Meine Mama wollte wissen, ob es mir wieder besser geht. Ich habe ihr deshalb dieses Foto geschickt. Sieh her: Ich esse immerhin wieder.

Ob das Gericht gut geschmeckt hat? Ich kann es nicht sagen.

Lisa: Handbrot

Ich mache nur ganz selten Fotos von meinem Essen. Oft ist mein Hunger zu groß, da kann ich keine Sekunde warten. Nicht mal den Weihnachtsbraten habe ich fotografiert.

Mein letztes Food-Foto stammt vom Weihnachtsmarkt. Ich habe zusammen mit Freunden ein Dresdner Handbrot gefüllt mit Käse gegessen. Das Foto sollte mir beim Nachbacken helfen. Wie es so häufig ist: Ich bin noch nicht dazu gekommen.


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