4 Fragen zum Fleisch-Dumping

Bei Edeka ist es der "Montagsknüller", gültig an nur einem Tag: Hähnchenschenkel für nur 15 Cent pro 100 Gramm. Dazu wirbt der Supermarktriese auch noch mit der "Initiative Tierwohl", aus der das Produkt stammen soll. 

Doch bei einigen Kundinnen und Kunden stößt dieser Preis sauer auf: 15 Cent – kann das in irgendeiner Weise etwas mit Qualität zu tun haben, geschweige denn mit Tierwohl? Auf Facebook wird kommentiert. 

Ihr Montagsknüller ist wirklich ein Knüller. Aber ein abscheulicher, abstoßender und unfassbarer!

Die Billig-Hähnchenschenkel seien "der Gipfel der Geschmacklosigkeit". Nutzer kündigen an, nicht mehr bei Edeka einkaufen zu gehen.

Zu Ihrem Montagsknüller für diese Woche: Ihr Montagsknüller ist wirklich ein Knüller. Aber ein abscheulicher,...

Gepostet von Simone Animale am Montag, 2. Juli 2018

Wie reagiert Edeka?

Auf mehrere Kommentare aufgebrachter Kundinnen und Kunden hat Edeka geantwortet – der Angebotspreis hätte "keinen Einfluss auf den Erzeugerpreis", den die Landwirte erhielten. Der billige Preis ginge zu Lasten des Groß- und Einzelhandels. Dazu verweist die Supermarktkette nochmals auf die "Initiative Tierwohl", bei der man sich unter anderem engagiere.

Die Nutzer lassen das jedoch nicht gelten: Einer antwortet daraufhin, dass es ja schön und gut sei, dass Edeka das Tierwohl unterstütze. Allerdings habe auch eine Werbeaktion, die auf Kosten von Edeka ginge, nur eine Folge: Sie entwerte das Produkt.

Das sieht auch Silke Schwartau, Leiterin der Ernährungsabteilung in der Verbraucherzentrale Hamburg so: "Edeka schießt hier ein ganz schlimmes Eigentor, weil man den falschen Eindruck vermittelt bekommt, dass Tierschutz nichts kostet", sagt sie zu bento. Der Landwirt habe zwar höchstwahrscheinlich in diesem Fall das Geld für mehr Tierwohl bekommen, trotzdem sende die Supermarktkette mit der Aktion ein falsches Signal an Verbraucher.

Wer steckt hinter der "Initiative Tierwohl"?

Bei der Initiative handelt es sich um ein Bündnis aus Verbänden und Unternehmen der Land- und Fleischwirtschaft und dem Lebensmittelhandel. Supermarktketten und Discounter bezahlen den Landwirten für verkauftes Schweine- und Geflügelfleisch einen gewissen Anteil. Damit werden Mehrkosten ausgeglichen, die bei Maßnahmen für mehr Tierwohl entstehen. Aktuell sind das 6,25 Cent pro verkauftem Kilogramm Fleisch.

Dafür erhalten die Landwirte Vorgaben, die etwas über den gesetzlichen Mindeststandards stehen. Dazu gehören:

  • zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial für Schweine und Geflügel,
  • ein Mindestmaß an Tageslicht für die Tiere,
  • die zentrale Erfassung von Beanstandungen bei geschlachteten Tieren.

Mit tatsächlichem Tierwohl hat die Initiative also wenig zu tun: Bei der Geflügelhaltung bedeuten die Vorgaben konkret, dass 23 Hühner auf einem Quadratmeter im Stall gehalten werden dürfen – statt laut Gesetz 26. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb, dass die Kriterien deutlicher über das gesetzliche Mindestniveau angehoben werden sollen.

Wie sieht es bei der Konkurrenz von Edeka aus?

Ein Blick in die Prospekte anderer Supermärkte zeigt: Mit seinen 15 Cent pro 100 Gramm ist Edeka so billig wie kein anderer, die Preise bei anderen Ketten liegen aber auch nicht weit darüber: Bei Rewe kosten Hähnchenschenkel etwa 25 Cent, bei Kaufland rund 23 Cent und bei Lidl gibt es sie bereits gewürzt für knapp 20 Cent pro 100 Gramm. 

Wie könnte die Situation verbessert werden?

Label wie das der "Initiative Tierwohl" suggerieren Tierschutz, wo die Kriterien kaum über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus gehen. Am Supermarktregal ist aber kaum erkennbar, welches Siegel für tatsächlich artgerechtere Haltung steht. Einzelne Ketten wie beispielsweise Lidl haben mittlerweile ihren eigenen "Haltungskompass" (bento), die Verwirrung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern wächst damit aber nur. 

Ein staatliches Tierschutzlabel, welches nicht bloß eine Mogelpackung ist wie das der "Initiative Tierwohl", könnte die Haltung der Tiere in Deutschland verbessern.


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