Bild: Claudia Frickemeier

Die Gerichte im "Dandy-Kochbuch" sind ziemlich schwer. Das liegt meistens nicht an der Art der Zubereitung, sondern an den Zutaten. Die zu besorgen, ist eine Herausforderung: Da werden zum Beispiel 500 Gramm Trüffel aus dem grünen Périgord verlangt. Wer schon beim Preis eines Biohähnchens Angstschweiß bekommt, sollte sich festhalten: Rund tausend Euro dürfte dich allein diese eine Zutat kosten.

Der Dandy strebt nach Genüssen, die ihn der Alltäglichkeit entheben.

Andere Rezepte verlangen nach Moorschneehühnern oder Schnepfen. Die sind vergleichsweise günstig, dafür muss man sie aber erst mal auftreiben. (Amazon ist da keine große Hilfe.) Andere Zutaten sind schlicht verboten: Schildkröten und Rotkehlchen stehen unter Artenschutz. Aber so haben Dandys im beginnenden 19. Jahrhundert eben gegessen.

Der Dandy war im Prinzip der Vorgänger des Hipsters. Er besaß einen vorzüglichen Geschmack, mit dem er sich von der großen Masse abhob. Der Dandy besaß jede Menge Zeit und jede Menge Geld (oder er tat wenigsten superreich). Exklusives und unpraktisches Essen passt deswegen hervorragend zum Dandy. Es geht weniger um Nahrung, viel mehr um Inszenierung.

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Wer jetzt den Tierschutz rufen will: Melanie Grundmann, die Autorin des "Dandy-Kochbuchs", gibt bei den illegalen Zutaten Tipps für delikaten Ersatz. Statt Schildkröte passt auch Kalbskopf in die Suppe. Wie überhaupt viele der Gerichte Innereien erfordern. Aber damals, vor hundert Jahren, hat man im Dandy-Einzugsgebiet England, Frankreich und Russland einfach mehr vom Tier auf die Teller gepackt.

Schildkröte köpfen, an den Hinterfüßen aufhängen und zwölf Stunden ausbluten lassen.

Hahnenkämme, Kutteln und Rindsgaumen wollte der Dandy aufgetischt bekommen. Wer mit diesen Wünschen heute zum Metzger geht, wird die Menschen hinter der Theke glücklich machen. Endlich mal nicht gemischtes Hack! Anerkennend werden sie dir zunicken, mit verträumten Blick die wertvollen Eingeweide in Wachspapier schlagen. Sie haben es mit einem Kenner zu tun. Als nächstes wirst du Pommes in Kalbsnierenfett auslassen und panierte Jungziegenhoden auf Bärlauchpüree speisen.

Melanie Grundmann, Autorin des Dandy-Kochbuchs(Bild: Hoffotografen)

Wer nach dem Blättern im "Dandy-Kochbuch" nicht gleich Gourmet wird, lernt eine Menge über das Essen der absoluten Oberschicht im 19. Jahrhundert. Das alles sachlich erzählt und mit eleganten Fotos angerichtet.

Lohnt sich das? Wer ein Lesebuch oder ein Mitbringsel-Geschenk sucht, ist mit dem "Dandy-Kochbuch" gut bedient. Richtige Köche wird das alles wahrscheinlich nicht umhauen, die sind mit Innereien eh schon cool. Hobbyköche hingegen könnten verzweifeln.

Das eine Gericht, dass sich einfach nachmachen lässt, ist ein Gurkensandwich. Weißbrot ohne Kante, ein bisschen Gurke, ein Spritzer Zitrone. Praktisch ohne jeden Nährwert. Diese vornehme Nichtigkeit Essen zu nennen, kann sich auch nur ein Dandy erlauben.

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Hahnenkämme mit Kalbsbries und viele andere Rezepte auf 256 Seiten: „Das Dandy-Kochbuch“ von Melanie Grundmann ist im Verlag Rogner & Bernhard erschienen und kostet rund 40 Euro. Wer über diesen Amazon-Link kauft, unterstützt damit bento.