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Vier Fragen, vier Antworten – und drei Möglichkeiten

Wer sich selbst für umweltbewusst hält, benutzt für den Kaffee unterwegs keine Einwegbecher. Zumindest nicht, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. 

Verzichten muss man trotzdem nicht auf den "Coffee to go": Im Café um die Ecke, beim Bäcker, sogar im Buchladen gibt es inzwischen nachhaltige Becher zu kaufen. Sie sind aus Keramik oder Kunststoff, aus Bambus oder Glas, lassen sich abspülen und wiederverwenden. Toll. 

Aber ist so ein Mehrwegbecher tatsächlich besser für die Umwelt als ein Einwegbecher?

Zunächst mal: Wie viel Abfall entsteht eigentlich durch Einwegbecher?

Die Menge der Einwegbecher für unterwegs ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Seit der Jahrtausendwende hat sie sich in Deutschland auf 106.000 Tonnen Abfall pro Jahr verdreifacht. Damit hat der To-go-Becher die Plastiktüte mit 95.000 Tonnen jährlichem Abfall überholt – inklusive Zubehör wie Deckel, Strohhalm und Rührstäbchen.

(Bild: Giphy)

Die meisten Becher bestehen aus Pappe, die mit Kunststoff beschichtet wird. Für die Herstellung eines solchen Bechers benötigt man etwa einen halben Liter Wasser. Das ist oft mehr, als überhaupt hineinpasst. 

Nicht immer ist nachvollziehbar, wo die Fasern für die Papierherstellung herkommen, außerdem bestehen manche Becher auch komplett aus Kunststoff. Als umweltfreundlich können die Becher, die nur wenige Minuten in Gebrauch sind, also nicht bezeichnet werden. Viele der Einwegbecher werden zudem einfach achtlos weggeworfen und landen am Straßenrand oder neben dem Mülleimer im Park. Der Kunststoff in den Bechern gelangt so als Mikroplastik in die Umwelt. (Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen)

Sind Mehrwegbecher die bessere Alternative?

Der Mehrwegbecher steht für Umweltschutz. Das positive, grüne Image haben viele Kaffeeketten bereits für sich entdeckt und verkaufen eigene Mehrwegbecher, die man immer wieder auffüllen lassen kann. Oft gibt es für mitgebrachte Becher sogar einen Preisnachlass. Aber auch viele kleine Cafés füllen sie gerne auf.

Timo Hildebrandt ist Barista in einem Spezialitäten-Café in Hamburg. Er sagt:

Viele Stammgäste bringen ihre eigenen Becher mit. Ich weiß sogar, wem welcher Becher gehört und fülle sie besonders gerne auf. Das finde ich besser als die Pappbecher, die wir aber auch anbieten.
Timo Hildebrandt

In einigen Städten werden mittlerweile auch Pfandsysteme für Kaffeebecher angeboten (bento). In Freiburg wurde Ende 2016 der FreiburgCup eingeführt, der in mehr als 100 Cafés und Bäckereien für einen Euro ausgeliehen, aufgefüllt und dann zurückgegeben werden kann.

Mehr als 30.000 recyclebare FreiburgCups sind derzeit im Umlauf. Allerdings kommen einige davon nicht zurück, weil sie als günstiges Souvenirs behalten werden oder sich irgendwo stapeln. Und wer schon einen Becher hat, zahlt ungern noch einmal Pfand. Im öffentlichen Müll sei die Menge der Einwegbecher trotz des Pfandsystems nicht zurückgegangen, sagen die Initiatoren. (SPIEGEL ONLINE)

Also sind die Mehrwegbecher nicht umweltfreundlich?

Ob der Mehrwegbecher wirklich gut für die Umwelt ist, hängt bereits vom Material ab. Es gibt neben Varianten aus Keramik oder Glas auch Mehrwegbecher aus nachwachsenden Rohstoffen wie Bambus. Aber auch von denen haben die meisten einen Silikon- oder Plastikdeckel. Einige bestehen ausschließlich aus Polypropylen; einem Kunststoff, der sich perfekt für heiße Getränke eignet, er ist langlebig und hält auch hohe Temperaturen aus. Wird er richtig entsorgt (im gelbem Sack), kann er sogar recycelt werden. Einfach weggeworfen verrottet er allerdings nicht.

Wer aber glaubt, er würde mit einem hübschen Mehrwegbecher die Umwelt gar nicht mehr belasten, täuscht sich. Die Herstellung der Becher setzt Kohlendioxid frei, das zur Schädigung des Klimas beiträgt. Keramikbecher müssen bei hohen Temperaturen gebrannt werden. Auch das Spülen der Becher ist energieintensiv. (Zeit Online)

Wer also einen Mehrwegbecher benutzt, kann ihn einfach kurz auswaschen, anstatt ihn nach jedem Kaffee in die Spülmaschine zu stellen. Je seltener er ausgespült wird, desto besser ist seine Öko-Bilanz.

Wer keine Lust hat, den Becher jeden Tag mitzuschleppen oder ihn immer wieder Zuhause vergisst, handelt trotz guter Absicht nicht umweltfreundlich. Eine Mehrwertbecher-Sammlung hilft genauso wenig die Umwelt zu schützen wie ein einziger Becher, der immer wieder Zuhause vergessen wird.

Ein einmal gekaufter Mehrwegbecher, muss regelmäßig verwendet werden, damit sich der Nutzen für die Umwelt lohnt. Bei einem Kaffee täglich auf dem Weg zur Arbeit wäre das nach etwa zwei Monaten der Fall. (Zeit Online)

Wie kann ich denn nun die Umwelt am besten schützen – und trotzdem Kaffee trinken?

Richtig und verantwortungsbewusst genutzt sind Mehrwegbecher eine einfache Möglichkeit, den Müll im Alltag zu reduzieren. Wer sich täglich einen Kaffee zum Mitnehmen kauft, produziert mit einem Mehrwegbecher wesentlich weniger Müll – wenn dieser konsequent genutzt wird. Aber eigentlich gibt es zwischen Mehrweg- und Einwegbecher noch eine dritte Möglichkeit, die nicht nur gut für die Umwelt ist. 

Barista Timo Hildebrandt sagt:

Die Menschen, die sich einen Kaffee bei uns kaufen, wollen ein gutes Produkt. Sie nehmen sich bei großem Ansturm sogar bis zu zehn Minuten Zeit, auf einen Kaffee zu warten, aber nicht die fünf Minuten, um ihn aus der Tasse zu trinken.

Zwar sei das Spülen der Tassen auch im Café mit einem gewissen Energieaufwand verbunden, aber in diesem Fall könne man komplett auf den Becher zum Mitnehmen verzichten. Außerdem bleibe Zeit, um einen Moment innezuhalten, bevor man zur Bahn und in den hektischen Alltag hastet. 

Zeit für etwas zu haben, bedeutet, sich Zeit für etwas zu nehmen. Das ist eine Frage von Prioritäten. Will man etwas Gutes für die Umwelt tun, braucht man sich nicht schon wieder einen neuen Mehrwegbecher kaufen – man muss einfach nur fünf Minuten früher aufstehen.

(Bild: https://giphy.com/gifs/coffee-jvKIAQgKjgRdm)

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