Bild: Jiroe/Unsplash

Vegan zu leben ist heute einfach wie nie. 

Die Kennzeichnungen für Produkte werden Schritt für Schritt besser, altbekannte Fleischgerichte werden aus Soja und Co nachgeahmt und selbst Discounter haben günstiges Convenience-Food aus Pflanzen im Angebot. Gepaart mit ein wenig frischem Gemüse können Hobbyköche sich heute problemlos und ohne großen Zeitaufwand vegan ernähren

Schwierig wird es nur, wenn man unterwegs ist und Appetit auf Fast Food bekommt. Neben kleinen Imbissbuden und Döner-Läden sind auch die deutschen Top 5 der Fast-Food-Ketten überraschend schlecht aufgestellt - vor allem die beiden Burger-Marktriesen McDonalds und Burger King: 

  • Bei McDonalds sind bisher nur die Pommes, Netzkartoffeln, Apfeltaschen sowie der Gartensalat vegan. 
  • Bei Burger King sind nur der Salat und die Apfelpommes vegan.
  • Auch bei Nordsee kann man als Veganer unter anderem auf die Pommes zählen. Spezielle vegane Gerichte hat Nordsee allerdings nicht im Angebot.
  • Bei Subway lässt sich eine Sandwich-Variante für Veganer anpassen, wenn man den Käse weglässt. Aber: Nicht alle Brotsorten sind vegan. Und einen veganen Fleischersatz gibt es ebenfalls nicht.
  • In Großbritannien hat Pizza Hut bereits veganen Käse getestet - in Deutschland gibt es bislang allerdings keine vegane Pizza im Angebot. (peta2)

Das dünne Angebot irritiert, immerhin sind Markt und Nachfrage rund vegane Lebensmittel in den vergangenen Jahren hierzulande deutlich gewachsen. (Handelsblatt) Zudem sind Fleisch- und Milchersatz, da sie ohne Tieraufzucht und -schlachtung auskommen, günstig produzierte Stoffe mit hohen Gewinnmargen. Die obendrauf meist sogar länger haltbar sind als das Original. 

Warum lassen sich die Lebensmittel-Riesen diesen Geldtopf bisher entgehen – und überlassen ihn kleineren Ketten? 

Dass sich der Schritt in Richting vegan finanziell lohnen kann, beweist Fleischriese Rügenwalder: Nach dem Start der vegetarischen und veganen Produktlinien Ende 2015 macht das Segment 2018 schon 38 Prozent des Jahresumsatzes aus. Wegen der Nachfrage stellt der Wurstfabrikant zudem immer mehr der gerade erst neu geschaffenen vegetarischen Produkte auf vegan um. 

2017 gab es deutschlandweit allerdings einen Knick in der Vurst-Wachstumskurve. Viele Verbraucher hätten die neuen Ersatzprodukte ausprobiert und für nicht lecker genug befunden, mutmaßte die Gesellschaft für Konsumforschung. (WiWo) Zurecht: Viele der hierzulande angebotenen Aufschnitte, Veggie-Steaks und Würstchen sind entweder trocken oder glibschig. Vor allem aber schmecken sie meist nicht ansatzweise wie das Original.  

Fleischersatz, der wirklich wie Fleisch schmecken, sich im Mund so anfühlen und gar bluten soll, ist ein vor allem von amerikanischen und israelischen Tech-Konzernen bespieltes Forschungsgebiet. Deutschland ist abgeschlagen mit seinen soliden, aber über die Landesgrenzen hinweg wohl weniger nachgefragten Schnitzel aus Weizen. 

Dabei soll die neue Technologie, wenn es klappt, Millionen Tieren das Leben retten und gleichzeitig das Klima entlasten. Auch deutsche Firmen, etwa die PHW Group hinter Wiesenhof, investieren zwar ebenfalls in die Forschung. Im Handel ist es aber bisher schwer, die Ergebnisse zu schmecken. 

In den USA nimmt Burger King nun testweise den "Impossible Burger" auf die Karte. Aber: Nur als Variante des Whoppers in den 59 BK-Restaurants der US-Stadt St. Louis. 

(Bild: Burger King)

Wenn der Burger gut ankommt, könnte aus dem Test trotzdem eine Revolution werden. Das blutende Kunst-Patty des "Impossible Burger" wurde schon von Neuseeländischen Politikern als gefährlich für die heimische Fleischindustrie verpöhnt. (CNN) Dass der Burger Potenzial hat, denkt auch Microsoft-Gründer Bill Gates: Er investierte Millionen in die Firma – ebenso wie in ihren Konkurrenten "Beyond Meat". (Geekwire)

Der "Beyond Meat"-Burger war 2018 noch der einzige aus der Pflanzenfleisch-Riege, der auch in Deutschland verfügbar war. Zuerst nur im Großhandel und in kleinen Restaurants angeboten, steht das Patty ab dem zweiten Quartal 2019 auch im Einzelhandel zum Kauf. (Hier haben wir ihn getestet)

Und bekommt direkt einen Konkurrenten: Nestlé. 

Bei umweltfreundlichen Verbrauchern ist auch dieser Mega-Konzern eher verpöhnt, trotzdem bringt er aktuell den, bei der Namensgebung nicht weit vom "Impossible Burger" entfernten, "Incredible Burger" in den Einzelhandel. Verkauft wird er in Deutschland in Nestlés grün verpackter "Garden Gourmet"-Serie. (vegconomist)

(Bild: Nestlé / Garden Gourmet)

Und noch ein weiterer Konkurrent kündigte sich bei der Recherche für diesen Beitrag an.

Auf unsere Nachfrage, warum die großen Burgerketten keine veganen Burger mit Fleischersatz im Sortiment haben, bekamen wir zuerst zwei Antworten. 

  1. Eine freundliche Abfuhr von Burger King
  2. Ein knappes schriftliches Statement von McDonalds ("Es hat sich bisher gezeigt, dass die Nachfrage nach einem veganen Hauptgericht bei unseren Gästen noch nicht ausreichend groß genug ist.") 

Doch am selben Tag trudelte eine Einladung zu einem Testessen ein – ebenfalls von McDonalds: "Für etwas, was sie in diesem Zusammenhang interessieren könnte." Ein neuer Burger, mit dem McDonald's das vegane Publikum für sich gewinnen will. 

Wie er schmeckt, lest ihr hier.


Gerechtigkeit

Kann es zu viel Vielfalt in der Werbung geben?
Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss.

Menschen verschiedener Ethnien lachen gemeinsam, trinken Bier, fahren Bahn: In Werbeanzeigen wird immer öfter auch eine Vielfalt an Menschen gezeigt. "Welche Gesellschaft soll das abbilden?", fragte Grünen-Politiker Boris Palmer und bezog sich dabei auf eine Kampagne der Deutschen Bahn mit Menschen unterschiedlicher Hautfarbe – mit dabei sind Moderatorin Nazan Eckes und der in Ghana geborene TV-Koch Nelson Müller. (SPIEGEL ONLINE)

Palmer erntete für seine Frage viel Kritik – doch für viele Regionen Deutschlands mag es zutreffen, dass hier nicht der gesellschaftliche Durchschnitt abgebildet wird. Warum setzten Werbekampagnen trotzdem darauf, Models verschiedener Ethnien zu zeigen?

Wir haben einen Werbedesigner gefragt. Er hat uns drei gute Gründe dafür genannt, warum Werbung vielfältiger sein muss als eine schwäbische Kleinstadt.

1 Lange Zeit wurden Minderheiten in der Werbung komplett ignoriert.

Johannes Krempl, Gründer der Werbeagentur glow kennt die Frage, vor der Agenturen häufig stehen, zu gut: Wie bildet man Deutschland richtig ab? "Im Grunde gibt es kein Patentrezept dafür: Das ist eine echte Gratwanderung, die viel Sensibilität erfordert", sagt Krempl. 

"Wir haben die türkischen Bevölkerungsanteile, die es in Deutschland seit den 50er-Jahren gibt, komplett ignoriert, nie in der Werbung abgebildet. Und da wundert man sich, dass viele Minderheiten noch nicht integriert sind." In der Werbung seien Minderheiten und Menschen mit Migrationshintergrund im Moment eher überrepräsentiert.

2 Deutschland zeigt im internationalen Vergleich sogar eher wenig Diversität.

"Wir müssen uns daran gewöhnen, dass Deutschland bunter wird", sagt Krempl. Tatsächlich sind andere Länder schon weiter: Nach einer Umfrage unter Agenturen zeigten britische Kampagnen 33 Prozent häufiger ethnische Minderheiten als deutsche Werbeanzeigen. (Horizont)

Zwar gaben 20 Prozent der deutschen Werber an, im vergangenen Jahr mehr Models verschiedener Ethnien gezeigt zu haben, in den Vergleichsländern Großbritannien, Australien, Brasilien und USA war der Anteil aber noch höher. 

Laut der Umfrage ist der wichtigste Grund für mehr Vielfalt ein wirtschaftlicher: 62 Prozent der deutschen Werber glaubten, dass über ethnische Vielfalt eine größere Zielgruppe erreicht werden kann. Aber: 53 Prozent wollen damit auch eine moderne Gesellschaft repräsentieren.

Gerade junge Werber finden das wichtig: Etwa 90 Prozent der Befragten aus jüngeren Generationen glaubten, dass vielfältigere Kampagnen den Ruf einer Marke verbessern würden.

3 Große Kampagnen mit diversen Bildern sind Vorreiter – kleine Firmen können sich Vielfalt oft nicht leisten.

Eine wichtige Hürde für die bessere Repräsentation ethnischer Minderheiten sieht Krempl in Stockfotos. Gerade für kleinere Kampagnen mit begrenzten Budgets müsse man häufig darauf zurückgreifen. Bildagenturen sitzen aber oft in den USA, weshalb sie zwar ethnische Minderheiten repräsentierten – aber nicht türkischstämmige Menschen, sondern meist Schwarze oder asiatisch-stämmige. 

"Diese Zusammensetzung passt für Deutschland auch nicht, weshalb häufig Stockfotos genutzt werden, auf denen nur Weiße zu sehen sind", sagt Krempl. Das hält er für falsch. Unternehmen sollten mehr Geld für Werbekampagnen ausgeben, um eigene Fotoshootings zu bezahlen, in denen Minderheiten in Deutschland angemessen repräsentiert würden. "Andererseits sind auch Bildagenturen gefragt, europäische Gesellschaften abzubilden, damit wir nicht mehr gezwungen sind, auf amerikanische Stockfotografie zurückzugreifen."

Gibt es zu viel Vielfalt in der Werbung?

Tagtäglich sehen wir glückliche Familien, lächelnde Biertrinker, hübsche Models mit Sixpack und vollen Lippen, die uns von der Werbetafel anlächeln. Keine Alleinerziehenden, keine Obdachlosen und auch nur wenige alte Menschen. Und wenn, dann sind sie junggeblieben – mit strahlend weißen Zähnen. 

Es mag sein, dass die Bevölkerung in einer schwäbischen Kleinstadt nicht die ethnische Vielfalt widerspiegelt, die in manch einer Anzeige zu sehen ist. Aber sie ist auch nicht so jung und gutaussehend, nicht so gut angezogen und blendend gelaunt wie in den Werbekampagnen, denen wir begegnen.

Ausgerechnet die Repräsentation ethnischer Vielfalt herauszugreifen und zu kritisieren – das spricht dafür, dass man ein Problem mit einer offenen und bunten Gesellschaft hat.