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Es ist Hochsommer in Italien. Mit meiner Schwester sitze ich am Nachmittag vor einer vollen Bar in Verona, jede hält einen kalten Aperol Spritz in der Hand. Salute! Orange-roter Sprudel, leicht bitterer Geschmack, Orangenscheibe – es schmeckt nach Sommer, nach Leichtigkeit. 

Was könnte man daran nicht mögen!? 

Aperol Spritz besteht wahlweise aus Prosecco oder Weißwein, dazu Mineralwasser und etwas vom namensgebenden orangen Bitterlikör. Der "New York Times" allerdings schmeckt das nicht. "Aperol Spritz ist kein guter Drink", lautete dort kürzlich eine aufsehenerregende Schlagzeile. Instagram-tauglich sei das farblich an den perfekten Sonnenuntergang erinnernde Getränk, sicher. Aber meist sei er doch zu süß, der Prosecco zu billig und das Eis verwässere den Geschmack. Und damit hat die "New York Times" einen ziemlichen Streit angezettelt.

Das "New York Magazine" hält in seinem Food Blog "Grub Street" dagegen - und will dabei nicht weniger "das ganze Internet" hinter sich wissen: Aperol Spritz eigne sich hervorragend für "Day-drinking", den leichten Schwips bei Tageslicht. Er sei angenehm leicht und steige einem nicht direkt zu Kopf, wie etwa Gin & Tonic. 

Aperitifs wie Aperol Spritz oder Campari Soda sind zwar außerhalb Italiens angekommen, die dazugehörige Aperitivo-Kultur aber nicht. 

In Deutschland trinkt man höchstens mal ein Feierabendbier. Dagegen trifft man sich von Mailand bis Palermo nach der Arbeit draußen zum Aperitivo und isst dazu Oliven, Cracker oder andere kleine Häppchen – stuzzichini. 

Aperol Spritz ist nicht einfach nur ein Drink, es ist eine Lebensart: eben dolce vita.

Giuseppe Badalati ist Italiener, lebt aber in Berlin. Dort betreibt er die Bar "Lost my Love to Italy" – und der Name ist Programm. 

(Bild: Privat/Giuseppe Badalati)

Von allen Aperitifs sei der Aperol Spritz in Deutschland am beliebtesten, sagt er, der seit mehr als 25 Jahren in der Gastronomie arbeitet. "Die Deutschen trinken ihn ab 13 Uhr bis spät in die Nacht. Und sogar in Clubs!" Der Drink sei vom Tages- zum Clubgetränk verkommen, klagt Badalati. "Er wurde zweckentfremdet."

Der Sinn des Getränks – der Anlass – ist leider vergessen worden.
Giuseppe Badalati

Das verzerre den Streit um das Getränk: "Die Funktion des Aperitifs ist wichtiger als alles andere - wichtiger, ob Aperol Spritz nun der beste Drink ist oder nicht." In Italien verstehe man den Aperitif als Lebensart, erzählt Badalati: "Ich kenne das, seit ich klein war. Kurz vor dem Essen kommt man zusammen, trinkt etwas und isst eine Kleinigkeit."

Der Aperitif soll – wie es das Wort sagt – den Appetit anregen, den Magen vorbereiten.

Man unterhalte sich dabei in der Runde, vielleicht 20, maximal 30 Minuten, bevor es dann zum Essen gehe, so Badalati. Man trinkt das Getränk also vor der Mahlzeit und vor allem: im Stehen. Und dabei gehe es nicht mal um den Alkohol: "Oft werden in Italien alkoholfreie Alternativen angeboten", sagt Badalati. "Beisammen sein – darum geht es. Der Moment ist entscheidend."

Badalati selbst bereitet Aperol Spritz auf venezianische Art zu: mit Aperol, trockenem Weißwein und hochwertigem Mineralwasser (Soda). 

Der Aperitivo ist etwas Gutes für die Seele. Er steht für Genuss mit Freunden, für Feierabend. Man lebt nur einmal.
Giuseppe Badalati



Future

Erster Job und mein Chef mobbt mich – was kann ich tun?

Beim Bewerbungsgespräch lief es noch so gut. Am Anfang fragte die Chefin nach Praktika, bei der Verabschiedung ging es schon um die besten Fitnessstudios der Stadt. Eine Vorgesetzte mit Kumpel-Potenzial – das wünschen sich viele. Aber was, wenn sich die Führungskraft doch nicht so nett verhält wie erwartet: