Die nüchternen Fakten.

Die Regale im Supermarkt sind voll mit Bier. Das liegt am Sommer, an der WM und daran, dass Deutschland eine Bier-Nation ist. 

Doch neben den klassischen Sorten gibt es inzwischen jede Menge Produkte mit einem niedrigeren Alkoholgehalt. Und viele komplett alkoholfreie Varianten. Außerdem alkoholfreies Alster, alkoholfreien Cider und alkoholfreien Sekt.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Deutschen trinken nach wie vor gerne Alkohol. Im Schnitt konsumieren sie im Jahr pro Kopf etwa eine Badewanne voll mit alkoholischen Getränken (bento).

Doch die Zahlen gehen runter. Während 2004 durchschnittlich 116 Liter Bier pro Person getrunken wurden, waren es 2015 zehn Liter weniger

Es sind vor allem junge Menschen, die  gerne Getränke mit weniger Alkoholgehalt kaufen. Oder sich ganz für die alkoholfreie Variante entscheiden:

Für eine im vergangenen Jahr durchgeführte Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wurden 7000 Menschen zwischen 12 und 25 Jahren befragt.
Im Durchschnitt trinkt jeder Zehnte zwischen 12 und 17 Jahren einmal wöchentlich Alkohol. 2004 waren es noch doppelt so viele.
Mehr als ein Drittel der Jugendlichen, 36,5 Prozent, hat noch nie Alkohol getrunken.
Den ersten Rausch erleben die meisten mit 16. In vorherigen Umfragen waren die Leute jünger.
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Mittlerweile werden mehr als 400 alkoholfreie Bier-Varianten angeboten, vor allem Pils, Weizen, Radler, aber auch regionale Spezialitäten wie Kölsch oder Alt sowie Craftbiere, zum Beispiel India Pale Ale. 

Mix-Getränke in süßen Geschmacksrichtungen, etwa mit Grapefruit oder Zitrone, verkaufen sich ebenfalls gut. Verlockend an ihnen:  Sie haben häufig nur einen Alkoholgehalt von 2,5 Prozent. 

Seit 2008 hat sich der Absatz alkoholfreier Biere verdoppelt
Marc-Oliver Huhnholz, Deutscher Brauer-Bund

Auch Wein gibt es inzwischen in "alkoholleichten" Varianten, manche sind sogar komplett alkoholfrei. Auf der Messe "ProWein" in Düsseldorf wurden im vergangenen Jahr neue Sorten vorgestellt. (Welt

Warum wollen viele nüchtern bleiben?

Weil sich die Einstellung zu Alkohol offenbar verändert hat. "Junge Menschen wollen gesund leben", sagt Johannes Lindenmeyer, Direktor der Salus Klinik im brandenburgischen Lidow, zu bento. Und das bedeute eben auch, dass sie auf ihre Ernährung und ihren Alkoholkonsum achten. 

Alkohol macht dick. Das ist nicht mit dem Körperideal vereinbar.
Johannes Lindenmeyer

Alkohol passe nicht zu der Instagram-Welt, auf der schöne Fotos von schönen Menschen verbreitet werden. "Außerdem fordert die Leistungsgesellschaft Selbstkontrolle", so Lindenmeyer.

Klar bestehe auf der anderen Seite auch der Drang, aus dieser Leistungsgesellschaft auszusteigen, sich dem kontrollierten Leben zu entziehen, räumt er ein. Gezieltes Betrinken und Koma-Saufen gibt es also nach wie vor unter Jugendlichen. Doch es sind eben deutlich weniger, die sich zwischendurch so richtig die Kante geben. 

Den Hang zur Selbstkontrolle hat auch der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier beobachtet. "Der Anpassungsdruck ist hoch. Es gibt Zwänge von außen, die den Jugendlichen in Fleisch und Blut übergegangen sind", sagt er. Vielen sei es wichtig, ihre Freizeit optimal zu nutzen. 

Das Credo ist Leistung. Die Zeit wird bewirtschaftet und muss möglichst effektiv genutzt werden.
Bernhard Heinzlmaier

Da bleibe wenig Zeit für Ausschweifungen, die Konsequenzen mit sich bringen – etwa die, dass man den Tag nach der Feier mit einem Kater im Bett verbringen muss. "Die Freiräume für den Rausch existieren nicht mehr so wie früher", sagt Heinzlmaier. 

Es geht also vor allem darum, fit und leistungsfähig zu sein – und es auch zu bleiben. Genau deshalb gibt es in Deutschland inzwischen alkoholfreie Partys wie zum Beispiel Katerfrei, bei denen man an der Bar Smoothies oder Kokoswasser statt Schnaps und Rum-Cola bestellt. Ein weiteres Beispiel ist der Veranstalter "Sober Sensation" aus Berlin, der ausgefallene Partys mit einer so tollen Stimmung verspricht, dass Alkohol völlig unnötig sei.

Prost sagen kann man schließlich auch so.


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