Bild: Lou Zucker
Kamel Guémari will, dass die Jugend aus seinem Viertel eine Chance bekommt - und hat dafür eine McDonald's-Filiale besetzt.

Am Eingang einer Plattenbausiedlung wartet ein junger Dealer auf Kundschaft. Er sitzt im Schatten einer Pinie, tief in einen ausgebauten Autositz versunken. Die Brache um ihn herum ist ausgedörrt, die Grillen zirpen in der Mittagshitze. Auf eine Mauer hat jemand "Der Staat lässt uns fallen" gesprüht. Ein paar hundert Meter weiter markiert ein Kreisverkehr das Ende dieser Wohnsiedlung im Norden Marseilles. Fünf autobahnähnliche Straßen laufen hier zusammen, in jeder Richtung stehen Plattenbauten, soweit das Auge reicht.

Auf der anderen Seite des Kreisverkehrs liegt ein Ort, an dem schon viele junge Leute eine Perspektive gefunden haben: ein McDonald's.

Es ist die erste und einzige McDonald's-Filiale in den "Quartiers Nord", den Vierteln in Marseilles Norden, die auf Deutsch "soziale Brennpunkte" genannt würden und auf Französisch "benachteiligte Viertel" heißen. Zusammengenommen leben 250.000 Menschen hier, fast ein Drittel der gesamten Stadtbevölkerung.

Plattenbauten im Norden Marseilles 

(Bild: Lou Zucker)

Dieser McDonald's hat seit vergangenem Dezember geschlossen – offiziell zumindest. Inoffiziell ist er eine Essensausgabe für Bedürftige, ein Treffpunkt für etwa 20 bis 30 Aktivistinnen und Aktivisten und für viele von ihnen ein zweites Zuhause. 

Der McDonald's am Kreisverkehr ist ein Symbol: Vor Jahren hatten die Angestellten hier gegen die Arbeitsbedingungen bei McDonald's gekämpft. Sie organisierten einen Streik. Filialen in ganz Frankreich folgten. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen wurde die Filiale in den Quartiers Nord geschlossen, nach Angaben der Aktivisten verloren 77 Angestellte ihre Arbeit. Und das in einem Bezirk, in dem die Arbeitslosigkeit bei über 25 Prozent liegt.

Doch einer dieser Angestellten hat noch immer einen Schlüssel: Kamel Guémari.

(Bild: Lou Zucker)

An einem Dienstag im August geht Kamel in dem klimatisierten McDonald's auf und ab und spricht leise in sein Handy. Dabei zieht er kaum merklich das rechte Bein nach. Er ist groß und dünn, sein gepflegter schwarzer Bart reicht ihm bis auf die Brust. Die Filiale sieht auf den ersten Blick aus wie jede andere McDonald's-Filiale auf der Welt. Doch hier hängt zwischen den Werbeplakaten für Triple-Cheeseburger und Thunfischsalat ein Che-Guevara-Handtuch. 

Kamel unterbricht sein Telefonat. Vor der Tür steht eine kleine, schwarzhaarige Frau um die Vierzig mit rotem Glitzershirt und fragt nach Lebensmitteln. Kamel ruft einem Jugendlichen drinnen im Laden zu, er möge eine Tüte fertig machen. Der Frau bringt er einen Stuhl. "Setzen Sie sich doch, Madame. Möchten Sie einen Kaffee?" Dann klingelt wieder sein Telefon. 

Kamel muss eigentlich los, eine Lebensmittelspende abholen: Mehrere Paletten mit Smoothies, Mandelmilch und zwei Kartons voll Osterschokolade. "Mein Bruder, hast du Zeit, mir einen Gefallen zu tun?", fragt er einen Mann, der vor dem McDonald's in der Sonne sitzt. Er habe gleich einen Termin, sagt er. "Lass nur, ich will dir keine Arbeit machen", sagt Kamel. Kurz darauf sitzen die beiden zusammen im Auto.

„Das ist eher Rassismus gegen eine ganze soziale Klasse“
Kamel Guémari

Das 14. Arrondissement, der Bezirk, in dem der McDonald's liegt, ist einer der ärmsten Marseilles. In keinem anderen Bezirk leben so viele Alleinerziehende, das Median-Einkommen liegt mit 9973 Euro pro Jahr unter der Armutsgrenze. 

 "Die Leute denken, in den Quartiers Nord leben nur Schwarze und Araber. Stimmt nicht", sagt Kamel. "Hier leben auch Italiener, Spanier, Russen. Was wir gemeinsam haben, ist die Armut. Ja, es gibt Rassismus gegen die Leute aus den Vierteln. Aber das ist eher ein Rassismus gegen eine ganze soziale Klasse."

Qualität, Service, Sauberkeit

In dieser sozialen Klasse mussten sich viele Familien während des Lockdowns entscheiden, ob sie die Miete zahlen oder ihren Kindern etwas zu Essen kaufen. Vielen brachen mit der Ausgangsperre ihre Einkünfte weg: aus der Zeitarbeit auf Baustellen oder als Putzkraft, von kleinen Marktständen oder auch aus Drogenverkauf und Sexarbeit. Die Verzweiflung der Menschen wuchs.

Kamel sagt: "Wir hatten hier einen Kühlraum und ein Lager – und die McDonald's-Ausbildung: Qualität, Service, Sauberkeit." Kurzerhand schloss er die Filiale wieder auf. Er mobilisiert sein gesamtes Netzwerk und sammelt seit Monaten Geld- und Lebensmittelspenden. Die Unterstützung kam aus unterschiedlichen Richtungen: Von einem Bio-Bauern, den Kamel von den Gelbwestenprotesten kannte, von der Tafel, von Stadtteilorganisationen, Nachbarinnen und Nachbarn. Influencer machten Werbung. Einige Jugendliche kamen täglich, um die Lebensmittelpakete zu packen und auszuliefern.

Anaïs packt Lebensmittelpakete im McDonald's-Lager. Sie kommt jeden Tag nach der Arbeit vom anderen Ende der Stadt, um zu helfen.

(Bild: Lou Zucker)

Die Ausgangssperre in Frankreich wurde im Mai gelockert. Die Armut hat sich aber verschärft: Die Beschäftigungszahlen in der Region waren Ende Juni immer noch 13 Prozent niedriger als vor der Pandemie. Besonders von Arbeitslosigkeit betroffen waren die prekär beschäftigten Zeitarbeiterinnen und Zeitarbeiter, ihre Jobs gingen sogar um 41 Prozent zurück. 

„Wir dürfen nicht mit dem Finger auf die Jugendlichen aus den Vierteln zeigen, wir müssen ihnen die Hand geben.“
Kamel Guémari

Kamel macht deshalb weiter. Er versucht schon seit vielen Jahren, von diesem Ort aus etwas in seinem Viertel zu bewegen. Kamel hat mit 16 angefangen, bei McDonald's zu arbeiten. Er lebte damals auf der Straße, schlug sich mit Drogenhandel durch. Als er in dem McDonald's nach Arbeit fragte, wurde ein Bewerbungsschreiben von ihm gefordert. Kamel konnte aber nicht richtig Lesen und Schreiben.

Also setzte sich der damalige Filialleiter mit ihm an einen der Tische, sie schrieben die Bewerbung gemeinsam und eine Woche später fing Kamel an zu arbeiten. Das war nicht immer einfach, erzählt Kamel. "Ich war von der Straße einen anderen Slang gewöhnt. Aber ich bin oft länger geblieben, habe Extraaufgaben übernommen, um mir meinen Platz hier zu erarbeiten. Irgendwann habe ich verstanden: Sie sind wie ich und ich bin wie sie."

Der McDonald's von Saint-Barthelemy war ein wichtiger Treffpunkt im Viertel. Jetzt ist das Klettergerüst auf der Terrasse verwaist.

(Bild: Lou Zucker)

Mit seinem ersten Gehalt, etwa 400 Euro, ging Kamel für seine Mutter und seine fünf jüngeren Geschwister einkaufen: Kuchen, Soda, was das Herz begehrte. Doch sein Teilzeit-McDonald's-Gehalt reichte nicht, er blieb noch eine Weile in Drogenhandel und Kriminalität verwickelt. "Aber ich hatte immer einen Anker", sagt er. Und das war die Arbeit. Wenn er länger nicht auftauchte, kamen die Kolleginnen und Kollegen persönlich bei ihm vorbei und holten ihn zurück. Kamel ist auch deshalb fest überzeugt, dass man nicht mit dem Finger auf kriminelle Jugendliche aus den Vierteln zeigen solle. "Wir müssen ihnen die Hand geben."

Einer der vielen jungen Leute, denen er selbst die Hand gegeben hat, heißt Nordine. Kamel hatte sich über die Jahre in eine untere Führungsposition in der Filiale hochgearbeitet und nutzte das, um Menschen einzustellen, die sonst niemals eine Chance auf einen Job bekommen hätten. So wie Nordine, den er direkt aus dem Gefängnis heraus anheuerte.

In der Filiale von Saint-Barthelemy hat sich seit der Besetzung wenig verändert.

(Bild: Lou Zucker)

Es ist gegen 22:30 an einem Mittwochabend. Zwei junge Frauen aus dem Süden der Stadt haben gerade eine lange Reihe von Einkaufstüten mit Milch, Reis, Nudeln, Öl und Mehl aus dem Lager befüllt und danach den Küchenboden gewischt. Plötzlich hört man von draußen ein langgezogenes "Eeeeeh, mein Bruder!" 

Nordine verteilt Umarmungen, dann setzt er sich vor den McDonald's auf einen Stuhl und dreht sich einen Joint. Er kommt gerade von der Arbeit. Seit einigen Monaten hat er sich als Installateur für DSL-Kabel selbstständig gemacht, der weiße Lieferwagen auf dem Parkplatz ist seiner.

Nordine ist etwa 1,65 Meter groß, mit seinem weichen, runden Gesicht und dem gestreiften Popeye-Shirt könnte er immer noch 21 sein. So wie damals vor acht Jahren, als er zu McDonald's kam. Seine Mutter und seine Frau hatten bei Kamel für ihn um Arbeit gebeten. Mit einem Job konnte Nordine seine Haftstrafe verkürzen. 

Jemanden aus dem Gefängnis einzustellen, bedeutet viel Bürokratie – und ein Risiko. Aber Kamel kannte ihn noch, als kleiner Junge war Nordine öfter beim McDonald's gewesen. Seine Eltern hatten keine Arbeit und keine Papiere, manchmal hatte Kamel ihm etwas zu essen geschenkt. Er entschied, es zu probieren. Auch wenn es nicht immer einfach war mit Nordine.

„Wir denken immer, wir brauchen einen Chef. Aber der Chef braucht uns.“
Nordine

"Er hat mich in den Wahnsinn getrieben!", sagt Kamel. "Er ist sehr intelligent, aber unruhig."

Nordine hatte Probleme, pünktlich zu kommen und seine Reaktionen zu kontrollieren, wenn ihm etwas nicht passte. Er schrie Mitarbeitende an, wenn sie etwas nicht richtig machten. Seine Frustrationstoleranz war niedrig, und wenn er wütend war, kannte er wenige Grenzen. Einmal steckte er eine Kollegin in die Mülltonne. Nordine grinst verlegen, als er das erzählt und schaut auf seine Hände, die Tabak für den zweiten Joint zerbröseln.

Wer sich beschwert, wird bestraft oder gefeuert

Kamel schickte Nordine irgendwann in eine andere McDonald's-Filiale. Er hoffte: Wenn Nordine aus seinem Viertel herauskommen und ein anderes Umfeld kennenlernen würde, würden sich auch seine Umgangsformen verändern. In der Filiale, in der er von nun an arbeitete, herrschte ein anderer Wind. "Manchmal wurde uns nach unserer Schicht einfach gesagt, wir müssen bleiben, auch wenn die Leute am nächsten Tag zur Uni mussten", erzählt Nordine. Wer sich beschwerte sei mit unangenehmen Aufgaben bestraft oder gefeuert worden.

"Milliardenschweres Unternehmen, Angestelle in Armut" steht auf einem Banner über dem Tresen im McDonald's von Saint-Barthelemy.

(Bild: Lou Zucker)

"Wir sollten nicht miteinander sprechen", erinnert er sich. Die notwendigen Kommandos bei McDonald's sollten auf das Kürzeste reduziert werden, aus "ein BigMac zum Mitnehmen" wurde "Mac verpackt", aus "Ich gehe mal draußen eine Runde aufräumen" wurde "Außenrunde". "Wenn du den ganzen Tag nichts anderes hörst als 'Mac verpackt' und 'Außenrunde', wirst du verrückt. Durch die digitalen Bestellstationen haben sie uns auch noch den Kontakt mit den Kunden genommen", sagt er. Manchmal habe er den ganzen Tag nicht gesprochen. "Dann bin ich nach Hause gekommen, meine Frau schlief schon und ich habe mich gefragt: Bin ich eigentlich ein Mensch?"

Gewinnbeteiligung, Sozialversicherung, dreizehntes Monatsgehalt

In Kamels McDonald's war die Atmosphäre eine andere. Als Gewerkschaftsmitglied und Betriebsrat setzte sich Kamel für bessere Arbeitsbedingungen ein: Dafür, dass McDonald's 95 Prozent ihrer Sozialversicherungsbeiträge zahlt, ein dreizehntes Monatsgehalt, und für Gewinnbeteiligungen.

Er und seine Mitarbeitenden streikten nicht nur in ihrer eigenen Filiale, sie verbündeten sich auch mit McDonald's-Angestellten aus ganz Frankreich, blockierten Filialen in Marseille, Paris, Nizza, Lyon, Rouen. Sie blockierten ein zentrales McDonald's-Lager, das Filialen in ganz Südfrankreich beliefert. Durch die Blockaden konnten die Angestellten weiter ihren Lohn beziehen, während McDonald's Verluste machte. Nordine agitierte in der Filiale, in der er nun arbeitete. Sie erstritten sich vieles von dem, was sie forderten. Aber der Erfolg hatte seinen Preis. 

"Die Intention, seinem Arbeitgeber zu schaden, ist offensichtlich"

Kamel konnte trotz der Auseinandersetzungen nicht einfach gekündigt werden – als Betriebsrat war er geschützt. Nordine hingegen wurde am 24. November 2018 entlassen. Die Begründung: Er habe sich Vorgesetzten widersetzt und seine "Intention, seinem Arbeitgeber zu schaden, ist offensichtlich". Das Kündigungsschreiben liegt bento vor. 

Und auch das Privatleben von Kamel und Nordine habe gelitten, sagen sie: Kamels Frau und Kinder seien so oft bedrängt worden, dass sie sich schließlich von ihm getrennt habe. 

Nordine sei eines Nachts am Ausgang des McDonald's sogar eine Pistole an den Kopf gehalten worden sein. Nordine und Kamel glauben, ein großer Franchise-Besitzer stecke dahinter. Der wollte ihre Filiale übernehmen, allerdings ohne Kamel und den Rest des Managements. Der Franchise-Besitzer ist wiederholt nicht zu erreichen, auch nicht unter seiner privaten Handynummer, die bento vorliegt. 

Unwirtschaftlich oder heruntergewirtschaftet?

Weil kein Käufer die Filiale wollte, wurde im Dezember 2019 schließlich die gerichtliche Abwicklung, also die Schließung der Filiale, eingeleitet. Eineinhalb Jahre hatten Kamel und seine Mitarbeitenden dagegen gekämpft. Im Sommer 2018 hatte sich Kamel sogar mit Benzin übergossen und gedroht, sich anzuzünden, um die Schließung zu verhindern. 

Kamel behauptet, das Restaurant sei absichtlich heruntergewirtschaftet worden, weil man den Arbeitskämpfen ein Ende setzen wollte. Der französische Staat habe 400.000 Euro an McDonald's Frankreich als Ausgleich für eine jahrelange Großbaustelle vor der Filiale gezahlt, aber das Geld sei nicht in die Filiale zurückgeflossen, sagt Kamel. Fakt ist: Sein McDonald's machte seit Jahren Verluste. Manche Quellen gehen von drei Millionen Euro aus, und dass, obwohl der Mutterkonzern der Filiale die Miete erlassen habe. 

McDonald's Frankreich will sich zu den Vorgängen nicht äußern, solange das Abwicklungsverfahren läuft. 

Nordine, der sich bereits vor zwei Jahren neue Arbeit suchen musste, hat es einem Freund zu verdanken, dass er heute selbstständig DSL-Kabel verlegt. Drei Monate lang begleitete er ihn jeden Tag auf die Arbeit. Kennengelernt hatten sich die beiden in Kamels McDonald's. Heute nimmt Nordine ebenfalls einen jungen Mann mit auf die Arbeit, um ihm das Handwerk zu zeigen.

Aber ohne die Erfahrung bei McDonald's hätte er nicht seine eigene Firma gegründet, sagt er. Er habe gelernt, pünktlich zu kommen, schnell und effizient zu arbeiten, zu multitasken. "Wenn du bei einem anderen McDonald's 15 Minuten zu spät kommst, wirst du vielleicht gefeuert. Kamel hat uns auch nicht alles durchgehen lassen, das war ja hier kein Wohltätigkeitsverein, aber er hat eben mit uns gesprochen und hatte Verständnis." Nordine lernte, sich an Regeln zu halten – aber auch, welche Regeln Sinn ergeben und welche nicht. "Ich habe viel über meine Rechte gelernt", sagt Nordine und blickt von dem Tabak in seiner Hand auf. "Wir denken immer, wir brauchen einen Chef. Aber der Chef braucht uns."

„Um nicht in der Kriminalität zu landen, brauchen die Jugendlichen Arbeit“
Kamel

"Nordine ist unser Stolz", sagt Kamel und zündet sich eine Zigarette an, legt sie aber gleich zu Seite. Er muss schnell zwei Frauen mit kleinen Kindern tütenweise Baguette, zwei Lebensmittelpakete und zwei große Schokoladenhennen nach draußen zu bringen. Die Kinder strahlen. Kamel umarmt sie und bittet einen jungen Mann, die vier nach Hause zu fahren. Es ist fast ein Uhr nachts. Etwa fünf andere Männer haben sich Stühle nach draußen getragen und rauchen, niemand macht Anstalten, nach Hause zu gehen.

Auf einem Fest in seinem Herkunftsviertel trifft Kamel einen alten Freund wieder.

(Bild: Lou Zucker)

"Um nicht in der Kriminalität zu landen, brauchen die Jugendlichen Arbeit", sagt Kamel. Deshalb hat er gemeinsam mit anderen Engagierten vor, ein "solidarisches Restaurant" aus dieser ehemaligen McDonald’s-Filiale zu machen, eine Art Non-Profit-Fast-Food-Imbiss.

Ihr Traum: Das Restaurant soll den Angestellten, den Stadtteilorganisationen und den Zulieferern gleichzeitig gehören, die Kundinnen und Kunden sollen je nach Einkommen unterschiedliche Preise zahlen. Vor allem aber sollen hier junge Menschen ausgebildet werden. Sterne-Köche haben sich schon freiwillig als Ausbilder gemeldet, Bauern aus der Umgebung haben angeboten, Lebensmittel vorzustrecken. 

Ausgerechnet der umkämpfte McDonald's könnte so erneut zu einem Symbol für Hoffnung in einem der ärmsten Viertel Frankreichs werden. Wenn McDonald's mitspielt: Das Unternehmen müsste dafür nämlich die Immobilie spenden.


Art

Hazel Brugger und Thomas Spitzer im Interview: "Ich lasse mich lieber von einem Freund anstecken als von einem Arschloch"

Hazel Brugger (26) und Thomas Spitzer (31) gehören zu den gefragtesten Comedians in Deutschland. Sie wohnen zusammen, produzieren Videos für YouTube, treten mit ihren Soloprogrammen vor Tausenden Menschen auf und arbeiten für die heute-show. Wir haben die beiden in ihrem Studio in Köln besucht und darüber gesprochen, wie das Coronavirus ihre Arbeit verändert, wie sie in den vergangenen Monaten dennoch kreativ waren und warum sie aufs Land ziehen wollen.

bento: Kennt ihr einen guten Witz?

Thomas: Ich kenne gute Witze für ein sehr spezielles Publikum.

Hazel: Für gänzlich andere Situationen als diese hier.

Thomas: Ich habe Mathematik studiert und mein Lieblings-Mathematiker-Witz ist: Wie stellt sich ein Mathematiker einen elfdimensionalen Vektorraum vor? Er stellt sich einen n-dimensionalen Vektorraum vor und setzt n gleich elf. Ich finde, das ist ein super Witz. Den habe ich auch noch nicht oft gehört.

Hazel: Zurecht.

bento: Werdet ihr noch oft nach Witzen gefragt? Zu Beginn eurer Comedy-Karrieren kam das doch bestimmt häufiger vor, quasi als Klischee-Partygespräch. 

Hazel: Es nimmt ein bisschen ab. Ich glaube, der Begriff Comedy hat sich in den letzten fünf Jahren in Deutschland geändert. Die Leute verstehen, dass es etwas Ganzheitliches ist und man nicht nur als Witzetante auftritt. 

Thomas: Durch Netflix ist ein Comedian eher eine Art Dichter und Denker, wie in den USA. Man geht zu den Auftritten, weil man verrückte Gedanken hören will.

Hazel: Mittlerweile kennen uns viele Leute und wissen ungefähr, was wir machen. Sie fragen eher: 'War die Currywurst aus eurem Youtube-Video wirklich so scharf?'