Bild: Yamandú Roos

Yamandú Roos begeisterte sich schon als Jugendlicher für Fotografie. Mit 27 begann der Niederländer, bewusst mit der Kamera seinen Kontinent Europa zu bereisen. Zehn Jahre, 15 Reisen und 65.000 Kilometer später gibt es das Ergebnis als Bildband: "Europeans" zeigt das Leben der Menschen, denen Yamandú in 40 europäischen Ländern begegnet ist. Wir zeigen eine kleine Auswahl.

Das Mädchen heißt Lilia. Sie arbeitet bei einem Musiksender in Chisinau, Moldavien. Yamandú hat sie gebeten, im Büro auf dem Tisch für ihn zu posieren.(Bild: Yamandú Roos)

Warum hast du beschlossen, Europa zu bereisen?

Ich wollte unbedingt meinen Hinterhof, meinen Kontinent entdecken. Anfangs faszinierte mich die europäische Fußballkultur, aber irgendwann wollte ich einfach nur noch da sein. So ist das meistens bei mir: Ich habe eine grobe Idee im Kopf und ziehe dann einfach mit der Kamera los, nach dem "trial and error"-Prinzip.

Osterfeuer, aufgenommen in Windelsbach, Bayern, Deutschland.(Bild: Yamandú Roos)

Welche Themen haben dich auf deinen Reisen angetrieben?

Ich war auf der Suche nach etwas, das sich nicht beschreiben lässt. Ich habe gemerkt, dass es sich sehr befreiend anfühlt, Dinge zu tun, die ich nicht vorhersehen konnte. Deshalb habe ich Ziellosigkeit zu meinem obersten Prinzip, zu meiner Methode gemacht. Ich hatte Lust, zu spielen und Europa war mein Spielplatz - Kamera und Auto meine Spielzeuge.

Was wolltest du mit dieser Methode erreichen?

Dinge zu entdecken, Menschen kennenzulernen, die mir sonst völlig fremd geblieben wären. Auf diese Weise wollte ich ein Zeitdokument über Europa erstellen.

Junge Männer in Weißrussland reparieren einen Lada.(Bild: Yamandú Roos)
Aufgenommen in Tensta, einem Außenbezirk von Stockholm. Nina und Yasin aus Ghana sind verlobt.(Bild: Yamandú Roos)

Inwiefern ist dir das gelungen?

Wenn man sich die Fotos im Buch anschaut, bekommt man ein Gefühl für das echte Europa. Es zeigt nicht einfach nur Spaß, sondern echte Menschen, echtes Leben.

Was vereint all die Menschen, die dir begegnet sind?

Uns Europäer vereint die Geschichte. Wir haben eine so alte Geschichte - ganz anders als in den USA. Weil viele historische Orte erhalten geblieben sind, ist die Geschichte überall in Europa zu spüren. Meine Fahrt nach Odessa zum Beispiel war eine richtige historische Reise. Mit der Geschichte gehen viele sehr alte Traditionen einher. Ich habe versucht, diese auch im Buch zu zeigen, zum Beispiel auf einem Foto von einem Osterfeuer in Deutschland.

Was hast du selbst neu entdeckt, auf der Reise durch "deinen Kontinent"?

Ich bin zum Beispiel zuvor nie in einem osteuropäischen Land gewesen. Ich habe auf meiner Reise erst realisiert, wie viele Kriege und Krisen dort stattgefunden haben, von denen ich mich immer so weit entfernt gefühlt habe. Dabei sind die Länder so nah - nur eine Tagesfahrt mit dem Auto entfernt.

Aufgenommen in Bestvina, Tschechien. Ota ist der älteste Punk Tschechiens. Yamandú war zu Gast bei seinem Nachbar Jirka.(Bild: Yamandú Roos)
Aufgenommen in Middleton Manchester, Großbritannien. Zu Gast bei einer Jugendboxmeisterschaft.(Bild: Yamandú Roos)

Gab es auch Orte, die du wieder entdeckt hast?

Vor allem habe ich bereits bekannte Umstände neu entdeckt. Es war so einfach und problemlos, mit dem Auto durch Europa zu fahren. Es ist großartig, dass wir unsere Ausweise nicht mehr überall zeigen und nicht für jedes Land eine andere Währung tauschen müssen. Das war nicht immer so.

Zu welchem Ergebnis kommst du mit "Europeans"?

Mit dem Beenden des Buches habe ich beschlossen einen „Nicht-Standpunkt“ einzunehmen - getreu meiner Methode der Ziellosigkeit.

So sieht Yamandú Roos selbst aus(Bild: Humphrey Schmidt)
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