Ein Künstler aus London macht den Kindheitshelden lebendig.

Wimmelbilder voller Menschen, auf dem Markt, am Strand, im Fußballstadion. Mittendrin Walter, ein Junge mit rot-weiß gestreiftem Pullover und Pudelmütze. Und dann heißt es: Wo ist Walter? – oder im englischen Original: Where is Wally? Die gleichnamige Kinderbuchreihe von Martin Handford begeistert Kinder seit den Achtzigern.

Jetzt gibt es Wally auch auf Instagram: Unter dem Account @wallyfound veröffentlicht ein junger Londoner Fotos von sich – in rot-weiß gestreiftem Pullover und mit rot-weißer Pudelmütze. In der Bio stehen alle Namen, die Wally trägt – also neben Wally (Großbritannien, Italien und Spanien) auch Walter (Deutschland), Waldo (Nordamerika) und Charlie (Frankreich).

Der Macher von @wallyfound will anonym bleiben: Fast immer ist er von hinten fotografiert; sein Gesicht sieht man nie komplett.

Wir haben mit ihm gesprochen.
"Wenn uns andere draußen sehen, sind sie meistens total aufgeregt und rufen: Wir haben Wally gefunden!"(Bild: @wallyfound)

Du trägst die gleichen Kleider wie Wally, verwendest seinen Namen. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Wally-Instagram-Account zu starten?

Das Leben in London kann sehr einsam sein. Alle haben irgendwas zu tun. Man muss richtig nach Wegen suchen, um neue Leute kennenzulernen. Irgendwann stieß ich auf Instagram und sah, dass viele Londoner darüber mit anderen in Kontakt kommen. Ich überlegte, was ich machen könnte, was es dort noch nicht gibt; ich wollte kreativ sein, originell.

So kam ich auf Wally. Er ist der Held meiner Kindheit, er hat mich mein Leben lang begleitet. Ich glaube, Menschen aller Altersklassen freuen sich über Wally; er ist oldschool, aber die Bücher gibt es immer noch.

Auf keinem deiner Instagram-Bilder ist dein komplettes Gesicht zu sehen. Warum?

Ich sehe nicht genauso aus wie der Comic-Wally, niemand sieht so aus. Deshalb dachte ich, ich zeige mein Gesicht nicht und halte so das Mysterium aufrecht, die Magie. Niemand weiß, wer Wally ist. So bleiben die Leute dran, weil sie herausfinden wollen, wer dahinter steckt.

"In London ist es überhaupt nicht schwer, schöne Orte für die Fotos zu finden."(Bild: @wallyfound)

Wie entstehen deine Bilder?

Oft schlendere ich einfach durch die Gegend und stelle fest: Das ist ein schöner Ort, den könnte man künstlerisch einfangen. Machen kann das Foto im Prinzip jeder: Manchmal sind es Freunde, manchmal Menschen, die mir bei Instagram schreiben.

Seit ich den Account gestartet habe, habe ich dort viele Freunde gefunden; man trifft Gleichgesinnte. Wenn uns andere draußen sehen, sind sie meistens total aufgeregt und rufen: Wir haben Wally gefunden! Das macht total Spaß. Die ganze Welt kennt Wally.

Was willst du mit deinen Fotos erreichen?

In erster Linie mache ich die Bilder, weil ich Fotografie liebe. Meinen Account und die Aufmerksamkeit, die ich dadurch bekomme, will ich aber auch nutzen, um etwas Sinnvolles zu tun. Momentan arbeite ich an einem Wally-Kalender, wenn alles gut läuft schon für 2016. Damit will ich krebskranken Kindern helfen: Ich will Fotos mit ihnen machen und die Einnahmen spenden. Mein Gesicht werde ich aber auch da nicht zeigen.

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