Ein ungarischer Fotograf bastelt die witzigen Fotomontagen.

Suff, Schlamm und wenig Schlaf: Auf Festivals herrscht oft für drei, vier Tage Ausnahmezustand. Dabei werden die Besucherinnen und Besucher auf angenehme Weise alle gleich. Sie schwitzen zusammen, singen zusammen und stehen zusammen vor den Klohäuschen an. Und spätestens nach dem zweiten Tag ohne Dusche kann man von außen nicht mehr richtig sehen, wer wo herkommt.

Die Menschen, die der ungarische Fotojournalist Márton Nemnényi in seine Aufnahmen von Festivals montiert, fallen allerdings trotzdem irgendwie auf. Denn es handelt sich dabei um Figuren aus klassischen Gemälden. (NLcafe)

Statt der üblichen Mittzwanziger mit Lennon-Brillen und Glitzerwangen, sieht man auf seinen Bildern die Mona Lisa, eine von Degas' Tänzerinnen oder den biblischen Adam. Und auch wenn sie auffallen – fügen sie sich irgendwie doch erstaunlich gut in die Festival-Szenen ein.

Diesen Typen, der einfach nicht seine Klamotten anlassen kann, haben wir doch zum Beispiel alle schon mal gesehen.

(Bild: Márton Nemnényi)

Oder dieses ältere Pärchen, bei dem man sich fragt, warum sie überhaupt zu einem Konzert gehen, wenn sie nur rumstehen und hassen wollen.

(Bild: Márton Nemnényi)

Die Leute, die sich für was Besseres halten, weil sie in der ersten Reihe stehen.

(Bild: Márton Nemnényi)


Oder die, die nach zweieinhalb Litern Fruchtsekt auf einmal ganz melancholisch werden.

(Bild: Márton Nemnényi)

Oder das Gegenteil.

(Bild: Márton Nemnényi)

Die Bilder hat Fotograf Márton auf dem Sziget-Festival in Budapest gemacht. Weil solche Festival-Fotos meistens irgendwie gleich aussehen, wollte er mal etwas anderes ausprobieren – da kam ihm die Idee mit den alten Gemälden. "Eine tiefere Botschaft gibt es nicht", sagt er zu bento, "es ist einfach Spaß".

Noch mehr Bilder in der Slideshow:

1/12

Mehr von Márton Nemnényi findest du auf seiner Website, bei Facebook oder Instagram.


Gerechtigkeit

Waffenhändler als Vater? Was an den Verschwörungstheorien über Carola Rackete Quatsch ist

Die Kapitänin Carola Rackete steht in Italien unter Hausarrest, weil sie mit dem Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 3" und 40 Geflüchteten an Bord im italienischen Hafen von Lampedusa anlegte. 

Dass sie Menschenleben gerettet hat, macht Carola Rackete für die einen zur Heldin, andere sehen sie als Verbrecherin und verbreiten nun wilde Verschwörungstheorien über sie im Netz. 

Wir haben uns diese mal genauer angesehen.

Wird sie von der Rüstungsindustrie finanziert?

Die "Sea-Watch 3" war noch nicht in den Hafen von Lampedusa eingelaufen, da ließ sich der italienische Innenminister Matteo Salvini bereits über die Kapitänin Carola Rackete aus: Eine "kleine Angeberin" nannte er sie in einem Livestream auf Facebook. Sie mache Politik auf dem Buckel von Migranten und werde dafür von "wem auch immer" bezahlt, so Salvini. (SPIEGEL ONLINE)

Für einige rechte italienische Medien war schnell klar, woher das Geld der Seenotretterin stammen soll: Von Racketes angeblich wohlhabenden Vater, der in der Rüstungsindustrie reich geworden sei. Auf einem mittlerweile gelöschten Linkedin-Profil von Ekkehard Rackete war angegeben, er sei Berater bei dem Rüstungskonzern "Mehler Engineered Defense". 

Diese Meldungen verbreiteten sich auch auf deutschen Webseiten und Blogs. Auf "Watergate.tv", einem Portal für rechte Verschwörungstheoretiker, wird der Vater kurzerhand zum "Waffenhändler" erklärt und behauptet, die Militärindustrie profitiere von "illegaler Migration". 

Fakt ist: Ekkehard Rackete ist ehemaliger Oberstleutnant der Bundeswehr – und "Mehler Engineered Defense" kein Waffenexporteur. Das Unternehmen stellt laut eigener Beschreibung lediglich Schutzsysteme für den militärischen und zivilen Bereich her. 

Die österreichische Webseite "unzensuriert.at" stellt außerdem die Vermutung auf, dass Carola Racketes Tätigkeit in der Seenotrettung "maßgeblich vom Vater mitfinanziert" werde. Die Seite beruft sich dabei auf ein Interview der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" mit Ekkehard Rackete. Im gleichen Interview sagte der Vater jedoch auch, dass seine Tochter selbst genug verdient habe, um ihre Freiwilligenarbeit zu finanzieren.