Bild: Ben Maier Photography

Jeden Morgen zwei Tassen Kaffee, der immer gleiche Weg zur Arbeit, zur Uni, in die Kantine, zum Imbiss in der Mittagspause, Smalltalk mit den Kollegen, ein Drink in der Stammkneipe, abends wieder nach Hause. Auf immer gleichen Wegen kann man leicht verloren gehen.

In einen Alltagstrott verfällt man schnell. Wieder herauszufinden dauert dann meist leider länger.

Ben Maier, ein junger Fotograf aus Hamburg, versucht, aus der Monotonie auszubrechen – indem er einen Monat lang jeden Tag an einen neuen Ort gegangen ist, eine noch nie gesehene Ausstellung angeschaut, oder einen unbekannten Menschen getroffen hat. Jeden Tag etwas Neues, auf Teufel komm raus.

bento hat er erzählt, was er in diesem Monat erlebt hat.

Wer ist Ben Maier?

Ben, 28, studiert im dritten Semester Fotografie an der Deutschen Popakademie in Hamburg. Davor hat er BWL studiert und zwei Jahre in der Werbebranche gearbeitet. Und dann gedacht, dass da draußen doch noch mehr sein muss. Hier kannst du dir seinen Instagram-Account anschauen. 

Wie hast du gemerkt, dass du aus deinem Alltag ausbrechen musst?

Nach zwei Jahren in der Werbebranche bin ich für eineinhalb Jahre durch Asien gereist und habe in Laos gewohnt. Ich habe damals jeden Tag etwas Neues gesehen, jeden Tag etwas Neues erlebt. Als ich wiederkam und mein Fotografie-Studium begonnen habe, bin ich in eine Routine gefallen. 

Man kennt das ja: Man geht jeden Tag die gleichen Wege und das meistens noch mit Scheuklappen auf den Augen. Ich habe mich nach diesem Reisegefühl gesehnt. Darum habe ich im Mai begonnen, jeden Tag etwas Neues zu entdecken und Fotos davon zu machen. Das Projekt habe ich "Travel Every Day" genannt. 

Ben Maier, Fotograf aus Hamburg.
Was ist das genau für ein Gefühl, das du im Alltag vermisst?

Ich bin nicht mehr so aufmerksam. Ich denke ständig: "Ach, das kenne ich ja alles schon." Und ich bin auch nicht mehr so spontan, habe meine Zeit meistens schon sorgfältig verplant. Wenn man mit neuen Dingen konfrontiert ist, entsteht oft so eine Spannung – Was wird jetzt passieren? In solche Situationen komme ich überhaupt nicht mehr. 

Wie hast du die Orte ausgewählt, die du besucht hast? 

Ich habe mich einfach gefragt: Wo war ich noch nie, was habe ich noch nie gesehen? Die ersten Tage war ich in Norwegen, das war einfach. In Hamburg musste ich gezielt suchen. Am Anfang habe ich alles genau geplant, irgendwann habe ich mich mehr von meiner Stimmung leiten lassen. Ich bin einfach in Straßen abgebogen, die ich noch nie betreten habe. 

Ich habe mich einfach gefragt: Wo war ich noch nie?
Ben Maier
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Dabei habe ich zum Beispiel nur ein paar hundert Meter von mir daheim entfernt ein Parkhaus gefunden, auf dem man super skaten kann. Ich hatte mein Longboard dabei und einen tollen Abend mit neuen Leuten. Genau darum geht es. Ich hatte das Parkhaus natürlich schon oft gesehen, aber war noch nie dort skaten. Ich habe mir in diesem Monat vorgenommen, die Augen offen zu halten. Auch für Dinge, die ich täglich sehe, aber denen ich keine Beachtung schenke. Und außerdem zwingt man sich, seine Komfortzone zu verlassen.  

Der leere Parkplatz wird zum Skatepark umfunktioniert.(Bild: Ben Maier Photography)
Fällt es dir schwer, aus deiner Komfortzone rauszukommen?

Ja, tatsächlich ist das so. Ich muss mich immer dazu zwingen, da ich eher ein introvertierter Mensch bin. Dabei hilft mir aber auch die Fotografie, auf Menschen zuzugehen, zu kommunizieren. Das ist eine tägliche Herausforderung, ein Abenteuer. 

Einer der besten Abende war der in der Badewanne.
Ben Maier
Welcher war dein schönster Moment?

Einer der besten Abende war der in der Badewanne. Ich bin mit drei Freunden spontan noch Norwegen gefahren, wo wir in einer alten Waldhütte direkt an einem Fluss geschlafen haben. Beim Erkunden der Gegend haben wir eine Badewanne am Ufer entdeckt, darunter verbrannte Kohlen.

In dieser Wanne in Norwegen verbrachte Ben einen der schönsten Abende.(Bild: Ben Maier Photography)

Wir haben also das Flusswasser mit leeren Flaschen und unseren Händen in die Wanne geschöpft, das Feuer angemacht und ein heißes Bad genommen. Und dann fing es noch an zu schneien. 

Du wolltest mehr Dynamik in deinem Leben. Hast du das geschafft?

Auf jeden Fall, ja. Am Wochenende war ich beispielsweise zum ersten Mal in einem bekannten Club in Hamburg, obwohl ich hier schon seit 2012 lebe. Jeden Tag etwas Neues sehen, das ist im Alltag auch anstrengend, das habe ich während des Monats gemerkt. Aber mindestens einmal die Woche habe ich mir das beibehalten. 

Die ganze Fotostrecke kannst du dir auf Bens Webseite anschauen. 

Apropos Alltag:


Haha

Dieser bitterböse Twitter-Bot entschuldigt sich unentwegt für Lena Dunham

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Diese öffentliche Entschuldigung ist bei ihr aber kein Einzelfall: Zuvor entschuldigte sie sich zum Beispiel für einen Vergleich von Bill Cosby und dem Holocaust, für einen Witz über ein Serienkiller-Kostüm, oder vor Photoshop-Vorwürfe gegen ein mexikanisches Magazin. (Twitter)

Sie entschuldigt sich tatsächlich so oft, dass nun jemand einen Twitter-Bot gebaut hat, der genau das für sie tut.