Warum wir uns selbst ein bisschen mehr lieben sollten

Cécile Dormeau hat einen ungewöhnlichen Wunsch: Sie will das Unsichtbare sichtbar machen, das Unangenehme angenehm, das Komplizierte unkompliziert. Was sie dafür braucht? Einen schwarzen Filzstift, ein bisschen Farbe und einen Instagram-Account.

Cécile ist 28 Jahre alt, Französin und hat 41.000 Instagram-Follower – und das, obwohl sie noch nie ein Selfie veröffentlicht hat, keine Weltreisen dokumentiert und auch nicht täglich Fotos von ihrem Essen postet. Stattdessen zeichnet Cécile Karikaturen von Frauen, die näher an der Realität dran sind, als alles, was sonst auf Instagram verbreitet wird.

Frauen mit unrasierten Beinen. Ein Mädchen mit Liebeskummer, das auf ihr Smartphone starrt. Brüste, die auseinanderstehen. Also das Unperfekte, das Echte, das Unangenehme, das Unbewusste.

Von einigen wird sie deswegen als feministische Künstlerin gefeiert.

In der Slideshow siehst du Céciles Zeichnungen:
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Cécile, warum zeichnest du fast nur Frauen?

Ich glaube, Frauen verspüren in unserer Gesellschaft einen immensen Druck. Ich kenne das Gefühl sehr gut, mit mir und meinem Äußeren zu hadern. Die Medien sagen uns, was schön ist. Alles, was anders ist, empfinden wir als abweichend uns hässlich: Dicksein zum Beispiel oder Cellulite. Doch auch das kann schön sein – es gibt so unterschiedliche Wege, schön zu sein! Die Welt braucht keine perfekten Menschen, aber sie braucht großartige und starke Frauen.

Und dafür ist Instagram genau der richtige Ort?

Ja! Instagram vermittelt auf brutale Art und Weise das Bild vom perfekten Menschen. Hier sehen wir so viele Fotos von perfekten Körpern, den perfekten Ferien, den perfekten Partys und den perfekten Freunden. Es ist ein unendlicher Wettkampf, ganz nach dem Motto: "Ich bin erfolgreicher und glücklicher als du!" Wenn wir diese Bilder sehen, beginnen wir plötzlich, uns unsicher zu fühlen. Wir werden neidisch, traurig und unzufrieden, weil unser eigenes Leben anders aussieht.

Ich möchte die Unperfektheit feiern!
Cécile

Ich möchte einen Gegensatz schaffen und Menschen zeigen, die sagen: "Ich bin nicht perfekt, mein Leben ist nicht perfekt, aber ich bin trotzdem großartig." Denn: Kein Mensch ist perfekt und es ist total normal, Fehler zu haben. Wir müssen unsere Unterschiedlichkeit mehr schätzen. In einer Gesellschaft, in der es hauptsächlich darum geht, perfekt zu sein, zeichne ich Menschen, wie sie wirklich aussehen: Unperfekt!

Warum zeichnest du so viele traurige Menschen?

Genau wie wir unsere Natürlichkeit nicht zeigen wollen, möchten wir am liebsten auch unsere Traurigkeit vor den anderen verbergen. Man will ja ein positives Bild von sich selbst zeigen, ein glückliches. Aber das stimmt einfach nicht: Jeder ist manchmal traurig, niedergeschlagen und verunsichert. Und ich finde, es gibt keinen Grund, warum man sich dafür schämen sollte. Denn schließlich haben wir das Leben nicht selbst in der Hand: Wir können nicht alles kontrollieren und wir müssen annehmen, dass das Leben manchmal eben schwierig und hässlich ist.

​Genau wie wir unsere Natürlichkeit nicht zeigen wollen, möchten wir am liebsten auch unsere Traurigkeit vor den anderen verbergen.
Cécile
Deine Bilder sind aber ganz schön bunt.

Mir ist es wichtig, meinen Bildern etwas Helligkeit und Licht zu geben. Damit möchte ich erreichen, dass Menschen, die meine Bilder sehen, dem perfekten Bild von sich und ihren negativen Gefühlen nicht so viel Bedeutung beimessen. Ich benutze einfache Motive und unaufgeregte Farben, weil ich deutlich machen will, dass es eigentlich ganz einfach und unkompliziert sein kann, sich anzunehmen und zu lieben.


Grün

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