Bild: Nolan Streitberger
...vor allem, wie sie als Mädchen von anderen wahrgenommen wird.

Haley liegt im Gras, die Arme über dem Kopf, die Beine zur Seite gekippt, als wäre sie gerade vom Himmel gefallen. Sie trägt Sonnenbrille, Herzchenform, blickt lässig von oben herab. Sie hat ihre Hände zu einer Schale geformt, darin liegt einer ihrer Zähne.

Haley ist sieben Jahre alt und die Tochter von Nolan Streitberger, Fotograf aus Oregon in den USA. Er nennt sich selbst einen "Stay-at-home-Dad", einen Hausmann, der sich um seine Tochter kümmert, während seine Frau Geld für die Familie verdient.

Während er mit Haley Zeit verbringt, macht er Fotos von ihr, ihrem Aufwachsen und ihrem Leben, die Reihe heißt "Long Summer Days". Darüber haben wir mit Nolan gesprochen.

Worum geht's?

Nolan ist 36 Jahre alt. Bevor er zum Hausmann wurde, arbeitete er als Grafikdesigner. Seine Frau war seit Haleys Geburt Hausfrau. Als er merkte, dass sein Projekt auf ein Ende zulief, beschlossen beide, dass sie sich nun eine Arbeit suchen würde – und Nolan ihre Rolle übernehmen würde.

"Die Bilder dokumentieren in erster Linie meine Beziehung zu meiner Tochter", sagt Nolan. Und er wolle Stereotype brechen. "Hübsche Kleider sind okay und machen Haley Spaß. Aber sie definieren sie nicht als Person, sagen nichts über ihre Intelligenz, Stärke oder wer sie ist." 

#nofilter

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Wer hatte die Idee?

Die Idee, seine Tochter zu fotografieren, kam Nolan selbst – spontan. Früher malte er regelmäßig, aber als Haley kam, wurde sein Atelier zum Kinderzimmer. Seine Kunst wurde unwichtiger. 2010 schenkte ihm seine Frau eine Digitalkamera, Nolan entdeckte seine Liebe zur Fotografie neu, experimentierte mit verschiedenen Modellen und Techniken, postete Bilder auf Facebook. Mit einer Großformatkamera machte er das Bild "Haley at 4 in chair" – und verliebte sich in die neue Bildsprache:

"Haley at 4 in chair"(Bild: Nolan Streitberger)

Die Reihe entstand auch, weil Haley es liebe, von ihm fotografiert zu werden, sagt Nolan. "Sie ist meine perfekte Muse. Die Hälfte davon ist inszeniert, die andere Hälfte nicht. Und selbst bei den inszenierten Bildern bitte ich sie einfach nur, kurz still zu halten. Das sind jene mit tieferer Ebene, in der ich mehr sagen kann, als das Bild an sich zeigt. Ich glaube, uns beiden machen diese Fotos am meisten Spaß." 

Nolans Bilder zum Durchklicken:

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Was hat das zu bedeuten?

Die Bilder zeigen nicht einfach nur ein Kind, das groß und offenbar geliebt wird. Mit den Fotos will Nolan auch zeigen, was er als Hausmann über die Jahre gelernt hat – über sich selbst und die Gesellschaft. Über Rollenbilder, Stereotype und Geschlechter. Über die Stigmata, die einerseits Männern anhaften und andererseits schon jungen Mädchen auferlegt werden: 

"Manche Menschen denken, ich wäre faul, sie machen sich über die Situation lustig. Freunde, sogar die engsten, sagen mir, ich solle mir einen Job suchen, mich um meine Familie kümmern. Aber das tue ich ja. Ich helfe meiner Tochter bei ihren Hausaufgaben, lese mit ihr, helfe ihr, zu wachsen und zu lernen. Das ist meine Art, mich um meine Familie zu kümmern." 

Die andere Erkenntnis, sagt Nolan, betreffe seine Tochter. "Als Mann habe ich vielleicht nicht wirklich verstanden, was für Stereotype wir Mädchen und Frauen auferlegen – bis ich Vater eines Mädchens wurde."

Nolan mit Kamera: "Manche Menschen denken, ich wäre faul"(Bild: Jeffery Smith/Brownsville Or)

Er erinnert sich an zwei Situationen, die ihn besonders zum Nachdenken brachten.

Im vergangenen Frühling kaufte er Haley ein neues Kleid, das sie unbedingt in die Schule anziehen wollte. Es waren fast 30 Grad an dem Tag, aber als Nolan seine Tochter abholte, trug sie ihre Jacke über dem Kleid. Ihr Gesicht war gerötet, sie schwitzte. Die Lehrer hatten ihr gesagt, sie solle sich etwas überziehen, weil ihr Kleid zu viel ihrer Schultern zeigte. 

"Ich war sauer, ging nach Hause, las die Kleiderordnung der Schule – und merkte: Zwei Seiten dieser Ordnung richtete sich speziell an Mädchen. Es gab aber keinen einzigen Punkt, der sich speziell an Jungs richtete."

"Dreaming in the grass"(Bild: Nolan Streitberger)

Im Sommer darauf dann ging Haley zu einer Freundin in den Garten, die Familie hatte einen Pool. Kurz vorher hatte sie sich einen neuen Badeanzug ausgesucht, einen Zweiteiler. Als Nolan sie abholte, schwamm Haley mit einem T-Shirt über dem Bikini. Die Eltern der Freundin hatten es ihr angezogen. 

"Ich habe nie verstanden, welchen Druck wir auf junge Mädchen und Frauen ausüben", sagt Nolan. "Darauf, wie sie sich präsentieren."

In seinem Haus gebe es daher jetzt die Regel: "Sei du selbst". 

"Ich konnte sehen, wie sich Haleys Selbstwahrnehmung nach solchen Vorfällen veränderte – und wollte das verhindern." Haley brauche niemanden, der für sie Entscheidungen trifft. Nolan bringe ihr bei, trotzdem Regeln zu befolgen – auch die ihrer Schule – aber dass die nichts damit zu tun hätten, dass Haley nicht okay ist, so wie sie ist.


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