Hier erzählen sie die Geschichten hinter den Motiven.

Sie zählen zu den Entscheidungen im Leben, die man entweder für immer liebt, oder auf ewig bereut: Tattoos spalten nicht nur die Meinungen über guten Geschmack, sondern auch Generationen. Klar, dass sich die Meisten zwei mal überlegen, welches Motiv es werden soll. Dass Altern mit Tattoos aber alles andere als hässlich ist, beweist der holländische Verein GetOud mit einer eindrucksvollen Fotoserie

Die Reihe mit dem Titel „TattooAge“ portraitiert Seniorinnen und Senioren , die noch immer stolz die Tattoos aus ihrer Jugend tragen – oder sich erst vor Kurzem ihr erstes Motiv stechen lassen haben. 

Und sie zeigen uns, dass man keine Angst davor haben muss, sich Tinte unter die Haut zu jagen. 


Toos und Albertina zum Beispiel haben sich erst vor Kurzem tätowieren lassen. Ihre Tattoos geben Toos, die sich 2015 ihr erstes Motiv stechen lassen hat, die Möglichkeit, mit der Gesellschaft mitzuhalten. Sie erzählt: 

„Es ist schon schwer: Mit 80 will man noch mit den jungen Leuten mithalten, aber wie? Also habe ich mir ein Stück meiner Haare abrasiert und mir Tattoos stechen lassen.“

Foto: GetOud.nl


Albertina hingegen hat sich 2007 ihr erstes Tattoo stechen lassen, nachdem ihr Mann verstorben ist. Für die 81-jährige Witwe ist ihr Motiv ein Versprechen an ihren Mann:

„Nachdem mein Mann gestorben ist, haben meine Enkel mich gefragt, ob ich ein Tattoo haben möchte. Ich wollte einen Schwan als Motiv – denn wenn ein Schwan stirbt, bleibt der andere immer allein.

Foto: GetOud.nl


Die 76-jährige Rheba, die sich mit 14 Jahren ihr erstes Tattoo stechen ließ, sieht kein Problem darin, mit einem Tattoo zu altern. Sie erzählt:

„Damals war es in meinem Dorf in Marokko modisch, sich zu tätowieren. Einige Frauen haben sich mittlerweile ihre Tattoos entfernen lassen, aber ich habe darüber nie nachgedacht. Sie gehören zu mir und bleiben bei mir, bis zu meinem Tod.

Foto: GetOud.nl


Auch der 65-jährige Chris hat sich erst vor 11 Jahren das erste Mal tätowieren lassen. Für ihn haben seine Tattoos eine ganz besondere Bedeutung: 

„Viele Menschen fragen sich, wer sie sind und woher sie kommen. Für mich sind meine Tattoos wie eine warme Bestätigung: Es sind die Motive, die auch meine Vorfahren schon hatten – sie sind wie meine Wurzeln.

Foto: GetOud.nl


Dass man über so manche Motive aus der Jugend auch im Alter noch lachen kann, beweist Jan. Der 64-jährige lies sich mit 18 Jahren das erste mal tätowieren, sein neuestes Tattoo ist erst ein Jahr alt. Er erzählt:

„Ich habe mit einem kleinen Anker angefangen, als ich 17 war. Später habe ich mir eine Kuh tätowieren lassen, weil das der Spitzname meiner Mutter war.“

Foto: GetOud.nl

Tätowierungen können im Alter auch einen rein praktischen Nutzen haben , findet zumindest der 68-jährige Cor, der sich im Laufe von 37 Jahren fast überall auf seinem Körper tätowieren lassen hat:

„Auf meinem Arm ist ein Portrait von mir. Falls ich mal vergessen sollte, wer ich bin, schau ich es an und weiß: Das bin ich!

Foto: GetOud.nl


Für die 76-jährige Riek war vor 12 Jahren der richtige Zeitpunkt, sich das erste Tattoo stechen zu lassen. Ihr Sohn, der als Tätowierer arbeitet, hat selbst das Motiv entworfen und wollte damit die Lebensgeschichte seiner Mutter erzählen: 

"Mein Sohn weiß, dass ich Rosen liebe. Also hat er eine mit drei Blättern gezeichnet, die meien Kinder symbolisieren. Die beiden Dornen stehen für meine beiden gescheiterten Ehen, wärend die Blüte meine dritte Ehe darstellt."

Foto: GetOud.nl

GetOud

Ingrid Meijering und Marion Duimel haben 2010 gemeinsam in Den Haag in den Niederlanden den Verein GetOud (zu Deutsch: Werde alt) gegründet, um das Bild alternder Menschen in der Gesellschaft zu verbessern. Knapp drei Jahre lang haben die beiden gemeinsam am Fotoprojekt „TattooAge“ gearbeitet und dabei in diversen Facebookgruppen und Tattoostudios nach Protagonistinnen und Protagonisten gesucht. Entstanden ist ein knapp 60-seitiger Bildband, der die Geschichten der tätowierten Körper erzählt.


Gerechtigkeit

Expecto Klischeeum: Warum "Harry Potter" ein Problem mit Frauenfiguren hat

Damit wir uns gleich nicht falsch verstehen: Ich liebe Harry Potter. Als Kind habe ich sehnsüchtig auf die Eule gewartet, die mir die Zulassung für Hogwarts bringt, als Jugendliche jeden Film etwa drei mal gesehen und auch heute freue ich mich noch über die "Phantastische Tierwesen".

Als großer Fan habe ich pünktlich zum 20-jährigen Pottergeburtstag daher meine Filmbox aus dem Schrank ausgegraben und die DVDs eingelegt.

Doch seit ich die Filme noch einmal geschaut habe, haben Harry und ich ein Problem.

Natürlich war mir die oftmals stereotype Repräsentation von Frauen und Männern in der Kinder- und Jugendliteratur schon früher bewusst – aber irgendwie hatte ich nie darüber nachgedacht, ob Klischees auch bei Harry Potter vorkommen. Als ich mich jetzt gemütlich vor den Filmen eingekuschelt hatte, war ich erschrocken – und vor allem wütend.

Denn fast alle relevanten Figuren, die die Handlung wirklich voran bringen, sind männlich:

  • Der ultimative Bösewicht, Lord Voldemort - ein Mann. (Und der vorherige, Grindelwald, ebenfalls.) 
  • Seine Gefolgschaft, die Todesser, besteht zumeist aus männlichen Mitgliedern.
  • Der mächtigste Zauberer der Welt und Schulleiter von Hogwarts, Albus Dumbledore - ein Mann. 
  • Dessen Orden des Phöenix wird hauptsächlich durch männliche Aurore bestimmt. 
  • Die führenden Politiker: Männliche Zaubereiminister von Fudge bis Scrimgeour. 
  • Der Erzrivale Harry Potters, Draco Malfoy, zwar ein Waschlappen, aber männlich. 
  • Der lange unerkannte Verbündete, Severus Snape - ein Mann. 
  • Das einzig verbliebene Familienmitglied Harry Potters, das auch in der Welt der Zauberei zu Hause ist, Sirius Black - ein Mann.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, zum Beispiel mit dem Quidditch-Helden Viktor Krum. Ganz nebenbei: Er und seine Mitschüler des Durmstrang-Instituts für Zauberei kommen als "echte", starke Männer daher, die in militärischer Manier in die große Halle des Hogwarts Schlosses einmarschieren. Dagegen schweben die zarten Schülerinnen der Beauxbatons Akademie in fließenden Seidenkleidern und weichen Bewegungen in den Saal.

Und die Häusern Gryffindor und Slytherin, gegründet von Männern, erfahren die größte Aufmerksamkeit in der Geschichte erfahren, Hufflepuff und Rawenclaw, gegründet von Frauen, bleiben eher blass.

Die wichtigen Frauen bleiben Klischees

Die wenigen handlungsbestimmenden Frauen in der männerdominierten Welt der Zauberei sind an einer Hand abzählbar: Hermine Granger, die fleißige, belesene Freundin Harry Potters, Professorin Minerva McGonagall, spätere Schulleiterin von Hogwarts (nachdem die zwei männlichen Vorgänger kurz zuvor verstorben sind) und Bellatrix Lestrange, treue Dienerin des Lord Voldemort und Dolores Umbridge, die bösartige Entsendung des Ministeriums.

Und so sehr ich diese Figuren schätze, so sehr muss ich doch sagen: Auch sie bedienen Klischees. 

Hermine: Ohne Fleiß, kein Preis?

Hermine ist nicht nur intelligent und belesen, sondern vor allem mutig und tapfer. Vor gefährlichen Situation weicht sie nicht zurück, sondern stellt sich diesen. Ganz sicher hätte es ohne Hermine Granger keine siebenteilige Buchreihe gegeben, da dieser andernfalls die Hauptfigur durch frühzeitigen Tod abhandengekommen wäre.