Bild: Instagram/Alexsandro Palombo
Noch ein Instagram-Künstler, der sich etwas traut

Wenn ich an die Heldinnen meiner Kindheit denke, dann sehe ich Cinderella vor mir: Eine bezaubernde Frau, die sich von einem Prinzen auf einer Marmortreppe einen silbernen Schuh über ihren zarten Fuß streifen lässt. Oder Ariel, die Meerjungfrau: elegant, tapfer und wunderschön.

Auf Alexsandro Palombos Instagram-Account sind mir diese Frauen nun wiederbegegnet. Allerdings ganz anders – und das hat einen guten Grund:

Alexsandro Palombo ist ein italienischer Künstler und Karikaturist und möchte unsere Aufmerksamkeit. Denn: Er setzt sich gegen die Tabuisierung von Krankheit und Gewalt ein.

Dazu zeichnet er die Heldinnen unserer Kindheit neu: Cinderella sitzt im Rollstuhl – der silberne Schuh muss an ihre Beinprothese passen. Jasmin fehlt die linke Brust – die musste sie nach einer Brustkrebserkrankung amputieren lassen. Und Schneewittchen liegt mit blutender Nase am Boden.

Es ist die Diskrepanz zwischen Realität und der wunderbaren Disney-Traumwelt, die Alexsandro Palombo hier hervorhebt. Eindeutig, knallig und schockierend wirken seine Bilder – fast schon pietätlos. Seine Botschaft könnte deutlicher nicht sein.

So erfindet Alexsandro Palombo die Heldinnen deiner Kindheit neu:
1/12
Alexsandro, deine Zeichnungen sind brutal, teilweise schockierend. Was möchtest du damit erreichen?

Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen bewusst leben, dass sie wach und neugierig bleiben. Ich glaube meine Zeichnungen sind lebendiger und echter als viele Menschen, die aufgehört haben, sich Fragen zu stellen. Ich zeichne das, was unsere Zeit prägt, verwandle und vermische es.

Das klingt ziemlich düster. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Es sind Ereignisse, die mich tief berührt und mein Leben verändert haben, die mir die Motive für meine Zeichnungen geben. Meine Arbeit spiegelt die Gesellschaft wider, in der wir leben – so wie sie wirklich aussieht. Das war von Anfang an meine Idee.

Noch mehr Instagram-Kunst – Hannah zeichnet, wenn sie traurig ist:
1/12
Wie sind die Reaktionen auf deine Bilder?

Ich höre viel Positives über meine Arbeit, aber eigentlich sind mir die Reaktionen egal. Ich bin ein Künstler und ich drücke mich frei aus – ohne mich von außen einschränken zu lassen. Ich wünsche mir in erster Linie keine positiven Reaktionen. Ich wünsche mir, dass sich diejenigen, die meine Arbeit ansehen, damit anfangen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Warum veröffentlichst du dein Werk auf Instagram?

Jedes Mittel kann geeignet dazu sein, unsere eigene Sicht auf die Welt auszudrücken: Instagram ist so ein Weg. Schon immer drücken sich Menschen in verschiedenen Formen aus – so entwickeln wir uns sozial und kulturell weiter.


Art

Wenn Berührungen Narben hinterlassen: Eine Studentin protestiert!

Berührungen können das schönste oder das schlimmste sein. Der liebevolle Griff an die Schulter vom Vater, die Geschwister, die einen in den Bauch knuffen, Freunde, die tröstend den Arm um uns legen. Und dann gibt es Berührungen, die noch Jahre später spürbar sind, die unsichtbare Narben hinterlassen: eine Hand auf den Brüsten, die man dort nicht haben will, ein Griff in den Schritt, obwohl man "nein" gesagt hat.