Bild: Saskia Frietsch

Saskia Frietsch, 23, hatte einen künstlichen Darmausgang. Und mittlerweile eine Kocksche Tasche. Das ist ein Beutel, der aus ihrem Dünndarm geformt wurde und an ihrem Bauch liegt. Vor sieben Jahren hatte Saskia eine Darmerkrankung, musste viele Operationen überstehen und lebt seitdem mit dem Beutel.

Die Narben auf ihrem Bauch gehören zu ihr. Genauso wie Saskias Selbstbewusstsein. Wenn sie neue Menschen kennenlernt, dann geht sie gleich in die Offensive: "Hey, ich habe einen künstlichen Darmausgang. Den kann man sehen – und manchmal auch riechen."

Aus diesem Selbstbewusstsein hat Saskia eine Idee entwickelt: #projektgrenzenlos

Dafür fotografiert Saskia Menschen mit Mängeln. Und will ihnen so dabei helfen, ihre eigene Schönheit zu erkennen. Auf Instagram hat sie ihre ersten Arbeiten hochgeladen, mehr als 8500 Menschen folgen ihr bereits. Jetzt kam eine eigene Homepage dazu.

So schön kann ein Makel sein – die Fotografien von #projektgrenzenlos:
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"Wenn dein Körper anders aussieht, dann nagt das einfach an deinem Selbstvertrauen", sagt Saskia zu bento. Auch wenn sie offensiv mit ihrer Erkrankung umgeht: Sie habe früher eine "eine depressive Phase durchlaufen".

Saskia macht eine Ausbildung zur Mediengestalterin in Bonn. Als sie vor zwei Jahren ein Fotoshooting gewann, betrachtete sie das erste Mal ihren Körper mit neuen Augen: "Ich fand mich einfach schön und das hat mir sehr geholfen." Saskia startete einen Blog und begann, andere Menschen mit Narben, Behinderungen und Einschränkungen zu fotografieren. Sie wollte anderen auch ein glückliches Gefühl schenken:

Jeder kann lernen, seine Makel zu lieben.
Saskia

Zwei Shootings hatte sie im vergangenen Jahr organisiert. Seit #projektgrenzenlos auf Instagram wahrgenommen wird, kommen immer Anfragen, am liebsten würde sie auf Tour gehen, "um einmal von Österreich bis an die Nordsee alle Fotowünsche zu erfüllen".

Wenn Saskia auf andere Menschen mit Makel trifft, sei die Atmosphäre immer besonders: "Ich erinnere mich an Sabrina", sagt sie, "die hatte Tränen bekommen, als sie sah, wie die Visagistin sie geschminkt hatte." Für einen Augenblick habe das Mädchen ihre Krankheit vergessen.

Das ist Sabrinas Geschichte:
Sabrina ist 18 und hat das hypoplastische Linksherzsyndrom – sie lebt nur mit einem halben Herzen.
Mit drei offenen Operationen am Herzen wurde ihr Herz-Kreislauf umgebaut.
"Damit kann ich überleben", sagt Sabrina. "Aber ich will mehr als nur Überleben: Ich will leben."
Ihre Narbe verläuft über den Hals und den gesamten Brustkorb. Ihre Erkrankung sieht man Sabrina nicht an.
Es gebe viele, die kein Verständnis für eine "unsichtbare Behinderung" hätten – und sie beleidigen.
Das sei oft schwer, gerade wenn man nicht dem Schönheitsideal entspreche.
"Aber ich habe gelernt, dass Schönheit, die nach außen hin abstoßend wirkt, in positive Energie umgewandelt werden kann."
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Tatsächlich gehe es nicht nur um schöne Bilder, sagt Saskia: "Instagram ist voller perfekter Menschen, aber selten wird klar, was dahinter steckt." Mit ihrem Fotoprojekt wolle sie Menschen daher auch eine Chance geben, ihre Geschichte zu erzählen.

Unter dem Hashtag #projektgrenzenlos schicken ihr mittlerweile andere eigene Selfies und erzählen, wie sie zu ihren Mängeln stehen. Auch Benni ist Teil des Projektes.

Das ist Bennis Geschichte:
Benni ist 27 und leidet seit sechs Jahren unter Darmkrebs. Er lebt mit einem Portkatheter.
"Das ist ein kleiner Knubbel unter der Haut aus Titan und Silikon." Er wird für Infusionen gebraucht.
Außerdem hat Benni einen künstlichen Darmausgang, einen Beutel außerhalb des Körpers, der die Ausscheidungen sammelt.
"Das hört sich jetzt sehr krass an, wenn man sich aber damit arrangiert hat, kommt man ganz gut damit klar."
Benni ist verheiratet und hat gute Freunde, auf die er sich stützen kann. Andere wüssten aber nicht, wie sie mit ihm umgehen sollen.
Während seiner Chemotherapie verlor er alle Haare, "ohne Wimpern und Augenbrauen gucken dich alle komisch an".
Über sein Leben schreibt Benni einen Blog. Für den Umgang mit Krankheiten hat er einen einfache Regel:
"Einfach immer das Positive sehen – das ist manchmal auch, dass es ja noch schlimmer hätte kommen können."
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Hier kannst du noch mehr Geschichten über Body Positivity lesen.

Gerechtigkeit

Rumänien: "Wir protestieren so lange, bis die Regierung zurücktritt"

In Rumänien protestieren seit Wochen Hunderttausende Menschen. Zuerst wehrten sie sich so gegen eine Eilverordnung – mittlerweile fordern die meisten den Rücktritt der Regierung (bento).

Warum? In Kürze: Ein neues Dekret der Regierung sah vor, dass Amtsmissbrauch und Korruption dann nicht mehr mit Gefängnis bestraft wird, wenn der Schadenswert unter umgerechnet rund 44.000 Euro liegt. Die sozialdemokratische PSD-Regierung zog nach den heftigen Protesten das Dekret vorläufig zurück. Was viele besonders ärgert: Dem PSD-Parteichef Liviu Dragnea hätte dieses Dekret genutzt, denn er steht wegen mutmaßlicher Anstiftung zum Amtsmissbrauch vor Gericht. Bislang ist der Justizminister Florin Iordache zurücktreten (Romania Insider).