Bild: Ronan McKenzie
Fotografin Ronan McKenzie über ihr Projekt

Was macht die Hautfarbe mit einem Menschen? Nachdem im Sommer 2014 die Dunkelhäutigen Michael Brown und Ezell Ford von weißen Polizisten erschossen werden, diskutieren die USA über die tägliche Diskriminierung von Schwarzen – und über Polizeigewalt. Weltweit sprechen sich Hunderttausende unter #BlackLivesMatter für eine Gleichbehandlung von Schwarzen und Weißen aus.

Der Alltagsrassismus ist Thema, auch in Deutschland: Vor Kurzem machte eine unserer Autorinnen ihre Angst um ihren schwarzen Sohn öffentlich (bento).

Eine, die dafür kämpft, dass niemand mehr wegen seiner Hautfarbe Angst haben muss, ist Ronan McKenzie, 21, Fotografin aus London.
(Bild: Ronan McKenzie)

McKenzie ist schwarz, wuchs im multikulturellen Londoner Stadtteil Walthamstow auf – und musste in ihrem Leben hinsichtlich ihrer Hautfarbe viele verletzende Erfahrungen machen. Nun widmet sie dem Thema ein ganzes Fotoprojekt.

In "A Black Body" zeigt McKenzie, wie Schwarze wahrgenommen werden – und wie sie sich selbst sehen.

Im Fokus stehen junge dunkelhäutige Menschen aus England, meistens sind es Frauen. Die Bilder zeigen Nacktheit, Macht, Vorurteile. Fast immer blicken die Fotografierten direkt in die Kamera.

Wir haben Ronan McKenzie gebeten, uns über sich und ihre Arbeit zu erzählen.
(Bild: Ronan McKenzie)

Obwohl ich in einem Viertel aufgewachsen bin, in dem viele Schwarze leben, dachte ich immer, dass man nur schön und sexy ist, wenn man europäisch aussieht. Wenn man glattes Haar und helle Haut hat. Und generell eher schlank ist. Als ich älter wurde, verstand ich allmählich, dass ich mich wohlfühlen kann – so, wie ich bin. Ich ließ mir Dreadlocks machen.

(Bild: Ronan McKenzie)

In der Schule ging es fast nie um starke schwarze Frauen oder Männer. Ja, wir haben mal über die Bürgerrechtsbewegung gesprochen, aber eben nur sehr kurz. Ansonsten ging es ständig um die Sklaverei. Nie um interessante schwarze Schriftsteller oder Kreative.

Meine Mutter hatte oft Angst, dass mir oder meinem Bruder irgendwas passiert. Dass wir in der Schule gemobbt werden. Ich konnte nirgends hingehen, ohne dass mir jemand "Rasta" hinterher rief oder mich im Gespräch so nannte.

Eine schwarze Freundin bekam einen Job nicht, weil der Arbeitgeber ihre Dreads nicht akzeptierte. Ich hatte ständig das Gefühl, überall auf Vorurteile zu treffen, dass diese einfach dazu gehören.

Einer sagte mal zu mir: "Dafür, dass du schwarze Haut hast, bist du aber echt umgänglich!"

Aus irgendeinem Grund wollte ich mich für Dates dann trotzdem eher mit Weißen treffen. Alle von ihnen, auch mein jetziger Freund, machten Bemerkungen über meine Hautfarbe.

"Du bist total exotisch!", "Du bist die erste Schwarze, die ich attraktiv finde!" – die dachten, das seien Komplimente. Für mich klangen solche Aussagen immer rückständig, gar beleidigend. Es ging um meine Hautfarbe, nicht um mich.

(Bild: Ronan McKenzie)

Als ich begann, die Fotografie für mich zu entdecken, kam ich mir oft lächerlich vor: Auf der Suche nach Schwarzen, die ich ablichten könnte, schrieb ich E-Mails an Modelagenturen mit der Aussage, ich würde im Moment nur Menschen ethnischer Minderheiten fotografieren wollen. Das klang für mich, selbst Schwarze, total sonderbar.

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Ich machte mir Gedanken: Wäre ich mir weniger lächerlich vorgekommen, wenn ich nach blonden Skandinavierinnen gefragt hätte? Wahrscheinlich ja.

Modelagenturen in London haben fast immer nur ganz schwarze oder sehr leicht dunkelhäutige Frauen unter Vertrag, es gibt nichts dazwischen. Und: Es gibt kaum schwarze Models mit natürlichem Haar.

(Bild: Ronan McKenzie)

Ich möchte mit meinen Bildern zeigen, dass die Identitäten schwarzer Menschen genauso unterschiedlich sind wie die einzelnen Hauttöne. Ich will, dass die Bilder für sich selbst sprechen, dass der Betrachter feststellt, dass es immer noch am Wichtigsten ist, dass sich jeder gut fühlt, so wie er ist.

(Bild: Ronan McKenzie)

Ich war so aufgeregt, als ich die Menschen gecastet habe, die ich für A Black Body fotografiert habe. Zum Beispiel, weil meine eigene Mutter für mich vor der Linse stand und auch Freunde, das hat das Fotografieren sehr intim gemacht.

Manche der Fotografierten sind Models, andere fand ich auf Instagram. Und als ich eines Nachts in Camden unterwegs war, sprach ich auch ein paar Leute an, die mir auffielen.

(Bild: Ronan McKenzie)

Ich habe das Gefühl, dass Schwarze in der vergangenen Zeit viel öfter in den Medien waren als noch vor zehn Jahren. Das wirkt sich aus: Menschen empfinden dunkle Haut als immer normaler. Aber das geschieht sehr langsam. Um schneller etwas zu ändern, müssten Designer viel öfter mit schwarzen Models arbeiten – und vor allem auch zeigen, dass es nicht das eine sehr dunkle Schwarz gibt, sondern viele verschiedene.

(Bild: Ronan McKenzie)

Seit diesem Projekt frage ich mich ständig, was ich noch tun kann, um noch einmal und noch stärker darauf aufmerksam zu machen, wie es schwarzen Menschen in unserer Gesellschaft geht. Ich arbeite an neuen Projekten. Ich mache weiter.

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