Bild: Quarter Life Poetry
Ein kleines Buch wird gerade zur Bibel der Mittzwanziger.

Vielleicht ist dieses Buch, "Quarter Life Poetry" von Samantha Jayne, ein Klo-Buch. Ein buntes Buch mit kurzen Sprüchen, die die 26 Jahre alte Autorin von ihrem millionenfach geklickten und gleichnamigen Instagram-Account nun zu Papier gebracht hat.

Ein Buch, das im Badezimmer gleich neben dem Toilettenpapier liegt, und dessen Seiten nach einigen Monaten außen am Rand ganz speckig werden, weil jeder, der auf dem Klo sitzt, mal während seines Geschäftes querliest. Und sich dann für ein paar Minuten verliert in diesen mehr als 150 Illustrationen über das Leben.

Die Bilder – und die Vierzeiler darunter – mögen dabei zunächst kurzweilig wirken. Haha, lustig, wie die Autorin schreibt: "Meine Freundin hat ein Baby und eine Boutique, während mein Kaktus innerhalb einer Woche verwelkt ist." Doch die Schreiberin aus Los Angeles hat mehr als ein einfaches Klo-Buch verfasst: Es ist ein wohl überlegtes Stück Papier über die Zweifel und die Unsicherheit, die Menschen kennen, die um die 20 Jahre alt sind.

So charmant verpackt Samantha Jayne die kleinen Selbstzweifel des Alltages – die Fotostrecke:
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Viele der Sprüche lesen sich wie Poesie. Samantha Jayne durchleuchtet, was uns in unseren Beziehungen, im Job, in der Umkleidekabine, und ja, auch beim Sex, durch den Kopf geht: die Frage, ob wir genügen.

Auch in persönlichen Videos auf Vimeo wird deutlich, wie es der Autorin und ihren Freunden geht:
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Ist es ekelig, Stoppel an den Beinen zu haben, weil man ständig die Rasur vergisst? Ist es schlimm, wenn wir nach 20 Uhr lieber auf dem Sofa hängen, als in Clubs zu tanzen? Sollte es uns zu denken geben, dass wir manchmal mehr Lust haben auf ein Stück Zitronenkuchen – als auf unseren Partner?

Nein, antwortet Samantha Jayne, indem sie immer wieder feststellt: Leute, das Leben ist eine Party nach eurem Geschmack, kein "Walk of Shame". Mag ja sein, dass das nicht perfekt ist, aber dafür ist es eben auch nicht Mainstream.

Zwischen den Zeilen kommt sie dann auch zu einem Fazit: Es gibt Hoffnung. Für alle, die sich ständig selbst in Frage stellen – und dabei schonmal auf dem Klo versacken.

Wir haben Samantha Jayne gebeten, uns von ihren Gedanken über ihre liebsten Werke zu berichten.

Unsere Smartphones und Dating-Apps haben es total leicht gemacht, sich aus einer Beziehung "herauszugeistern". Wir schleichen uns davon. Früher musste man sich erklären, wenn man jemanden nicht noch einmal sehen oder weiter treffen wollte.

Heute können wir einfach verschwinden, indem wir nie wieder antworten. Durch die große Entfernung vom anderen, die unsere Telefone suggerieren, fühlen wir uns nicht einmal schuldig, wenn wir einfach abhauen.

Das ist frustrierend. Und gleichzeitig ist es voll der Schub für's Selbstbewusstsein, einfach zu machen, was man will.

Als wir noch aufs Gymnasium gingen, haben wir an unseren Plänen für die Zukunft gearbeitet. Als wir unseren Abschluss hatten, realisierten wir, dass das Leben manchmal leider nicht nach irgendwelchen Plänen verläuft.

Mein Fünf-Jahres-Plan war: Karriere machen in einer richtig großen New Yorker Werbeagentur.

Jetzt, zwei Jahre später, bin ich an die Westküste gezogen und schreibe. Habe realisiert, dass das Leben toller ist, wenn man immer davon ausgeht, dass das Ende offen ist. Und noch etwas: Nur, weil andere mit 25 heiraten und mit 29 Babys bekommen, heißt das noch lange nicht, dass das auch dein Lebensentwurf ist. Einfach mal relaxen.

Wir verbringen unsere Zeit damit, durch soziale Netzwerke zu scrollen und uns mit anderen zu vergleichen. Hach, was haben die alle für ein tolles Leben auf Instagram und Facebook – und unser Leben dagegen, naja. Wir fühlen uns isoliert und so, als würden wir was falsch machen.

Dabei wäre es gerade wichtig für unsere Generation, zu unseren Makeln zu stehen – und zu kommunizieren, dass wir verwundbar sind. Also nochmal: Wen kümmert's, dass deine Freundin schon ein Baby und ein sowieso total perfektes Leben hat? Ihr Leben, ihre Sache.

Während ich älter werde, wird mir mehr und mehr bewusst, dass mir das, was mir vor fünf Jahren noch wichtig war, nicht mehr so wichtig ist. Ich ging früher nur feiern, war bis morgens unterwegs.

Alles, was ich jetzt abends will, ist drinnen bleiben. Guten Wein trinken, gutes Essen essen, zur richtig Zeit ins Bett gehen. Es tut gut, ehrlich zu sich zu sein: Nur, weil viele Freunde noch feiern gehen, heißt das nicht, dass es verkehrt ist, heute Abend mal nix zu tun, außer Bananenbrot zu backen.

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