Jas Kapela wollte Menschen Mut machen, die neu in Polen sind. Also schrieb er ein Gedicht und sang es zur Melodie der Nationalhymne. Dafür wurde der polnische Dichter und Autor jetzt von einem Gericht zu eine Geldstrafe von etwa 250 Euro verurteilt.

Hier kannst du den Clip sehen, in dem Jas mit einigen Freunden das Gedicht zur Hymne einsingt:

Es dauerte nicht lange, bis Nationalisten anfingen, sich über das Video zu beschweren – kurz darauf bekam Jas rechtliche Probleme. Er wurde angeklagt und verurteilt, weil er die polnische Nation angeblich durch die Umdichtung der Nationalhymne respektlos behandelt habe. 

Jas ging in Berufung und bekam teilweise recht: Der ursprüngliche Anklagepunkt wurde aufgehoben, stattdessen wurde er verurteilt, weil er gegen ein Gesetz zum Schutz der staatlichen Symbole verstoßen habe. Das Gesetz stammt aus dem Jahr 1980 und betrifft sämtliche Symbolik – von der Hymne bis zu Flagge – und verbietet auch Beleidigungen gegen den Präsidenten. (Oko Press

Ein Schweißband mit den nationalen Wappen ist offenbar in Ordnung. Eine umgedichtete Hymne hingegen nicht. (Bild: Jakub Szafrański)

Letztendlich wurde gegen Jas eine Geldstrafe von umgerechnet etwa 250 Euro verhängt. Den Berufungsprozess zu diesem Urteil hat der 33-Jährige gerade verloren.

Die Geldstrafe ist zwar nicht besonders hoch, aber Jas geht es um das Prinzip. (Wirtualna Polska) Er bezeichnet sich selbst als "stolzen Linken" und ist sich sicher, dass er nur verurteilt wurde, weil er kein Nationalist und zudem noch kritisch gegenüber der Regierung eingestellt ist. Das ist natürlich nur seine Meinung. Doch gerade erst hat die polnische Regierung ihre im Ausland lebenden Bürger in einem offiziellen Schreiben dazu aufgefordert, Kritiker des Landes zu melden:

Der Fall hat eine Debatte darüber entfacht, wie viel Meinungsfreiheit unter der nationalistischen Regierung möglich ist. Viele Menschen in Polen nehmen aus Protest nun ihre eigenen Versionen des Liedes auf und gehen für Jas auf die Straße.

Wir haben mit Jas Kapela über das Urteil gegen ihn gesprochen.

Es ist so lange her, dass du das Lied ins Netz gestellt hast. Weißt du noch, was damals die ersten Reaktionen waren?

"Zuerst haben sich einige Leute beschwert, dass wir so schlecht singen. 

Doch sobald sich das Video in rechten Kreisen verbreitet hatte, wurden die Kommentare unschön. Manche schrieben, wir sollten ins Gefängnis. Wir bekamen sogar Morddrohungen. Es war nicht witzig zu lesen, dass unseren Familien Vergewaltigungen durch Geflüchtete gewünscht wurden."

Was hat Jas Kapela genau mit der Hymne gemacht?

Er hatte sie 2015 umgedichtet und wollte damit Flüchtlingen signalisieren, dass sie in Polen willkommen sind.

Die polnische Hymne nimmt ohnehin Bezug auf Vertreibung und Migration, die zur Bildung des polnischen Staates geführt haben. 

Hier sind zwei Beispiele:

  • Im Original heißt es zu Beginn der Hymne: "Noch ist Polen nicht verloren, solange wir leben. Was uns fremde Übermacht nahm, werden wir uns mit dem Säbel zurückholen." Die Version von Jas lautet übersetzt in etwa so: "Noch ist Polen nicht verloren, solange wir leben. Die schweren Zeiten sind vorbei, wir akzeptieren Migranten mit Stolz."
  • Im Refrain heißt es im Original: "Marsch, marsch, Dabrowski (Anmerkung: ein polnischer General), von der italienischen Erde nach Polen. Unter deiner Führung vereinen wir uns mit der Nation." Da musste Jas nicht viel verändern. Er tauschte einfach nur den Namen des Generals gegen das Wort "Geflüchtete".

Das zweite Urteil gegen dich wurde nun im Berufungsprozess bestätigt. Macht dich das wütend?

"Natürlich bin ich wütend! Ich bin der Meinung, dass Kunst- und Meinungsfreiheit wichtiger sind als der Schutz der nationalen Symbole. Und ich bin noch wütender darüber, dass offenbar sehr viele Menschen in Polen anderer Meinung sind."

Wenn du in der Zeit zurückreisen könntest, würdest du die Hymne wieder umdichten, um deine Unterstützung für Geflüchtete auszudrücken?

"Das Gericht hat das Urteil damit begründet, dass die Kunstfreiheit ihre Grenzen hat. Ich hätte meine Solidarität mit Geflüchteten auch anders ausdrücken können. Aber ich finde: Den Text der polnischen Hymne zu verändern ist eine sehr gute Art, den polnischen Menschen vor Augen zu führen, dass auch unsere Vorfahren Geflüchtete waren. Die Hymne wurde im Exil geschrieben, als unser Land gar nicht existierte. Also ja: Ich würde es jederzeit wieder tun!"

Wirst du jetzt weiter gegen das Urteil vorgehen?

"Ich werde Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einlegen, erhoffe mir davon aber nicht zu viel.

Aber wenigstens habe ich viele Unterstützer. Manche haben eigene Versionen des Liedes aufgenommen und gepostet. Andere wollen am Samstag in der Nähe des Regierungssitzes gegen das Urteil demonstrieren."


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