Bild: Pierre Beteille

Auf Facebook betteln Menschen darum, von ihm fotografiert und veralbert zu werden. Pierre Beteille, Franzose, 58 Jahre, am Telefon eher schüchtern und zurückhaltend, weiß auch nicht so recht, wie ihm da geschieht. "Ich bin gar kein richtiger Fotograf", sagt der ehemalige Grafikdesigner aus Toulouse. Vor sieben Jahren fing er an zu fotografieren, einfach so, aus Spaß. Zuletzt waren seine Bilder bei einer großen Ausstellung in Los Angeles zu sehen. Die erfolgreichsten: ironische Selbstporträts.

Viele professionelle Fotografen stellen sich ungern selbst zur Schau. Warum haben Sie das gemacht?

Das waren meine ersten Bilder. Ich liebe Fotoporträts, habe mich aber nicht getraut, jemanden zu fragen, ob er für mich Modell stehen will.

Warum nicht?

Ich fand mich als Fotograf nicht gut. Ich habe das nie gelernt und damit nur aus Spaß angefangen. Ich wollte bloß ein wenig mit Licht und verschiedenen Einstellungen experimentieren. Da konnte ich doch niemanden fragen, ob er oder sie für mich in meinem Wohnzimmer posiert.

(Bild: Pierre Beteille)
(Bild: Pierre Beteille)
"Sign here! (Trust me 2)"(Bild: Pierre Beteille)

In den sozialen Netzwerken sind Ihre Bilder sehr erfolgreich. Vermutlich auch, weil Sie die Menschen zum Lachen bringen.

Ich versuche, aus dem auszubrechen, was als normal gilt. Meine Bilder sind wie Witze. Die Leute bleiben an Humor hängen, er gibt immer Raum für Interpretationen. Außerdem gibt es schon genügend ernste Bilder auf der Welt.

"The Metamorphosis"(Bild: Pierre Beteille)

Viele Ihrer Bilder sind stark retuschiert. Warum haben Sie das als Stilmittel gewählt?

Mir ist es egal, wie ein Foto gemacht wurde. Ich mache Bilder, keine Fotos. Ich habe immer erst eine Idee im Kopf und überlege dann, wie ich sie visualisieren könnte. Manchmal sitze ich drei Tage an einer Retusche, bis es wirklich das ist, was ich ausdrücken will.

"Shark fin soup (Junk food)"(Bild: Pierre Beteille)
"George Orwell 1984"(Bild: Pierre Beteille)
"Gulliver's travels"(Bild: Pierre Beteille)
"moi, moi, moi, moi, moi..... et moi..."

Haben Sie ein Lieblingsbild?

Das Börsenbild. Das haben ich gemacht, nachdem ich von der Warenbörse in Chicago gelesen hatte. Dort kassieren Investoren Milliardengewinne auf dem Getreidemarkt und treiben die Rohstoffpreise künstlich in die Höhe, während in Afrika gleichzeitig die Hungersnot steigt und steigt. Das hat mich wahnsinnig aufgeregt.

"Let's have fun speculating"(Bild: Pierre Beteille)

Das Bild drückt auch ein starkes politisches Statement aus. Ist Ihnen das wichtig?

Ich wähle oft Themen, die mich aufwühlen. Die Atomkatastrophe von Fukushima zum Beispiel.

"Let's have fun with atom #1"(Bild: Pierre Beteille)

Oder wenn Frauen als Schlampen diskriminiert werden, weil sie sich sexy kleiden oder mit mehreren Männern schlafen. Daraus ist die Serie "Slut Shaming" entstanden.

"Slut Shaming"(Bild: Pierre Beteille)
"Slut Shaming"(Bild: Pierre Beteille)
"Slut Shaming"(Bild: Pierre Beteille)

Was kommt als nächstes?

Ich habe mit einer Serie über Selfies angefangen. Ich hasse Selfies. Die Leute fotografieren ihre Füße am Strand oder machen ein Foto von sich vor dem Eiffelturm. Das ist lächerlich, das sagt überhaupt nichts aus. Für die Serie werde ich Menschen in mega komplizierten Posen fotografieren, die dann auch noch versuchen, ein Selfie hinzukriegen - was natürlich total bescheuert aussieht.

"Selfie N°1"(Bild: Pierre Beteille)