Bild: Caroline Mackintosh
Eine Fotografin zeigt, was sich nur wenige trauen

Caroline Mackintosh gefällt sich selbst am besten, wenn sie nackt ist. "Ich habe das Gefühl, nur dann bin ich wirklich frei", sagt sie. "Frei von Erwartungen, die Leute an mich haben, wenn ich angezogen bin – egal wie."

Denn ob Büro-Outfit, Party-Kleidchen oder Schlafanzug: Kleidungsstücke transportieren immer die Stimmung, in der man ist oder die Rolle, die man spielt oder gern spielen würde. Wer sich mit nichts kleidet, konzentriert sich hingegen nur auf sich selbst und könne auch gar nicht anders, sagt Caroline. "Wenn wir nackt sind, sind wir so, wie wir wirklich sind."

Caroline, die in Südafrika aufwuchs und nun als Fotografin in Los Angeles arbeitet, ist schon seit Langem fasziniert von der Klarheit, die von Nackten ausgeht, der Kompromisslosigkeit und der Ungezwungenheit.

Denn wer nackt vor dem Spiegel steht und sich betrachtet, der ist in diesem Moment wohl ehrlicher zu sich selbst, als wenn er angezogen wäre. Und wer sich nackt einer anderen Person zeigt, der ist in diesem Moment vielleicht offener, als wenn er dabei Kleidung tragen würde.

Caroline hat eine Fotoserie entwickelt, in der sie uns an genau das erinnern will: Dass wir ab und zu ganz bewusst nackt sein sollten – nackt schlafen, nackt durch die Wohnung laufen, vielleicht nackt feiern, nackt schwimmen.

Ist das Freiheit? Die Fotostrecke:
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"In The Murmur" heißt die Serie, "Im Gemurmel". Sie zeigt Frauen, die in einem See in Südafrika schwimmen.

Die Frauen sind nackt, sie sind nie in Gänze zu sehen – meist scheinen sie sie sich nur zufällig an der Linse vorbei zu bewegen. Mal treibt ein Körper einsam und wie leblos unter Wasser umher, mal taucht jemand auf. Dann ist zu sehen, dass über Wasser noch eine andere Welt existiert, mit Bäumen, Steinen und Utensilien, die Caroline zum Fotografieren brauchte, Reflektoren zum Beispiel.

Die Atmosphäre während des Projektes – unterwegs mit den Frauen, die Caroline fotografierte:
Wir haben Caroline Mackintosh gefragt, wieso sie Frauen unter Wasser fotografiert.

Caroline, warum sind nur Frauen auf deinen Bildern?

Ich finde es sehr interessant, wie Frauen sich selbst wahrnehmen. Frauen kommen in Werbekampagnen vor, sind auf Zeitschriftencovern. Aber da geht es nur selten darum, was die Frau von sich hält, sondern immer nur darum, wie wir beurteilen, was wir da sehen. Wie verwundbar eine Frau ist, darum geht es selten. Wie sie aussieht, wenn sie sich unbeobachtet und leicht fühlt, auch darum geht es kaum.

Und die Frauen unter Wasser zu zeigen, das ändert nun alles?

Zumindest zeigt die Serie die Frauen so, wie sie nicht oft gezeigt werden. Natürlich. Pur. Unkompliziert. Und ich finde, die Bilder vermitteln eine mysteriöse Atmosphäre: Die Frauen sind ganz bei sich, genießen es, untereinander und in der Natur zu sein. Sie stehen nicht im Kontext ihrer Klamotten. Sie lassen sich in einem See treiben.

Und du bist die Stalkerin, die die Kamera draufhält.

Das waren ja keine Fremden, sondern meine Freundinnen. Wir haben viel miteinander gesprochen, darüber, wie wir uns wahrnehmen. Wir hatten Lunchpakete dabei, sind gewandert, haben uns entspannt. Kein Druck und kein Blitzlichtgewitter wie in einem Fotostudio.

Noch mehr Bilder von Caroline:
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Bist du Feministin?

Ich würde nicht sagen, dass ich eine bin. Ich schätze Frauen, unterstütze sie, gebe ihnen Kraft, wenn es nötig ist. Aber gleichzeitig schätze ich Männer und das, was sie für unsere Gesellschaft tun. Ich bin da neutral.

Haben Leute ein Problem damit, nackt zu sein?

Auf jeden Fall. Wenn einer nackt ist, assoziiert man das ja gleich mit Sex. Nackte sieht man nie, da werden vorher die Schlafzimmertüren zugemacht. Ich habe drei Jahre gebraucht, um die Fotoserie zu entwickeln. Wir sind immer wieder zu dem See gefahren. Es hat gedauert, bis meine Freundinnen voll und ganz loslassen. Sie wurden erst nach und nach wilder und mutiger – und fühlten sich erst am Ende, als seien sie wirklich eins mit sich. Viele von ihnen sagten mir anschließend: "Ich habe das Gefühl, ich wurde neu geboren. Von der Natur."


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