Bild: Marianna Deinyan
Liebe vergeht, die Überreste bleiben.

Kein gemeinsames Foto. Keine vertrockneten Rosen, kein Brief. Kein Ring. Was von dieser Beziehung übrig blieb, ist ein türkisblauer Aschenbecher. Vollgestopft mit Zigarettenstummeln, die in schwarze Aschereste gepresst wurden.

Der Aschenbecher ist eines der Ausstellungsstücke des "Museum of Broken Relationships" in Köln. Zu sehen gibt es hier: eine Sammlung von Gegenständen, die an gescheiterte Beziehungen und zerbrochene Träume erinnern. Allesamt von Privatpersonen gestiftet. Dazu stehen die Geschichten hinter den Stücken auf Folien an der Wand.

Erst findest du es traurig, dann faszinierend – die Gegenstände und ihre Geschichten als Fotostrecke:
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Neben dem Aschenbecher steht – geschrieben von einer Person aus Köln, die ihn abgegeben hat:

"Häufig wurde ich nachts wach und er lag nicht neben mir. Mein Ex-Freund, unglücklich mit sich selbst und seinem Leben, fand oft keinen Schlaf. So saß er stundenlang im Dunkeln auf meinem kleinen Balkon, hörte Musik und rauchte."

Nachts, wenn ihr Ex auf den Balkon verschwand, habe sie ihn durch das Fenster beobachtet. Dass er nicht bei ihr liegen bleiben konnte, machte sie traurig. Andererseits habe es ihr genügt, dass er überhaupt in ihrer Nähe war:

"Nach unserer Trennung habe ich es nie geschafft, den Aschenbecher ein letztes Mal zu leeren, geschweige denn, ihn vom Balkon zu verbannen. Ich rauche nicht."

Nun sind die Kippenstummel offiziell ausgestellt. Sie sind neben 79 anderen Ausstellungsstücken Teil eines Kunstprojekts, das Initmität auf bedrückende und doch faszinierende Weise zur Schau stellt. Wer die Ausstellung besucht, der spürt ein voyeuristisches Bedürfnis befriedigt, hat das Gefühl, ein Tagebuch zu finden – und heimlich darin herumzublättern.

Die Hintergründe zu den Ausstellungsstücken offenbaren Details, die viele Menschen vermutlich nicht einmal mit ihren engsten Freunden teilen würden. Ihr einziger Schutz dabei: Sie bleiben anonym. Neben einer Beschreibung zum Ausstellungsstück sind die Länge der Beziehung und der Wohnort des Stifters vermerkt. Sonst nichts.

Schau mal vorbei

Für die Ausstellung wurde die Sammlung um 40 neue Gegenstände erweitert. Zu sehen sind sie und weitere Exponate noch bis zum 14. Mai im Alten Pfandhaus in Köln, hier findest du die Ausstellung und ihre Öffnungszeiten auf Facebook.

Die Geschichten selbst sind größtenteils von Sehnsucht, Melancholie, Tragik oder Wut geprägt. Wer wen verlassen hat, das Alter der Partner, ob ein Streit der Grund für das Ende war, ein Seitensprung – oder gar der Tod: Der Besucher erfährt es nicht immer. Die Stücke verpflichten dafür zum Nachdenken und zur Reflexion der eigenen Beziehungen und dem Umgang mit Verlust.

Erleichternd, wenn es in der Ausstellung zwischendurch auch mal lustig wird. Wie bei der Geschichte, die hinter einer Tube Herpes-Creme steckt:

"Nach circa drei Jahren Beziehung hatte ich seinen Herpes geerbt. Wir lachten manchmal darüber, wenn die Infektion mal wieder ausbrach."

Das Paar habe sich beim Karneval kennengelernt, sei siebeneinhalb Jahre zusammen gewesen. Der Herpes sei das Einzige, was der Frau aus Köln von ihrem Ex-Freund geblieben sei:

"Jedes Jahr, spätestens am Karnevalssamstag behandele ich neu entdeckte Herpesbläschen mit der Creme. Dann erinnere ich mich an Georg und die Karnevalsküsse und streiche nachdenklich über meine Lippen."
Kurator Kai Kullen: "Das Loslassen gehört dazu"(Bild: Marianna Deinyan)

Initiiert wurde das "Museum of Broken Relationships" von den kroatischen Künstlern Olinka Vištica und Dražen Grubišić. Die beiden waren selbst mal ein Paar und wussten nach ihrer Trennung zunächst nicht, was sie mit den dazugehörigen Erinnerungsstücken anstellen sollten.

Wegschmeißen? Wäre das nicht unangemessen? Behalten? Würde das nicht immer wieder weh tun?

Aus diesen Gedanken entstand die Idee zur Ausstellung. Seit mittlerweile zehn Jahren reisen Vištica und Grubišić mit den Stücken um den Globus, das Repertoire ergänzen sie dabei fortlaufend, sammeln immer neue Stücke. In Deutschland war die Ausstellung jedoch vor Köln erst einmal, vor acht Jahren in Berlin.

Neue Gegenstände finden sei übrigens gar nicht so einfach, sagt Kai Kullen, Kurator der Ausstellung, zu bento. Denn wer etwas abgebe, bekomme es nie wieder zurück.

"Das ist Teil des Rituals – das Loslassen gehört dazu", sagt Kullen. Viele der Ausstellungsstücke stammen daher aus Beziehungen, die lange Zeit zurück liegen. "An wirklich aktuelle Ausstellungsstücke heranzukommen, das ist das Schwierigste beim Sammeln. Denn nach Trennungen, die noch relativ frisch sind, möchten die Leute ihre Erinnerungsstücke meist noch nicht hergeben."

Wenn Liebe noch intakt ist, ist sie auch ganz schön anzusehen:
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