Bild: Sofie Lindberg

Plastikfahrrad, Donald-Trump-Brettspiel, Cola Blak - die Geschichte gescheiterter Produkte ist lang. Kurator Samuel West zeigt die Flops und spricht über Innovation und Misserfolg. 

Die Welt der gescheiterten Geschäftsideen ist groß, vielfältig und nicht selten bizarr: Der Zahnpastahersteller Colgate brachte in den Achtzigerjahren Tiefkühllasagne auf den Markt. US-Präsident Donald Trump wollte mit seinem eigenen Gesellschaftsspiel Monopoly Konkurrenz machen. Und eine schwedische Firma baute ein Fahrrad aus Plastik.

(Bild: Sofie Lindberg)

In manchen Fällen waren die Ideen hinter den Produkten kurios, in anderen konnten sich die Hersteller schlicht nicht gegen Konkurrenten durchsetzen. Eines aber haben alle Ausstellungsstücke im "Museum des Scheiterns" gemeinsam: Früher oder später floppten sie auf dem Markt.

Im schwedischen Helsingborg präsentiert Kurator Samuel West misslungene Erfindungen aus aller Welt: Dinge, von denen sich die Hersteller großen Erfolg versprochen hatten, die letztlich aber scheiterten. Im Interview spricht er über Innovation und den Umgang mit Misserfolgen:

Wie sind Sie auf die Idee für das "Museum des Scheiterns" gekommen?

In den vergangenen acht Jahren habe ich zum Thema Innovation geforscht. Irgendwann merkte ich, dass ich nur noch die gleichen Geschichten las: von Unternehmern, die Produkte kreierten und damit erfolgreich waren. Es hat mich gelangweilt, nur Erfolgsgeschichten zu lesen. Ich interessierte mich für die Misserfolge. Denn 80 bis 90 Prozent aller unternehmerischen Projekte scheitern.

Und das sind gescheiterte Produkte: 
2014 brachte der US-Konzern Amazon sein "Fire Phone" auf den Markt. Das Gerät war jedoch mit vielen beliebten Apps nicht kompatibel.
Ab 1993 war der Apple Newton zu haben, ein persönlicher digitaler Assistent. Viele hielten das Gerät mit 700 Dollar für zu teuer.
Mit dem "Betamax" wollte Sony in den Siebzigerjahren die Welt der Videorekorder revolutionieren – verlor aber im Wettbewerb gegen den Konkurrenten JVC.
1984 kam die "Coke II" oder "New Coke" auf den Markt. Der Geschmack fand wenige Anhänger und Coca Cola kehrte zu seiner ursprünglichen Formel zurück.
2006 mischte der Konzern Cola und Kaffee. Heraus kam ein Flop: die "Coca Cola Blak".
Erst die Lasagne, dann Zähne putzen? In den 80er Jahren brachte der Zahnpastahersteller eine Tiefkühllasagne auf den Markt.
Das sind keine überdimensionalen Wäscheklammern, sondern "doppelte" Drumsticks.
1957 brachte Ford die Automarke "Edsel" auf den Markt. Ford pries den "Edsel" als Auto der Zukunft an. Der "Edsel" floppte aber und brachte Ford einen geschätzten Verlust von 250 Millionen Dollar ein.
Die elektronische Gesichtsmaske "Rejuvenique" wurde Ende der Neunzigerjahre in Telemarketing-Sendungen beworben. Durch Elektroschocks sollten Falten verschwinden.
Google Glass sollte das neueste revolutionäre Produkt des Weltkonzerns werden. Die Augmented-Reality-Brille war aber vielen Passanten so unsympathisch, dass sich ein neuer Spitzname einbürgerte: "Glassholes".
Die Firma Heinz brachte 2000 grünen Ketchup auf den Markt und bekam dafür viel Aufmerksamkeit. Über die Jahre konnte sich die "Green Sauce" jedoch nicht behaupten.
1996 brachte Harley Davidson ein Eau de Toilette heraus. Der Duft enthielt Noten von Holz und Tabak. Kunden widerstanden ihm.
Auf dem Feld der Digitalkameras war Kodak ein Pionier. Die DC-40 war in den Neunzigern ein Erfolg. Der Konzern ging aber 2012 pleite.
Nokia stellte 2003 sein "N-Gage" vor, eine Kombination aus Handy und Spielkonsole, die dem Gameboy Konkurrenz machen sollte. Der Erfolg blieb aus.
1997 kam "Orbitz" in die Supermärkte, ein kanadischer Fruchtsaft, der farbige Gelatine-Bällchen enthielt. Noch im gleichen Jahr verschwand er wieder.
Das Itera-Plastikfahrrad kam Anfang der 80er auf den Markt und sollte das Ende von Metall-Fahrrädern sein. Nach nur drei Jahren war das Projekt Geschichte.
Neben seinem Amt als US-Präsident blickt Donald Trump auf Produkte wie "Trump Vodka" und "Trump Steaks" zurück. Auch das Brettspiel "Trump: The Game" war ein erfolgloses Projekt.
In vielen Großstädten sind Segways heute allgegenwärtig. Segways der ersten Generation waren jedoch ein Flop.
Dunkelschwarzer Humor auf der Kaffeetasse: Das Publikum fand die Kombination aus einem Bild von der untergehenden Titanic und der Aufschrift "Ship happens" eher geschmacklos.
Der "Teleguide" war teils Telefon, teils Computer. Er wurde in den Achtzigerjahren vorgestellt, konnte aber nie richtig Fuß fassen.
2009 kam der "Twitter Peak" auf den Markt. Mit dem Gerät konnten Kunden twittern - und mehr nicht. Den meisten war das Gerät die 200 Dollar, die es kostete, nicht wert.
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Welchen Zweck verfolgen Sie mit der Ausstellung?

Es ist mir ein Anliegen, dass wir überdenken, wie wir gesellschaftlich mit dem Thema Scheitern umgehen. Wir verherrlichen Erfolge und verteufeln Misserfolge. Das ist falsch, denn aus dem Scheitern lernt man viel mehr als aus Erfolgen. Diese Haltung zum Thema macht die Menschen risikoscheu. Das ist problematisch, denn als Gesellschaft müssen wir Probleme lösen - und das setzt ein gewisses Risiko voraus.

Welche Voraussetzungen muss ein Ausstellungsstück erfüllen, damit Sie es präsentieren?

Es gibt zwei Voraussetzungen: Es muss sich um eine Innovation handeln. Und diese Innovation muss gescheitert sein. Das Samsung Galaxy Note 7, bei dem es zu Akku-Explosionen gekommen war, haben wir zum Beispiel nicht aufgenommen. Denn das war ein Fall von Versagen in der Produktion, nicht bei der Innovation.

Haben sie ein Lieblingsstück in der Ausstellung?

Das ist so, als würde man mich fragen, welches meiner Kinder ich am meisten liebe. Kein Kommentar.

Gibt es etwas, was sie gerne in der Ausstellung gezeigt hätten, es aber nicht konnten?

Ich hätte gerne soziale Innovationen gezeigt. In den Siebzigerjahren haben wir in Schweden soziale Wohnsiedlungen mit günstigem Wohnraum gebaut. Das war eine noble Idee. Heute wissen wir aber, dass diese Idee gescheitert ist. Denn diese Siedlungen sind die sozialen Brennpunkte von heute. Wir hatten einfach nicht genug Platz, um dies in der Ausstellung zu zeigen. Wir werden aber im September eine größere Ausstellungsfläche hier in Helsingborg beziehen. Wir werden uns dann eine Möglichkeit überlegen, dies sinnvoll darzustellen.

Wie reagieren Besucher auf die Ausstellung?

Mir haben Besucher der Ausstellung gesagt, dass sie es als befreiend empfinden zu sehen, dass selbst die ganz Großen mit ihren Ideen scheitern. Sie sagen sich: "Wenn Google scheitern kann, dann muss auch ich mich nicht schämen, wenn ich scheitere." Ich habe aber auch Freunde, die mich aufziehen. Sie sagen: Wäre es nicht lustig, wenn das "Museum des Scheiterns" scheitern würde?

Das Interview ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

Scheitern ist übrigens eine schöne Sache:


Musik

Marterias neues Video ist düster, verstörend und eine Stunde lang
Frederick Lau und Emilia Schüle spielen mit

Gerade erst kam sein neues Album "Roswell" heraus, jetzt legt Rapper Marteria sogar einen ganzen Film nach: "Antimarteria"

  • Der Film ist eine Stunde lang und kostenlos im Netz verfügbar. 
  • Gedreht wurde mehrere Wochen lang in Südafrika.
  • Neben Marteria spielen unter anderem Frederick Lau und Emilia Schüle mit.

Auch neue Marteria-Songs sind zu hören – Film und Album sind eng miteinander verknüpft. "Wir hatten am Anfang an 15 Minuten gedacht, jetzt ist er fast eine Stunde lang", sagt Marteria über die Dreharbeiten. (Berliner Zeitung)