Ein Gespräch mit Macher Connor Toole

Fast jeder kennt "Humans of New York", eine Website, die Fotos von New Yorkern macht und dazu ihre Geschichte erzählt. Seit einiger Zeit gibt es nun auch "Millennials of New York", eine Facebook-Seite und ein Instagram-Account, die nicht nur wegen des Names an die populäre Website erinnern: Auch "Millennials of New York" postet Porträts von Menschen und schildert ihre Erlebnisse.

Nur: Anders als beim Vorbild handelt es sich bei den Bildunterschriften nicht um echte Lebensgeschichten, sondern um Parodien. Parodien auf Millennials, Menschen, die um die Jahrtausendwende herum Teenager waren, auf junge New Yorker, die mit ihrem Leben in der Großstadt klarkommen müssen und dabei auf – mehr oder weniger große – Probleme stoßen.

Es geht um Misserfolge beim Flirten in der Bar, Geld, die Abhängigkeit von Instagram-Likes, Kaffee, Bioessen, Tinder-Dates, Bingewatching bei Netflix, das eigene Aussehen – und eine gewisse Naivität gegenüber den wirklich wichtigen Themen dieser Welt.

Im ersten Moment lacht man über die Texte – im zweiten stellt man fest, dass man sich häufig mit ähnlichen Problemchen quält, wenn auch in abgeschwächter Form. Wer bekommt für ein Instagram-Foodporn-Foto nicht gern viele Likes?

"We got married two weeks ago. It was an absolutely beautiful ceremony. I wouldn't have done anything differently. Some...

Posted by Millennials of New York on Donnerstag, 17. September 2015


Hinter "Millennials of New York" stecken Connor Toole, 25, und Alec MacDonald, 27. Beide schreiben für die Website "Elite Daily", wo sie ihr Projekt im vergangenen Mai starteten. Los ging es mit einem einzelnen Artikel: ein paar gefakte Facebook-Postings, schnell mit Photoshop zusammengebaut.

Connor und Alec hatten Spaß an der Sache, sie beschlossen, eine echte Facebook-Seite aufzubauen, ein paar Monate später kam der Instagram-Account dazu. Inzwischen hat "Millennials of New York" allein auf Facebook über 200.000 Fans.

"It's literally impossible to take advantage of the city when everything is as expensive as it is. Isn't DeBlasio...

Posted by Millennials of New York on Freitag, 31. Juli 2015

Wir haben mit Connor über das Projekt gesprochen.

Eine Auswahl der Fotos gibt es hier bei uns, für mehr folgt "Millennials of New York" auf Facebook und Instagram.
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Wie seid ihr auf die Idee gekommen, "Millennials of New York" zu starten?

Wir wollten ein Projekt nach dem Vorbild von "Humans of New York" machen, wir fanden das Format toll – und wir glaubten, dass es sich wunderbar für Satire eignen würde. Unsere ursprüngliche Idee war, Ratten in New York zu fotografieren, aber wir stellten fest, dass es ganz schön schwer ist, Ratten dazu zu bringen, für ein Foto zu posieren. Also beschlossen wir, Millennials zu fotografieren.

Es war nie unsere Absicht, uns über "Humans of New York" lustig zu machen. Die Seite war unsere Inspiration: Die Fotos und direkt daneben die Bildunterschriften, das ist so ein schöner Kontrast. Das Format ist perfekt für Comedy, es gibt uns so viele Möglichkeiten, die Absurditäten des Lebens in New York darzustellen.

Ihr seid selbst Millennials. Warum macht ihr euch über eure eigene Generation lustig?

Das Beste an unserer Generation ist, dass es so viel gibt, über das man sich lustig machen kann. Die Hälfte der Themen, die wir behandeln, sind von unserem eigenen Alltag inspiriert. Das Gute: Wenn man ein Millennial in New York ist, gehen die Themen so gut wie nie aus. Wir versuchen, diejenigen herauszusuchen, von denen wir glauben, dass sich andere damit am besten identifizieren können – und die einen gewissen Einblick in die Millennial-Kultur geben.

Wir glauben, Millennials haben kein Problem damit, sich über sich selbst lustig zu machen. Wir sind uns unserer Fehler bewusst, und wir beschäftigen uns mit ihnen. Das ist das Schöne: Wir wissen, dass wir nicht perfekt sind, also machen wir uns über unsere Fehler lustig.

"Lots of people say summer in the city is too hot, but I love it. In fact, I’m starting to feel really depressed that it...

Posted by Millennials of New York on Dienstag, 25. August 2015
Wie entstehen eure Fotos?

Meist beginnen wir mit dem Text, wir entscheiden uns für ein Thema und suchen nach dem witzigsten Aspekt. Dann schreibt einer von uns einen Entwurf für die Bildunterschrift, und wir sprechen darüber. Manchmal sind wir beide sofort zufrieden, manchmal diskutieren wir zwei, drei Stunden über einzelne Wörter oder Satzzeichen. Wir veröffentlichen einen Post nur, wenn wir beide stolz darauf sind. Klar, wir freuen uns, wenn andere unsere Arbeit mögen. Aber wir haben das Projekt ursprünglich für uns selbst gemacht – und in erster Linie machen wir es immer noch, um uns zu unterhalten.

Wenn wir mit dem Text zufrieden sind, suchen wir nach einer Bildidee, mit der wir ihn aufwerten können. Am Anfang fotografierten wir einfach unsere Kollegen draußen vor dem Büro. Inzwischen inszenieren wir die Fotos etwas mehr, achten auf Details, die die Texte komplimentieren – und die hoffentlich dazu führen, dass sie den Lesern noch mehr gefallen.

Wissen die Menschen, die ihr für euer Projekt fotografiert, was am Ende in der Bildunterschrift stehen wird?

Wir sind uns bewusst, dass wir uns fiese Dinge ausdenken und sie mit einer bestimmten Person in Verbindung bringen. Deshalb stellen wir immer sicher, dass der- oder diejenige okay findet, was wir schreiben. Manchmal hat jemand kleine Änderungswünsche, am Ende entscheiden wir. Im Zweifel suchen wir eine andere Person für das Foto, uns geht es schließlich um die Bildunterschrift.

"I’m a devout foodie. I love everything about food and I’m constantly looking for the best and most interesting...

Posted by Millennials of New York on Montag, 17. August 2015
Welches Ziel verfolgt ihr mit eurem Projekt?

Unser primäres Ziel ist es natürlich, Menschen zu unterhalten. Gleichzeitig erschaffen wir eine Art Jahrbuch, eine Dokumentation dessen, was es heißt, ein New Yorker Millennial zu sein. Wir fotografieren diese jungen Menschen, halten fest, wer sie sind, wie sie aussehen, was sie anhaben. Vielleicht dienen unsere Fotos irgendwann als Zeugnis ihrer Kultur.

Welche Reaktionen bekommt ihr?

Ich arbeite seit etwa fünf Jahren mit und im Internet. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie negativ Internetnutzer sind; sie suchen ständig nach Fehlern, wollen dich kritisieren und zeigen, wie dumm du bist.

Bei unserem Projekt ist das anders: Wir bekommen fast ausnahmslos positives Feedback. Trotzdem verstehen manche Menschen nicht, dass wir Satire machen. Wir tun ja auch so, als handele es sich um echte Personen und echte Zitate. Aber im Zweifel schalten sich unsere Fans in die Kommentare ein und sagen, was Sache ist. Sie sind wirklich großartig.

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