Ein dunkler Raum hinter einer versteckten Tür in einem Berliner Späti. Ein junger, durchtrainierter Typ zieht sein Shirt aus und tanzt aufreizend, bis ihm Schweiß vom Körper rinnt. Ein goldenes Kreuz steckt er sich in den Mund, dann in die tief sitzende Hose.

Eine Szene aus "Meat", einem Kurzfilm von Matt Lambert. Der 33-jährige Fotograf und Filmemacher zeigt junge Menschen beim Erwachsenwerden. Es geht um hochexplosive Gefühlslagen, um Sex und Gewalt. Meist sind es intime Momente mit viel nackter Haut. "Aber das macht sie noch lange nicht sexuell", sagt Matt fast schon entschuldigend.

Dabei sind seine Bilder oft NSFW, not safe for work: Er zeigt queeren und schwulen Sex, beschäftigt sich mit Online-Escorts und Webcam-Models. Mit seinen Beobachtungen ist er aktuell ein gefragter Künstler. Das Arte-Magazin "Tracks" hat ihn zum Interview getroffen.

Wir zeigen das Portrait hier vorab:

Matt ist in Los Angeles groß geworden, lebt mittlerweile zwischen New York, London und Berlin. In seiner Jugend habe er gesehen, wie Bekannte von ihm erschossen und abgestochen wurden. "Pretty fucking rough" sei das gewesen, sagt Matt. Deswegen will er herausfinden, wie Gewalt funktioniert – und versucht das mit seiner Kunst.

Als Künstler beschäftigt er sich nicht nur mit Sex im digitalen Zeitalter, er nutzt Facebook, Instagram und Twitter selbst intensiv. Wie man sich nun vielleicht schon denken kann, sind die dort gezeigten Bilder und Videos explizit.

Hier ist "Meat", der Kurzfilm von Matt Lambert:
Was "Tracks" am Samstag um 23 Uhr auf Arte außerdem zeigt:
  • Künstlern wie Anto Christ, Nathan French und Rubbish Fairy haben die cleanen Galerie-Arbeiten ihrer Kollegen satt und setzen mit einer Überfülle an Materialien, Farben und Medien jetzt ein Statement dagegen.
  • Kirchenorgel klingt ziemlich unspannend – wäre da nicht Anna von Hausswolff. Die Schwedin holt aus ihr Klänge und Popmelodien heraus, die tief in die Eingeweide vordringen und selbst überzeugte Atheisten schwach werden lassen.
  • BNNT tauchen genauso auf Avantgarde-Art-Festivals wie in polnischen Fußgängerzonen auf und stiften mit selbstgebauten Instrumenten und unangemeldeten Noise-Performances für Unruhe. Dafür haben sie auch gleich ihr eigenes Genre erfunden: Sound Bombing.
  • Was passiert eigentlich, wenn sich vier alte Freunde nach Jahren wieder zusammentun und ihre alte Band reaktivieren? Davon handelt "New World Towers" der neue Film über Blur.
  • Der britisch-kolumbianische Künstler Matthew Plummer-Fernandez setzt sich mit dem Einfluss der Technologie auf unsere Gesellschaft auseinander und heizt mit D.I.Y-Dateiformaten und verfremdeten Disney-Skulpturen die Copyright-Debatte im Internet an.
  • Live: Protomatyr. Dringlicher kamen Gitarren-Bands in letzter Zeit selten daher.