Bild: Frankfurter Hauptschule
Huch?

Für viele Paare sind sie der Beweis romantischer Liebe, andere sehen in Liebesschlössern eine ästhetische Belästigung. Die Künstlergruppe Frankfurter Hauptschule sagt jetzt mit der Aktion "Stahlbad ist 1 Fun" Vorhängeschlössern an Brücken den Kampf an. Die Gruppe von zehn anonymen Künstlern will die Liebesschlösser am Eisernen Steg in Frankfurt einschmelzen und aus ihnen eine Skulptur gießen.

Mit Liebesschlössern wollen Paare ihre ewige Liebe symbolisieren. Eigentlich doch ganz harmlos – oder?

Frankfurter Hauptschule: Nicht für uns. Wir sind gegen diese Knastsymbolik in der Liebe. Vorhängeschlösser leuchten uns als Zeichen der Zuneigung nicht ein. Dass die Schlösser in Massen an europäischen Brücken hängen, finden wir widerlich und bekämpfenswert. Es sind moderne Keuschheitsgürtel, es geht nicht um Liebe, sondern um Besitz.

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Ist Liebe nicht immer irgendwie besitzergreifend?

Nein. Wenn man es mit Erich Fromm sieht, könnte sich die Liebe zu allen Menschen in der Beziehung zu einem Partner spiegeln. Es geht doch darum, sich gegenseitig aufzubauen und nicht anzuketten. Das Normative der konventionellen Beziehungsformen, die durch Vorhängeschlösser symbolisiert werden, finden wir peinlich und nicht mehr zeitgemäß.

Die Schlösser an der Kölner Hohenzollernbrücke wiegen 22 Tonnen und gelten mittlerweile als Sehenswürdigkeit. Ihr nennt das ernsthaft "Terror"?

Ästhetisch gesehen schon. Wenn ich über den Eisernen Steg in Frankfurt gehe, fühle ich mich künstlerisch beleidigt. Das ist Street-Art in reaktionär.

Die Menschen sollen euch die Schlösser aus gescheiterten Beziehungen bringen. Warum sägt ihr sie nicht selbst ab?

Das hatten wir zunächst vor. Wir möchten aber, dass die Bewohner der Stadt über den Verbleib ihrer Beziehungen und Symbole nachdenken. Dafür wiegen wir Liebesschmerz in bare Münze auf - für jedes entfernte Schloss zahlen wir einen Euro.

Was für ein Objekt soll aus den Schlössern entstehen?

Das ist noch geheim. Das Objekt wird ab dem 18. August ausgestellt.

Diese Interview ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

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