Als zeichnender Chronist unsere Zeit für kommende Generationen festhalten, das ist Toby Melville-Browns Traum

Bunt, schön und etwas kitschig – so sieht ein Instagram-Feed meist aus. Die Bilder des englischen Künstlers Toby Melville Brown sind anders, gerade damit hat er Erfolg.

Er unterteilt seine Bilder mit Photoshop in viele kleine Quadrate und lädt sie einzeln auf seinen Account hoch.

Bilder wie ein Mosaik: @tobymelvillebrown auf Instagram
Toby ist 27 Jahre alt, Illustrator und lebt im Südenglischen Brighton. Der Großteil seines Einkommens verdient er in der Werbung, so hat er bereits Chris Bangle, ex Chief-Designer von BMW und der Graphikdesignerin Malika Favre (New Yorker, Sephora und die Vanity Fair) zusammengearbeitet. Er fängt gerade erst an, mit seiner Kunst Geld zu verdienen, er verkauft sie online, in Galerien und über private Kontakte.

Seine Werke sind verworren, kompliziert und manchmal nicht sofort begreifbar, viele Details gehen fließend ineinander über.

Als Grundlage nimmt er meist eine Stadt oder ein Gebäude, er zeichnet dann Gebäudefassade an Gebäudefassade. Zum Teil strecken sie sich unrealistisch hoch in den Himmel und werden aber realitätsnah von Straßen oder einem Fluss umschlossen.

"City Barriers" von Toby Melville-Brown
Woher stammen die Ideen für deine Bilder?
"Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, ohne bescheuert zu klingen, aber ich habe mich verliebt als ich 2010 zum ersten Mal von Parliament Hill auf London hinunterblickte“ sagt er.

Toby Melville Brown will nicht nur Architektur, Liebe und Gedanken in seiner Kunst vereinen, sondern auch Geld, Armut und Kriminalität. "Ich versuche, immer meine Augen offen zu halten - und dabei immer einen Stift und Papier dabei zu haben."

Eines seiner ersten Werke "One of the first towers I drew, it's probably about ten years old"
Der Ursprung seiner Ideen, sagt er, liege in einer Kiste Legosteinen: Er schmiss sie mit denen seines Freundes zusammen, um mehr Möglichkeiten zu spielen zu haben. Später, erzählt er, kamen Computer-Simulationsspiele wie Sims 2000, Las Vegas’96 und Unmengen Zeichenpapier hinzu.

Wenn er etwas Interessantes sehe, sagte Toby, dann schreibe oder zeichne er sich das sofort auf einen Zettel. So lägen Skizzen manchmal wochenlang ungenutzt herum, bis er dann mehrere Bilder zusammenfasse, um sie mit Photoshop und einem Leuchttisch, in einem großen Kunstwerk zu vereinen. Der Leuchttisch hat eine von Neonröhren beleuchtete Oberfläche auf der sich Zeichnungen durch mehrere Schichten Papier abpausen lassen. Toby benutzt ihn, um die einzelnen Zeichnungen in einem großen Bild zu vereinen. Zwei Tage würde er an so einem großen Bild etwa arbeiten.