Während sich andere vor den Kamin kuscheln oder von ihrem Ersparten in den Süden fliegen, schwört Ken Ferguson aus Toronto auf ein heißes Bad, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Leider bietet seine Kellerwohnung lediglich Platz für eine schmale Dusche. Mit Hilfe einer Facebook-Gruppe hat Ken sich daher vorgenommen, sich Schaumbäder zu ertauschen – jeden Tag im Januar soll es eine andere Badewanne sein. Das Ergebnis: ein sauberer Ken, neue Freunde und ein paar gute Geschichten. Wir haben mit ihm gesprochen:

Warum ausgerechnet Fremdbaden?

Es gibt diese Tauschgruppe, Bunz, in der kein Geld erlaubt ist. Jeder kann mitmachen und Dinge, die er nicht mehr braucht, eintauschen. Ich habe schon Möbel für ein warmes Essen getauscht, U-Bahn-Fahrkarten für eine Schaufensterpuppe, einen Kinderstuhl für ein paar Avocados. Im Dezember habe ich für einen Tausch eine Anna besucht. Als ich ihre Badewanne sah, kam mir die Idee: Wäre es nicht witzig, statt Gegenständen Bäder einzutauschen und davon Fotos zu machen? Ich stellte ein Angebot auf Bunz und war überwältigt von der Reaktion der Leute. Mehr als 1000 Likes und Kommentare, dazu 80 neue Freundschaftsanfragen und private Nachrichten.

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Was sind das für Leute, die einen Fremden in ihre Wanne einladen?

Auf Bunz herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre und viele der Leute kannte ich bereits. Die Frage nach der Sicherheit kam oft auf, vor allem von Frauen. Klar, für eine Frau wäre so eine Aktion leider nicht ganz ungefährlich. Aber auch ich musste das Risiko abwägen, schließlich gebe ich viel von mir preis. Natürlich kamen auch einige zweideutige Anfragen. Ein Typ bot mir etwa eine Fußmassage an und ein Pärchen aus Florida wollte mich zu einem Dreier einladen.

Was hast du gegen die Bäder eingetauscht?

Am Anfang bot ich Obst, Tee oder ein Abendessen an, aber viele wollten gar nichts dafür haben. Sie freuten sich einfach, bei so einer komischen Aktion mitzumachen. Es ging schon bald nicht mehr um das Bad an sich, sondern um alles drum herum. Manchmal saßen wir noch bis spät in die Nacht zusammen und unterhielten uns. Eine Künstler-WG hatte riesigen Spaß daran, mich mit einer ausgestopften Gans posieren zu lassen und Fotos zu schießen. Aber ich genieße auch die ganz normalen, entspannenden Bäder zwischendurch.

(Bild: Ken Ferguson )
Meinst du, so etwas würde auch in einer anderen Stadt als Toronto funktionieren?

Ich glaube es geht weniger um das wo – als um das wie. Hätte ich meine Anfrage anders formuliert und keine Fotos von mir hochgeladen, wäre es vielleicht falsch rübergekommen. Ebenso wenn ich es statt auf Bunz in einer Kleinanzeige veröffentlicht hätte. Es gibt fast überall Menschen, die so offen sind wie hier in Toronto. Auch in Deutschland kann ich mir das gut vorstellen.

Glaubst du, ein Badezimmer kann dir viel über seinen Besitzer sagen?

Auf jeden Fall! Es ist ein sehr persönlicher Raum, ein Ort, an dem man oft alleine ist und nachdenkt. Meine Freundin Hannah meinte einmal: "Kein Wunder, dass du so viele tiefgründige Gespräche mit dem Leuten führst. Im Badezimmer ist man alleine und ehrlich mit sich selbst. Was für ein perfekter Ort für offene Gespräche."

Was war das beste Bad bisher?

Schwierige Frage, denn sie waren alle auf ihre Weise besonders. Wenn ich mich für eins entscheiden müsste, dann wäre es das mit den Quietscheentchen. Es war so schön unschuldig und meine Gastgeberin spielte mir dazu auf der Ukulele vor. Das hat mich irgendwie in meine Kindheit zurückversetzt.

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Die einprägsamste Geschichte?

Zwei sind mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben: Sylvia leidet unter Sozialphobie, was sie von vielen Dingen abhält. Dass ich sie besucht habe, war ein riesiger Schritt für sie. Sie macht sich so viele Gedanken darüber, was Leute von ihr denken, dass es sie manchmal sehr einschränkt. Dabei habe ich sie überhaupt nicht so erlebt. Sie ist eine großartige, lebensfrohe und witzige Frau.

Auch bei Marianna hatte ich das Gefühl, dass das, was ich tue, einen tieferen Sinn hat. Sie hatte gerade eine Chemotherapie gegen ihren Gebärmutterhalskrebs hinter sich und durfte einen Monat das Bett nicht verlassen. Als sie mich einlud, hatte sie gerade ihren Katheter entfernt bekommen und konnte zum ersten Mal wieder Gäste empfangen. Sie und ihr Freund ließen mir ein ägyptisches Bad ein. Trotz ihrer Krankheit war sie positiv drauf – das hat mich sehr gerührt. Als ich bei ihr war, wartete sie noch auf das Ergebnis ihrer Kontrolluntersuchung. Gute Neuigkeiten: Der Krebs ist vorerst besiegt!

Mit wem würdest du gerne mal in die Wanne steigen?

Ich habe einen Aufruf an einige kanadische Politiker gestartet. Noch hat mich keiner von ihnen eingeladen aber Olivia Chow, eine Abgeordnete aus Toronto, folgt mir jetzt auf Instagram.

Wie lange willst du das noch machen?

Der Plan war, es bis Ende Januar durchzuziehen, aber ich bekomme immer mehr Einladungen von Leuten aus der ganzen Welt: Australien, Dänemark, Japan... Die Leute sind begeistert, und ich könnte mir gut vorstellen, eine größere Sache draus zu machen. Wenn sich ein paar Sponsoren finden, wäre ich sofort dabei!

Was hat dich die Erfahrung gelehrt?

Jeder hat eine Geschichte zu erzählen und wir sollten öfter nach dem "Warum" fragen, anstatt bei Kontroversen direkt abzublocken. Wenn man zuhört und versucht, andere Meinungen nachzuvollziehen und zu tolerieren, kann man sehr weit kommen. Natürlich gibt es Grenzen, aber insgesamt haben wir alle mehr gemeinsam, als uns unterscheidet. Außerdem brauchen wir etwas, um uns von all dem Negativen in der Welt abzulenken. Gerade im Januar können die Leute einen guten Lacher gebrauchen. Die Feiertage sind vorbei und alle sind gestresst, weil sie versuchen, ihre guten Vorsätze einzuhalten.

Kens Badetour kann man unter #bathtubsofbunz auf Facebook und Instagram mitverfolgen.

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