John Yuyi macht Kunst mit Haut und Internet

53.400 Follower im Gesicht, die Zahl der Likes auf der Brust: So könnte die virtuelle Realität künftig aussehen, oder genauer dieses Zwischending, bei dem Informationen aus dem Netz auf die reale Welt projeziert werden: Augmented Reality. Zum Menschen gibt es die Meta-Information dazu, wie bei Pokémon Go. Wie viele Fans hat er, wie viele Menschen mögen ihn.

Der Körper ist die Message, so lassen sich die Bilder der taiwaneischen Künstlerin John Yuyi lesen. Sie holt Internet-Oberflächen auf nackte Haut, beklebt sich und ihre Freunde mit temporären Tattoos.

Dass die Tattoos mit der Zeit verblassen und sich wieder abwaschen lassen, scheint nur logisch zu sein: Schließlich ist auch Internet-Fame vergänglich und gleich erinnert sich niemand mehr an die Likes von vor einer Stunde. Aber eigentlich war es nur Zufall, sagt John Yuyi.

Fotos: "Face Post" und "Kaylee's Instagram"
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Angefangen hat alles mit einer kleinen Werbekampagne für Bademode. Für ihre knallbunte Kollektion hat sie Knetgummi-Kunst auf Schwimmanzüge gedruckt. Um ihre Facebook-Seite zu bewerben und den Online-Absatz anzukurbeln, entwarf sie temporäre Tattoos.

John Yuyi wurde 1991 in der Millionenmetropole Taipeh geboren. Eigentlich ist Yuyis Familienname Chiang, aber irgendwann hat jemand daraus das ähnlich klingende "John" daraus gemacht. Der Name blieb: John Yuyi.

Sie wuchs in Taipeh auf und studierte Modedesign. Ein Praktikum in New York ließ sie sich in die Stadt verlieben. "Ich habe beschlossen, dass ich dort leben möchte", erzählt sie, "all diese Möglichkeiten!"

Sie beendete ihr Studium, arbeitete für Magazine, entwarf ihre Bademode – und schaffte es zwei Jahre später mit einem Künstler-Visum in die USA. Sie lebt nun wirklich in New York. Zeitschriften und Kunstblogs zeigen ihre Arbeiten: Dazed, Vice, Time, Vogue, NewHive, Polyester – die List ist lang, die Namen groß.

Kaum in New York, muss sie auch schon wieder los: Gerade war John Yuyi drei Wochen lang in Tokio, Inspiration suchen, Projekte anstoßen, Veröffentlichungen klar machen. Diesen Monat ist sie auf Kunst-Mission in London.

Fotos: Noch mehr Kunst von John Yuyi
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Es könnte kaum besser laufen, "Noch vor einem Jahr war ich keine Künstlerin. Ich mache eigentlich nur, worauf ich Lust habe", sagt John Yuyi. Mit ihren Social-Media-Tattoos trifft sie offenbar einen Nerv.

Kann es überhaupt noch Kunst geben, wenn sie niemand auf Instagram postet? "Kunst braucht kein Instagram", sagt sie, und dass sie nicht glaube, dass man Kunst an der Anzahl der Likes bewerten könne.

Es gibt einen Begriff für diese Art von Kunst, die das Internet zurück in die physische Welt holt. Die den Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft und unsere Idee von Ästhetik spiegelt. Die damit spielt, Symbole aus dem Web mit Gegenständen zu vermählen und das eigentlich Flüchtige greifbar zu machen: Post-Internet-Kunst.

Gemeint ist damit Kunst, die vor dem Hintergrund der riesigen Bildermaschine Internet entstanden ist. Die Post-Internet-Künstler spielen mit dieser Gegenwart, sie zeigen die Oberflächlichkeit des Kommerz und wissen, wie Kunst im Netz verbreitet und bewertet wird.

Der Begriff ist zwar nicht neu, und John Yuyi mag mit ihm auch nichts anfangen. Aber ihre temporären Tattoos sind genau das: Post-Internet-Kunst, direkt in your face.

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