Bild: Émir Shiro

Ob Schamhaare, weibliche Brustwarzen oder einfach zu viel blanke Haut: Instagram löscht Bilder, die nackte Körper zeigen. Vor allem die von Frauen, und auch, wenn die ein solches Foto durchaus bewusst gepostet haben – oder wenn das Foto nicht etwa pornografisch ist, sondern Kunst sein soll. Mitarbeiter des Netzwerks entfernen die Fotos und bestimmen damit, was Nacktheit bedeutet – wo sie beginnt.

Eine Praktik, die in der Instagram-Gemeinde schon für viel Ärger sorgte: Nutzer kritisierten, dass die Darstellung eines nackten Körpers erlaubt sein müsse. Andere meinten, die Bilder würden wahllos herausgefiltert, ohne dass darauf immer verbotene Inhalte zu sehen seien. (bento

Um die Zensur zu umgehen, entwickeln Nutzer immer wieder neue Ideen. Émir Shiro, 28 und aus Grenoble in Frankreich, ist einer von ihnen. 

Der Künstler entwirft Collagen, die zwar Nacktheit zeigen – aber auch noch etwas anderes:
(Bild: Émir Shiro)

Auf den Bildern, die Émir auf seinem Profil veröffentlicht, sind immer genau die Körperstellen verdeckt, die laut der Richtlinien von Instagram dazu führen, dass ein Bild gelöscht wird. 

Diese Richtlinien sind in den AGBs des Unternehmens formuliert – allerdings so ungenau, dass genügend Raum für eigene Interpretationen bleibt – nicht nur für die Zensoren, sondern auch für Nutzer wie Émir, die mit ihren Bildern austricksen

So hat Émir über einen Penis das Bild eines Staudamms mit Wasserstrahl gelegt, aus einem Po wird eine halbe Discokugel, über die Brustwarzen einer Frau hat der Künstler Luftballons gebastelt.

(Bild: Émir Shiro)

"Die Collagen-Technik gibt mir die Möglichkeit, Nacktheit abzubilden, ohne dabei zu direkt zu werden", sagt Émir. "So gebe ich Instagram keinen Anlass, meine Bilder zu löschen."

Doch er wolle provozieren: "Solange die Leute was fühlen und auf meine Bilder reagieren, bin ich glücklich. Sollten die Reaktionen irgendwann ausbleiben, würde ich mir eine neue Möglichkeit überlegen, um Aufmerksamkeit zu bekommen."

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Der Protest gegen ein Netzwerk, das einerseits dafür da ist, die Geschichten hinter Millionen von Bildern zu erzählen, manche Geschichten aber dann einfach sperrt, ist Thema in der Popkultur: Erst im vergangenen Jahr veröffentlichten die Freundinnen Arvida Byström und Molly Soda einen Bildband, der Fotos zeigt, die Instagram von den Accounts seiner Nutzerinnen löschte. (bento)

Unter dem Hashtag #freethenipple wehren sich andere schon länger gegen die Strenge des Unternehmens speziell dann, wenn es um Fotos von Frauenkörpern geht – diese würden noch viel häufiger gelöscht als Fotos männlicher Körper, so der Vorwurf. Unter dem Hashtag finden sich Fotos tierischer Brustwarzen oder Zeichnungen von Körpern. 

Doch auch andere Inhalte werden von Instagram scheinbar willkürlich entfernt. Vor Kurzem löschte das Unternehmen vorübergehend Fotos von Nutzern, die an der Hauterkrankung Psoriasis leiden und sperrte zugehörige Hashtags. Die Maßnahme sei notwendig gewesen, um Spam-Inhalte zu entfernen, erklärte Instagram später. (bento)

(Bild: Émir Shiro)

Die Kritik an den willkürlichen Löschvorgängen vereint: Seit Émir im Januar 2017 seine erste Collage auf Instagram postete, steigt die Zahl seiner Follower mit jedem weiteren Beitrag. Mittlerweile hat er über 62.000 Abonnenten.

Angst, dass ihm irgendwann die Ideen für neue Designs ausgehen, hat der Künstler nicht – schließlich nutzt er für seine Collagen die Motive von Freunden, die ihm nicht nur die Erlaubnis gegeben haben, sondern auch hinter seiner Mission stehen. Solange es bei Instagram Richtlinien gibt, die die Darstellung von Nacktheit verbieten, macht Émir weiter – und zeigt, was nicht gezeigt werden darf.


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Irland stoppt Auslieferung von Gefangenen an Polen – wegen rechtsstaatlicher Bedenken
Die Richterin zweifelt an der Unabhängigkeit der Justiz im Land.

Was ist passiert?

Der polnische Staatsbürger Artur C. wurde per europäischem Haftbefehl wegen Drogenhandels gesucht, im Mai wurde er in Irland festgenommen. Nun sollte das Land den Mann an Polen ausliefern – aber der irische Gerichtshof stoppte den Vorgang. 

Richterin Aileen Donnelly begründete den Schritt damit, dass sie an der Unabhängigkeit der polnischen Justiz zweifle und das Land "allgemeine europäische Werte" nicht mehr respektiere. Sie verwies damit auf die umfangreiche Justizreform, die Polens regierende Partei PiS durchgesetzt hat und bezeichnete sie als "schädlich" für den Rechtsstaat und die Demokratie in Polen. (Irish Times)