Die AfD wirkt … und wirkt …. und wirkt…. Bei mir wie Brechmittel.” Barbara hat mehr als 380.000 Fans auf Facebook. Statt mit hübsch inszenierten Kaffeeküchen auf Instagram zu punkten, setzt die Künstlerin auf das geschriebene Wort.

Mit Reimen und gut überlegten Pointen macht sie auf gesellschaftliche Zustände aufmerksam, die sie stören. Verbote, zum Beispiel. Rassistische und homophobe Meldungen. “Bekleben verboten”-Schilder. Oder Nazi-Sticker auf Straßenlaternen. Hass kontert sie mit Liebe, das System kritisiert sie im DIN A4 Format.

Trotz des aktuellen Hypes um ihre kunstvollen politischen Statements ist Barbara jemand, der lieber im Hintergrund bleibt. Die Person, die hinter "Ich bin Barbara" steckt, verrät auch in Interviews weder Namen noch Geschlecht. Es könnten auch mehrere Personen sein. Wir haben "Barbara" zum Facebook-Chat über politische Haltung und Identität im Netz getroffen.

Wieso müssen wir hier eigentlich anonym chatten?

Weil ich meine wahre Identität geheim halten will. Ich möchte, dass meine Arbeit unabhängig von meiner Person betrachtet wird.

Heißt du wirklich Barbara?

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Ich möchte mein Privatleben schützen und weiterhin unvoreingenommene Gespräche mit Menschen führen können, um dem Zeitgeist auf den Zahn zu fühlen. Wenn meine Gesprächspartner wüssten, dass ich Barbara bin, wären sie bestimmt vorsichtiger.

„Aber auch im Privaten zeige ich Haltung, nur trenne ich eben beides voneinander.“
Barbara
Ist es nicht feige, gerade dann sein Gesicht zu verstecken, wenn draußen der rechte Mob pöbelt?

Es gibt zum Glück jede Menge Menschen, die zu ihrer Haltung ihr Gesicht zeigen. Jan Böhmermann, Dunja Hayali und tausend andere. Ich habe mich lange vor der aktuell grassierenden Hasswelle für die Anonymität entschieden und lasse mir von niemandem meinen Weg aufzwingen. Meine Haltung zeige ich deutlich. Wer dazu ein Gesicht braucht, kann sich gerne eines malen.

"Was ist in deinem Leben eigentlich schiefgelaufen dass du so ein intoleranter und superkrassdoofer Volldepp geworden bist" – was möchtest du mit solchen Statements erreichen?

Im Normalfall sind meine Statements sicherlich freundlicher als dieses.

Jedoch hat sich dieser Spruch an einen Aufkleber gerichtet, der Homosexualität verurteilt und diskriminiert. Dafür habe ich null Verständnis und ich bin tatsächlich der Meinung, dass nur ein superkrassdoofer Volldepp anderen Menschen vorschreiben will, wen sie zu lieben haben und wen nicht.

Wie sieht es mit diesem hier aus: "Arme Wurst aus Altona, maltest diesen Blödsinn da, voller Hass, dazu noch dumm, Hakenkreuz geht andersrum." Das ist zwar richtig, aber auch belehrend. Woher kommt der Drang, Dinge richtig zu stellen?

Ich stelle keine Dinge richtig, denn das würde bedeuten, dass ich weiß, was falsch und richtig ist. Ich teile meine Meinung mit. Und in diesem Fall bin ich der Meinung, dass jemand, der Hakenkreuze mit SS-Runen darüber im öffentlichen Raum malt, eine arme Wurst voller Hass ist. "Dazu noch dumm" hab ich geschrieben, weil das Hakenkreuz eben falsch rum gemalt war.

In Zeiten der ultimativen Digitalisierung setzt du auf analoge Zettelchen, die du wiederum neben andere Plakate und Schilder klebst. Erst danach fotografierst du sie, um sie ins Netz zu stellen.

Der öffentliche Raum ist zunächst mal ein realer Raum und das Internet reflektiert ihn lediglich. Genauso mache ich es mit meiner Arbeit.

„Ich greife in den realen Raum ein und zeige eine Reflexion davon im Internet.“
Barbara
Der reale Raum kann genauso gut das Internet repräsentieren wie das Internet den realen Raum. Wir sind doch längst im Zeitalter der Post-Privacy und Post-Realität angekommen. "There is no such thing as real life"

Natürlich ist das Internet an sich auch ein realer Raum, aber mein Tätigkeitsfeld ist nunmal der öffentliche Raum, die Straßen, Laternen, Geschäfte, Häuser, Plakate, Aufkleber, Verbotsschilder und die Werbung. Da arbeite ich und diese Arbeit kann im Internet nur reflektiert werden, weil das Internet nunmal ausschließlich aus Daten besteht.

„Ich finde es auch besser, wenn Kinder auf dem Spielplatz mit anderen Kindern spielen als ein Computerspiel zu zocken, das einen Spielplatz simuliert.“
Barbara
Im Internet siehst du die unmittelbare Anerkennung deiner Fans oder die Ablehnung deiner Hater.

Die Arbeit aller Straßenkünstler, wenn ich mich zu diesem Kreis hinzuzählen darf, findet auf der Straße statt und wird per Foto oder Video im Netz geteilt. Das ist sicherlich keine Erfindung von mir.

Passt du auf, dass dich keiner bei deinen Klebeaktionen beobachtet?

Ja, ich achte immer auf einen geeigneten Moment. Optimalerweise morgens gegen halb 10. Da sind die Leute noch mit einem Bein im Bett und mit den Gedanken schon beim Mittagessen. Da achtet keiner auf meine Aktivitäten.

Musstest du schon mal weglaufen?

Nein, noch nie.

Schnell noch posten. Zack, fertig. Hat sich die Sache für dich erledigt, nachdem du ein Bild gepostet hast?

Bevor ich mich dazu entschieden habe, Fotos meiner Arbeiten im Netz zu teilen, war das so. Jetzt gibt es oftmals jede Menge Kommentare zu meinen Bildern. Das ist ein sehr wertvolles Feedback für mich und ich versuche die meisten Kommentare zu lesen, gelegentlich antworte ich auch mal. Damit hat sich für mich eine Aktion mittlerweile erst ein, zwei Tage nach der Veröffentlichung erledigt. Aber es ist immer noch so, dass der befriedigendste und schönste Teil meiner Tätigkeit der Moment ist, in dem ich mein Schild oder meinen Zettel irgendwo anbringe.

Der kreative Prozess endet damit und schafft Platz für neue Ideen.

"Ich bin Barbara" steht für viel mehr als einen Instagram-Account. Wären wir User alle ein "bisschen Barbara", wie würde Deutschland dann aussehen?

Ich möchte nicht, dass alle ein bisschen Barbara sind. Ich bin Barbara und ich teile meine Ideen und meine Gedanken mit, nicht mehr und nicht weniger. Ich bin ein Mensch mit tausend Fehlern und tauge sicherlich nicht als Vorbild.

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