Die "Winkelgasse" ist eine magische Welt für Fans

Bevor die Tür am Springerplatz 40 in Bochum geöffnet wird, zündet die Inhaberin Jantina Sonnenschein drinnen Kerzen und Räucherstäbchen an.

Wer den Weg in die "Winkelgasse" findet, ein besonderes Tattoo-Studio für Harry-Potter-Liebhaber, der kann sich gut vorstellen, wie es in der echten Winkelgasse wohl aussieht, der Straße der Zauberläden.

Hier stehen antike Sofas, an der Decke hängt ein uralter Kronleuchter, eine steile Treppe ist mit dunklen Gardinen verhangen. In Vitrinen und auf kleinen Regalen stehen Kerzen, die Werke von J.K. Rowling und frisch gekochter Tee.

So sieht es in der "Winkelgasse" aus:
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"Ich möchte hier einen Ort schaffen, an dem sich Nerds und Gamer, so wie ich es bin, zu Hause fühlen",  sagt Jantina, 28, die das Studio leitet. Sie trägt ein schwarzes Gewand, zwei geflochtene Zöpfe und einen Hut.

Was passiert an diesem Ort, der so aussieht wie ein Stück aus einer anderen Welt? 

Auch Jahre nach Erscheinen der Potter-Bücher von Rowling werden die Geschichten weltweit von Fans gefeiert. In vielen Ländern gibt es Fantreffen, Kostümpartys, Motto-Gruppen auf Facebook oder ganze Webseiten, auf denen die Geschichten der Britin diskutiert, weitererzählt oder illustriert werden.

Die "Winkelgasse" in Bochum ist für die Fans ein neuer Ort, an dem sie ihrer Liebe zu den Zaubercharakteren Ausdruck verleihen können. Zur Einweihungsparty wollten 1500 Menschen kommen, Inhaberin Jantina musste die Facebook-Veranstaltung schließen und den Einlass über eine Gästeliste regeln.

Studio-Inhaberin Jantina: "Ich liebe Harry Potter"(Bild: Annika Eliane Krause)

Bis heute, etwa ein halbes Jahr nach der Eröffnung, ist ihr Terminkalender ausgebucht: Allein in der vergangenen Stunde waren schon vier Leute da, die sich ein Harry-Potter-Tattoo stechen lassen möchten. Doch auch für Tattoos von Comicfiguren wird das Studio oft angefragt.

Zwischen einem Gemälde von Dumbledore und dem Wappen von Ravenclaw sucht Jantina gerade nach einem passenden Platz für ein neues Schild der Order of the Phoenix, das sie von einer Freundin geschenkt bekommen hat. 

Noch während sie mit ihrem Abi beschäftigt war, lernte sie in einem Bochumer Studio das Tätowieren. Neun Jahre später, im August 2017, erfüllte sie sich einen Traum, indem sie die "Winkelgasse" eröffnete. 

Ich möchte einen Ort schaffen, an dem sich Nerds und Gamer zu Hause fühlen
Jantina, Studio-Inhaberin

"Vier Jahre beobachtete ich das leerstehende Ladenlokal und stellte mir vor, hier mein eigenes Studio zu eröffnen", sagt sie. "Als plötzlich das Zu-Vermieten-Schild verschwunden war, bekam ich Panik und rief den Vermieter an." Er fand die Idee eines Studios toll und gab ihr die Räumlichkeiten.

Durch ihre langjährige Arbeit wusste Jantina, dass es in Deutschland ein Klientel für Fantasy-Tattoos gibt. Deswegen nahm sie sich vor, sich darauf zu spezialisieren und das Studio nach einem bestimmten Konzept einzurichten: verwunschen, voller magischer Details. Auf 120 Quadratmetern arbeiten neben Jantina noch zwei weitere Tätowierer – und ein Hauself, der sich um das Organisatorische kümmert. 

In Mappen hat Jantina die vielen Zeichnungen für Tattoos eingeordnet.(Bild: Annika Eliane Krause)

Jantina selbst ließ sich mit 18 ihr erstes Tattoo stechen, eine Katze auf dem rechten Oberarm. Vor ein paar Jahren hörte sie auf, ihre Tattoos zu zählen."Damals war ich bei 48, jetzt habe ich wahrscheinlich doppelt so viele." Ein Harry-Potter-Tattoo sei noch nicht dabei. Sie liebe die Geschichten rund um den Zauberjungen so sehr, dass sie sich genau überlegen wolle, welches Motiv ihre Haut zieren solle.

Anders ist es bei Lilli, der heute ihr zweites Potter-Tattoo gestochen wird. Auf ihrem linken Oberarm prangt bereits ein buntes Hogwarts-Schloss, auf den Unterarm soll ein Bild des Doppelagenten Severus Snape gestochen werden.

Kundin Lilli: "Ich bin mit den Charakteren aufgewachsen"(Bild: Annika Eliane Krause)

"Harry Potter ist ein wichtiger Teil meines Lebens", sagt Lilli. "Als ich angefangen habe, die Bücher zu lesen, war ich noch sehr jung. Mit den Charakteren bin ich aufgewachsen. Bis heute lese ich die Geschichten, wenn mir alles zu viel wird. Sie helfen mir, mich zu entspannen und runter zu kommen." 

Für ihren Termin bei Jantina ist die 19-Jährige 60 Kilometer gefahren. Jantina führt Lilli in einen Raum im ersten Stock, der im Gegensatz zum Ladenlokal hell und steril wirkt.

"Ich war in der Schule eher eine Außenseiterin, weil ich schon immer gern gelesen oder gezockt habe und mehr mit Cosplay als mit Party anfangen konnte", erzählt Jantina, während sie die Nadel in giftgrüne Farbe taucht – für die Nebelwolke, in die Severus Snape gehüllt sein wird. Dann fügt sie hinzu: "In der 'Winkelgasse' kann eben jeder sein, wie er möchte."


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