Bild: Carl Larson
Und sie ist so hübsch!

Durchgekaute Kaugummis findet eigentlich niemand gut. Wie oft haben wir unter die Schulbank gegriffen und unsere Finger auf einer halbstarren, kalten Masse wiedergefunden? Oder sind versehentlich in einen reingetreten, Schmatz. Doch es gibt einen Ort, an dem vollgespeichelte Kaugummis ihre Berechtigung haben. Mehr noch, an dem sie gewünscht und gewürdigt werden: an der "Gum Wall" von Seattle.

Die über 2,5 Meter hohe und 16,5 Meter breite Außenfassade eines Theater-Gebäudes dient seit mehr als 20 Jahren als Leinwand für vorbeiziehende Kaugummi-Künstler. Täglich kleben Passanten ein paar neue Kaugummis auf die Backsteine, geben ihnen noch etwas mehr Farbe, hinterlassen ihre Geschichten. Liebeserklärungen finden sich dort, Sterne und Herzen, Blumen und Initialen, Münzen und Glückskeks-Prognosen – ein wildes, klebriges, bazillenverseuchtes Sammelsurium aus Erinnerungen, Momentaufnahmen und eben viel Speichel.

So sehen mehr als eine Million Kaugummis auf einer Backsteinwand aus – die Fotostrecke:
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"Alles begann während unsere Besucher vor dem Theater Schlange standen," erzählt Kent Whipple im Gespräch mit bento, er arbeitet bei "Unexpected Productions", der Theatergruppe, die hinter der Gum Wall ihren Arbeitsplatz hat. "Während sie warteten steckten sie Münzen in ihre Kaugummis und klebten sie an die Wand."

Das war Anfang der Neunzigerjahre. Nach und nach folgten viele diesem Beispiel; die Wand wurde zu einer Art Glücksbrunnen. 1995 war sie über und über mit Kaugummis und Pennys beklebt, bis eines Nachts vermutlich ein Unbekannter in Geldnot die Wand plünderte.

Was blieb waren die Kaugummis – und es wurden immer mehr.

Die Gum Wall zählt heute zu den bazillenverseuchtesten und unhygienischsten Sehenswürdigkeiten der Welt. "An heißen Tagen stößt die Wand einen merkwürdigen Geruch aus, eine süßliche Mischung aus Früchten und Minze", sagt Whipple.

Bis November vergangenen Jahres klebten dort noch mehr als eine Million Kaugummis. Dann entschieden die Behörden von Seattle die Wand zu reinigen: Zum ersten Mal seit knapp 18 Jahren sollten die Backsteine, die teilweise bis zu 15 Zentimeter dick mit Kaugummi beklebt waren, wieder frei liegen.

(Bild: imago/ Ilva Vadone)

Unter lautem Protest rückten Männer mit Hochdruckreinigern an: Es dauerte etwa 130 Stunden, bis die Wand freigelegt war. Sie füllten 94 Eimer mit den runtergepulten Kaugummis, ein Gewicht von knapp über einer Tonne. "Die Leute sind ausgeflippt, als sie gehört haben, dass die Wand gereinigt werden soll", sagt Whipple. "Wir haben Anrufe aus der ganzen Welt deswegen bekommen."

Es gab Proteste, einen letzten Kaugummi-Fotowettbewerb. Und plötzlich war die Wand nackt, jungfräulich, als hätte es die Gum Wall nie gegeben für ganze sechs Stunden. Dann ging das fröhliche Kleben von vorne los.

"The Seattle Times" hat ein Time-Lapse-Video von der verschwindenden Gum Wall gemacht:

"Die Menschen sind unglaublich kreativ mit ihrer Kaugummie-Kunst", sagt Whipple. "Die Mauer findet gerade wieder zu ihren alten Pracht zurück. Meine Lieblingsmotive sind ein Kaugummi-Super-Mario, die Teenage Mutant Ninja Turtles und das Peace-Zeichen mit einem Eiffelturm in der Mitte, das am Tag der Terrorangriffe auf Paris geklebt wurde." Und sein absoluter Favorit: ein Kaugummi-Heiratsantrag geformt aus den Worten "Will you marry me Judith?".

Lass uns Freunde werden!


Haha

Optische Täuschung: Wem gehören diese Beine?
Und wer trägt welche Hose?

Erst einmal sieht man auf diesem Bild nur zwei Menschen, die sich innig umarmen. Ein Mann legt seine Arme um die Schultern der Frau, sie ihre um seine Hüften. Okay. Wer aber eine Sekunde länger guckt, wundert sich: Zu wem gehören denn hier welche Beine und wer steckt in welcher Hose?