Die Firma hinter Hello Kitty ist gerade dabei, sich mit einem neuen Helden neu zu erfinden. Anstatt einer niedlichen Katze setzt Sanrio auf ein träges Ei namens Gudetama. Bitte was?

In zahlreichen Videos macht Gudetama selbst in der Regel — nichts. Er wird aber immer wieder anders serviert. Häufig kommt er als Spiegelei daher, manchmal wird er aber auch in eine Form für süße Tamagoyaki-Omeletts gequetscht, wie man sie von Sushi kennt, oder findet sich hartgekocht und orientierungslos in einem Eierbecher wieder.

Gudetama wird seinem Namen voll und ganz gerecht: "tama" leitet sich vom japanischen "Tamago" für Ei ab. "Gude" hingegen steht lautmalerisch für einen kraftlosen, apathischen Schrei, die Gudetamas Persönlichkeit im Kern ausmacht.

Die Geschichte des faulen Eis nachzuvollziehen ist nicht einfach. Ebenso ist es kaum möglich, einen Überblick über das ständig wachsende Sortiment an Waren zu behalten, die sein verblüfftes Gesicht ziert. Aktuell soll eine Kooperation mit der koreanischen Kosmetikfirma Holika Holika den Hype weiter befeuern.

Überhaupt blieb keine Produktgruppe ganz verschont vom Einfluss einer Figur, deren Name das genaue Gegenteil eines smarten Businessmenschen mit einem übervollen Terminkalender bezeichnet. Ein Pop-Up-Restaurant, ein Café und selbst ein eigens entworfenes Dessert standen schon im Zeichen von Gudetama. Die "Hello Kitty"-Firma Sanrio ist gewissermaßen in die Erfolgsgeschichte hineingestolpert, als Gudetama 2013 durch einen hausinternen Maskottchenwettbewerb das Licht der Welt erblickte. Das faule Ei musste sich nur einem wackelköpfigen Lachsfilet namens Kirimi-chan geschlagen geben, das die meisten Publikumsstimmen auf sich vereinen konnte.

Wie viele Sanrio-Figuren traf Kirimi-chan genau den Ton, der für die Marke charakteristisch ist: Es ist "kawaii" (etwa: süß, niedlich), ein klassisches Yuru Chara, wie die allgegenwärtigen, meist schweigsamen, unglaublich freundlichen Maskottchen ohne Ecken und Kanten bezeichnet werden.

Mit dieser zuckersüßen Ästhetik hat Sanrio ansehnliche Profite eingefahren, seit Hello Kitty im Jahre 1974 auf den Markt kam. Doch mit der Zeit wurden manche Japaner dieser Ästhetik überdrüssig, und so gewann zwei Jahrzehnte später die "kimo kawaii"-Bewegung mit niedlichen und zugleich ekligen Figuren langsam aber stetig an Popularität.

Ihr Durchbruch kam ab den späten 2000er Jahren mit einem Revival, das Schöpfungen wie Gudetama und den lustigen kleinen mittelalten Mann Chicchai Ossan ins Rampenlicht rückte. Obwohl Kirimi-chan beim Publikum gut ankam, fiel es einer Trendwende zum Opfer: Schaut man sich die Accounts des Lachsfilets und Gudetamas auf Twitter an, stellt man fest, dass das faule Ei mehr als doppelt so viele Follower hat.

Hinter Gudetama steht eine junge Frau, die erst ein Jahr vor seiner Erfindung zu Sanrio gekommen war. Amy, wie sie sich nennt, heißt eigentlich Emi und hat wie die berühmte Hello-Kitty-Zeichnerin Yuko Yamaguchi an der renommierten privaten Joshibi University of Art and Design in der Präfektur Kanagawa studiert.

In einem Interview mit dem japanischen Blog greyme beschreibt Amy ihre Figur als Spiegelbild unseres Zeitgeistes: Motivation sei wie Gift für Gudetama und angesichts seines weltweiten Ruhmes könne sie nur staunen. Sie hat mehrfach geäußert, dass sie von der Beliebtheit Gudetamas und seiner Faulheit völlig überrascht worden sei und gibt zu, sich zuerst nicht sicher gewesen zu sein, ob Sanrio ihren Entwurf überhaupt zum Wettbewerb im Jahr 2013 zulassen würde.

Und Gudetama hatte es nicht immer leicht: So verbannte Sanrio ihn zwischenzeitlich aus dem firmeneigenen Vergnügungspark Puroland in Tokio, nachdem er sich einfach hingelegt und damit Paraden durcheinandergebracht hatte. Doch die Firma spürte, dass der Geschmack ihrer Kunden sich geändert hatte, und so konnte sie Gudetama nicht lange böse sein.

Die Figur, die sich sonst in Zeitlupe bewegt, stürmt gerade an die Spitze der Beliebtheitsskalen und kann sich bei Sanrios diesjährigem Character Ranking Contest gute Chancen ausrechnen. Fans können noch bis zum 19. Juni ihre Stimme abgeben und Gudetama liegt derzeit auf dem dritten Platz. Er betreibt vielleicht keinen großen Wahlkampf, aber was will man von einem faulen Ei auch sonst erwarten?

Dieser Beitrag von April Siese ist zuerst auf The Daily Dot erschienen. Übersetzung: Johannes Korn

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Hier ist der erste Trailer zum neuen Disney-Film "Moana"

Disney hat den ersten Trailer für seinen neuen Film "Moana" präsentiert. Und der sieht schon wieder richtig toll aus. Klar, die Macher von Filmen wie "Frozen" und "Baymax" wissen, was sie tun.

Der Film spielt 3000 Jahre vor unserer Zeit im Südpazifik und erzählt die Geschichte einer jungen Seefahrerin, die gemeinsam mit dem Halbgott "Maui" eine sagenumwobene Insel sucht, um ihr Volk zu retten. Regie führten John Musker und Ron Clements, die gemeinsam bereits Filme wie "Arielle", "Cap und Capper" oder "Aladdin" erschaffen haben.

Das ist der Trailer zu "Moana":