Bild: Emily McDowell
Schöne Worte für schwere Zeiten.

"Der nächsten Person, die dir sagt, dass alles aus einem guten Grund geschieht, verpasse ich einen Faustschlag." Künstlerin Emily McDowell, 40, hatte keine Lust mehr, auf nett gemeinte, aber schlecht umgesetzte 08/15-Beileidskarten aus dem Supermarkt.

Die in Los Angeles lebende Illustratorin erkrankte mit Mitte 20 an Krebs. Oft ärgerte sie sich in der Zeit über lieblose "Gute Besserung"-Karten, die sie erreichten. Unpersönlich, halbherzig, produziert für die Masse – ohne sich dabei an den Gefühlen, Wünschen oder Krankheiten der Adressaten zu orientieren. Was, wenn man in naher Zukunft nicht wieder gesund wird? Ein "Wird schon wieder" angesichts der Lage ziemlich plump erscheint?

In der Fotostrecke: Charmante Karten für schwierige Anlässe
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"Was soll man da drauf antworten? Dass man es versuchen wird?", sagt Emily, wobei sie natürlich weiß, dass es vielen schwerfällt, die richtigen Worte zu finden. Auch blumenlastige Tut-mir-leid-Karten mit nüchternem Schriftzug empfand sie als schlechte Wahl: "Ich fühlte mich, als wäre ich bereits tot."

Wenn jemand stirbt oder schwer krank ist, schweigen viele Menschen lieber – aus Angst, falsch zu liegen. Dabei sei genau das, so Emily, einer der größten Fehler, die man als Angehöriger oder Freund machen kann. Das Wichtigste: Den Liebsten zeigen, dass man für sie da ist.

I’m really sorry I haven’t been in touch I didn’t know what to say

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll", ist schon mal ein ehrlicher Anfang. Magische Worte, die automatisch alles besser machen, gibt es ohnehin nicht.

Ob Hochzeitsgrüße, Valentinstagskarten für Singles, Mutter- oder Vatertag: Emily schreibt das auf, was andere nur denken. Karten, die das verkünden, was man sich nicht zu sagen traut.

Zum Beispiel, dass man gerne mit jemandem zusammen wäre. Oder sich freut, ein weiteres Jahr gemeinsam verbracht zu haben.

2011 kündigte Emily ihren Job als Kreativ-Chefin in einer Werbeagentur, um sich wieder dem zu widmen, was sie am liebsten macht: Zeichnen und Illustrieren. Während sie sich mit Freelance-Jobs in der Werbeindustrie über Wasser hielt, setzte sie ihren Plan um und machte sich selbstständig.

Im Hauptfach hatte Emily Creative Writing studiert, im Nebenfach Kunst. Zehn Jahre Erfahrung als Art Direktorin und Werbetexterin gaben ihr Sicherheit, es allein zu versuchen. Mittlerweile hat sie zwölf Menschen für ihr Unternehmen angestellt, sieben davon arbeiten Vollzeit.

Gerne übersetzt die Künstlerin abgedroschene Sprüche ins Jahr 2016. "When life gives you lemons, make lemonade" wird so zu "When life gives you lemons, I won’t tell you a story about my cousin’s friend who died of lemon." Wenn das Leben dir Zitronen gibt, werde ich dir keine Geschichte über den Freund meines Cousins erzählen, der an einer Zitrone gestorben ist.

Das Schönste am eigenen Business sei das Feedback der Kunden, so die Künstlerin. Wenn Menschen auf sie zukommen und erzählen, wie eine Karte genau das Gefühl traf, das sie im Innersten verspürten.


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