Bild: Nikos Papadopoulos
Wenn der Grieche Nikos Papadopoulos mit Playmobil spielt, ist das für ihn auch ein bisschen Therapie. Denn mit den Figuren kommentiert er aktuelle gesellschaftliche Probleme.

Angela Merkel mit Wikingerhelm, die zwei griechische Politiker wie Hunde an der Leine führt. Eine Flüchtlingsfamilie, die gerade an einem Strand ankommt, während eine Urlauberin in der Sonne liegt. Touristen, die einen griechischen Obdachlosen fotografieren.

Nikos Papadopoulos, 36, aus Thessaloniki stellt seine Sicht auf aktuelle Ereignisse mit Playmobil-Figuren dar – von der griechischen Finanzkrise bis zur Situation von Flüchtlingen in Europa. Anschließend fotografiert er die Szenen und veröffentlicht die Fotos auf seinem Blog und auf seiner Facebook-Seite.

In Griechenland hat Papadopoulos damit viele Fans bekommen – vor allem Menschen, die politisch links stehen und die Sparpolitik ablehnen: Seine Facebook-Seite hat fast 8.000 Gefällt-mir-Angaben, seine Posts liken viele hundert Menschen.

"Dieses Foto nahm ich vor der Wahl in Griechenland auf. Die beiden Männer symbolisieren die Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten. Der ironische Titel des Fotos lautet: 'Demokratie in Griechenland. Wähle Angelas nächstes Haustier.‘"(Bild: Nikos Papadopoulos)
Wir haben dem Künstler vier Fragen zu seinem Projekt gestellt.

Wie kamst du auf die Idee, deine Sicht auf aktuelle Ereignisse mit Playmobil-Figuren darzustellen?

Ich spielte mit meinem älteren Sohn Playmobil. Das war im April 2013. Wir spielten uns selbst, unsere Familie, wie wir nachts im Bett schliefen. Das brachte mich auf die Idee, auch andere Szenen nachzustellen – nicht nur aus unserem Zuhause, sondern aus der Gesellschaft an sich, aus meinem Land, aus der ganzen Welt.

"Diesem Foto gab ich den Titel 'So, genießen Sie mein Land?‘. Ich kommentiere damit, dass Touristen die einzigen sind, die sich momentan in Griechenland amüsieren können. Und wir sind ehrlich dankbar für diese Touristen."(Bild: Nikos Papadopoulos)

Welches Ziel verfolgst du mit deinen Bildern?

Ich will festhalten, was in meinem Umfeld passiert, vor allem in Griechenland – und ich will das auf eine satirische Art und Weise tun. Ein sozialer und politischer Kommentar sozusagen. Gleichzeitig sind die Bilder ein Tagebuch der schwierigen Realität meines Landes. Angesichts der aktuellen Krise konnte ich nicht still bleiben. Die Bilder sind meine Art, mich auszudrücken – und ein bisschen sind sie auch eine Therapie.

"Das ist unsere Gesellschaft. Zwei Warteschlangen, zwei verschiedene Welten. Ich nannte es 'Lunch vs. Launch‘ – ein kleines a macht so einen großen Unterschied. Es zeigt unsere ungleiche, unfaire, grausame Realität. Was werden wir dagegen tun?"(Bild: Nikos Papadopoulos)

Mit welchen Themen beschäftigst du dich besonders?

Einerseits mit politischen, andererseits mit sozialen. Ich will den Menschen, die wählen gehen, klarmachen, welche Konsequenzen ihre Entscheidungen haben. Und ich will ausdrücken, dass wir nicht alleine in dieser Welt leben. Wir werden glücklich sein, solange unsere Nachbarn, unsere Mitmenschen auch glücklich sind. Ich will zeigen, wie wichtig Solidarität ist, wie wichtig es ist, dass wir anderen Menschen helfen, dass wir für Recht und Gerechtigkeit einstehen.

"Dieses Bild symbolisiert die griechische Neonazi-Partei 'Goldene Morgenröte‘. Ich will damit zeigen, dass diese Partei den freien, demokratischen Geist tötet."(Bild: Nikos Papadopoulos)

Wie fotografierst du?

Ich mache die Fotos mit meinem Smartphone. Kein Photoshop, kein professionelles Studio. Mein Studio ist eine helle Ecke in meinem Wohnzimmer oder mein Balkon oder die Natur. Ich kaufe Playmobil-Figuren, von denen ich glaube, dass sie mir nützlich sein können – und natürlich welche für meine Kinder. Ich habe nie ausgerechnet, wie viel Geld ich schon ausgegeben habe. Ich schätze, etwa 1000 Euro.

"Hier stellte ich ein echtes Foto nach, das auf der griechischen Insel Kos aufgenommen wurde. Es ist eine Botschaft an alle, die sich nur um sich selbst kümmern und diejenigen ignorieren, die unter Krieg leiden. Das Foto heißt: 'Entschuldigung, habe ich Ihren Urlaub ruiniert?‘"(Bild: Nikos Papadopoulos)
Wie reagiert Playmobil?

Anfangs verwendete Papadopoulos den Namen "Playmobilism" für seine Fanseite. Das fand die geobra Brandstätter GmbH, die Playmobil herstellt, nicht gut – und meldete eine Markenrechtsverletzung. Facebook schloss die Seite daraufhin.

Anna Ermann, Sprecherin von Playmobil, schreibt dazu in einer E-Mail an bento: "Sollte ein unbedarfter User (zum Beispiel aus einem Land, in dem Playmobil wenig bis gar nicht bekannt ist) im Internet irgendwo auf eine aus dem Zusammenhang gerissene Darstellung von 'Plasticobilism' stoßen, besteht durchaus die Gefahr, dass der Eindruck entsteht, Playmobil würde diese Figuren (z.B. NS-Soldaten und Terroristen) tatsächlich produzieren und vertreiben. Als verantwortungsbewusster Spielwarenhersteller müssen wir daher alles tun, um dies möglichst zu vermeiden." Die Freiheit der Kunst würde das Unternehmen aber respektieren; auch dürften die Produkte satirisch eingesetzt werden.

Jetzt nennt Papadopoulos sein Projekt "Plasticobilism" und schreibt lange Disclaimer, die klarstellen, dass Playmobil nichts mit seinen Fotos zu tun hat.