Bild: Luo Yang / Mo-Industries
Eine chinesische Fotografin interessiert sich in ihrer Kunst für allem für eins: Nackte.

Sie gilt als eine der talentiertesten Fotografinnen des Landes: Jetzt zeigt die Chinesin Luo Yang ihre intimen Porträts in Berlin. Hier spricht sie über Nacktfotos und Frauenfreundschaften.

Luo Yang, mit der Serie "Girls" porträtierst du seit vielen Jahren chinesische Frauen. Wie kamst du auf die Idee für die Serie?

Anfangs hatte ich gar nicht die Absicht, nur Frauen zu fotografieren. Ich habe einfach angefangen, Leute um mich herum zu porträtieren. Aber dann habe ich festgestellt, dass ich fast nur Frauen fotografiere. Das mag auch damit zu tun haben, dass ich selbst eine Frau bin.

Im Inneren sind sich alle Frauen gleich, finde ich. Ich glaube, ich kann mich besser in Frauen versetzen als in Männer. Deswegen habe ich auch immer das Gefühl, dass ich etwas von mir zeige, wenn ich eine andere Frau porträtiere.

Ganz viel Nähe – die Bilder in der Fotostrecke:
1/12
Wer sind die Frauen, die in "Girls" zu sehen sind?

Zum größten Teil sind das Freundinnen von mir. Es sind aber auch Frauen dabei, die Internetberühmtheiten sind und die ich, nachdem ich auf sie aufmerksam geworden bin, kontaktiert habe.

Was sind denn Internetberühmtheiten?

Etwa Frauen, die im Netz Fotos von sich posten, auch Nacktfotos, oder Kunstwerke, die sie gemacht haben. Oder die in der chinesischen App WeChat aktuelle Ereignisse kommentieren und dabei witzig, direkt und mutig sind.

Was muss eine Frau haben, damit du sie fotografierst?

Die Frauen, die ich porträtiere, haben Ideale. Sie sind authentisch, ehrlich, pur und mutig. Das spüre ich spätestens, wenn sie vor der Kamera stehen.

Und wie zeigt sich, ob eine Frau Ideale hat?

Frauen, die anders sind, sich Regeln widersetzen und kein Nullachtfünfzehn-Leben führen, haben Ideale.

Unter deinen Frauenporträts sind viele Nacktaufnahmen. Zeigen sich die Frauen von sich aus nackt?

Ich frage sie. Wenn ich zum Beispiel bei jemandem zu Hause bin und ein gewisses Vertrauen besteht, dann frage ich einfach: Wäre es okay, wenn du dich ausziehst? Manchmal lehnen die Frauen das auch ab.

Warum nackt?

Weil es Freiheit bedeutet. Und Reinheit und Ursprünglichkeit. Es zeigt, dass du quasi erst gerade aus dem Bauch deiner Mutter gekrochen bist und noch nicht von der Gesellschaft verformt worden bist.

Auf einigen Fotos zeigen Frauen ihre Achselhaare. Im vergangenen Jahr startete eine chinesische Feministin auf WeChat einen Achselhaar-Wettbewerb und rief Frauen dazu auf, Fotos von ihrer Achselbehaarung zu posten. Sind die Fotos dein Statement zu der Debatte um einen selbstbestimmten Körper?

In China rasieren sich die meisten Frauen unter den Achseln, um Männern zu gefallen. Wenn man sich die Achselhaare nicht rasiert, dann ist das eine Haltung, mit der man gegen diese Fremdbestimmung protestiert. Ich glaube auch, dass der gesellschaftliche Druck auf Frauen in China besonders groß ist. Frauen haben viele Freiheiten, aber in unserer Gesellschaft dominieren traditionelle Geschlechterrollen. Wenn Frauen zum Beispiel auf die dreißig zugehen, dann erwartet man von ihnen, dass sie so schnell wie möglich heiraten und Kinder kriegen. Sonst gelten sie als "übrig geblieben".

Mehr Luo

Luo Yang, 32, stammt aus der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas. Ai Weiwei nannte sie eines der aufstrebenden Fotografie-Talente Chinas. Luo arbeitet in Peking und Shanghai. Folge ihr auf Instagram.

Als Ai Weiwei ein Mal ein Nacktfoto von sich und ein paar Frauen im Netz postete, wurde ihm von der Polizei vorgeworfen, Pornografie zu verbreiten. Hattest du wegen deiner Fotos schon mal Probleme mit den Behörden?

Nein, noch nie. Auch nicht mit den Galerien, in denen ich ausstelle, und mit den Magazinen, die meine Fotos drucken.

In "Girls" zeigst du oft heterosexuelle Frauen mit ihren Partnern. Was ist mit lesbischen Frauen?

Fotografiere ich auch, aber nicht so oft. In Berlin sind keine Fotos von lesbischen Frauen dabei. Ich interessiere mich für den Mainstream, und der Mainstream ist heterosexuell. Außerdem gibt es in China eine Art von Frauenfreundschaft, die ich faszinierend finde. Bei "Girls" gibt es zum Beispiel ein Foto, auf dem sich zwei Frauen umarmen. Sie sehen aus wie ein lesbisches Paar, sind aber Freundinnen. Zwischen manchen Frauen scheint es eine Verbundenheit zu geben, die stärker ist als bei Paaren.

Die Ausstellung "Girls" ist vom 20. Mai bis zum 5. Juni in der Berliner Galerie MO-Industries zu sehen.

Dieser Beitrag ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

Noch mehr Fotos über Nähe:
1/12


Haha

Wir sehen was, was du nicht siehst
Das Netz rastet gerade wegen eines Fotos aus. Erkennst du die Illusion?

Früher gab es diese 3D-Bücher, wo du dich schielend mit der Nase von der Bildmitte entfernen musstest, um irgendwann irgendwas zu erkennen. Jetzt gibt es das Internet, juchu! Und optische Illusionen gehen viral: Wir hatten das blaue (oder weiße?) Kleid, wir hatten den Panda im Schneemannfeld.

Jetzt haben wir diese Mauer: