Schemenhafte Silhouetten, undefinierbare Spiegelungen im Wasser, ein brauner Fleck, der wie ein Berg aussieht. Auf den ersten Blick lässt sich nicht sagen, ob die Fotografien von Jean-Jacques Calbayrac seine unmittelbare Umgebung abbilden, oder aus einem Gameboy-Spiel der Neunziger stammen.

Der 29-jährige Fotograf aus Paris bezeichnet sich selbst als Gameboy-Kameramann und bedient damit eine künstlerische Lücke. Fotografieren mit dem alten Spielzeug, da hätte man doch auch selbst drauf kommen können. Ist man aber nicht. Und so hat es der junge Franzose geschafft, einen eigenen Stil fernab des Mainstreams zu entwickeln. Seit anderthalb Jahren lebt Jean-Jacques bereits in East London. Zuvor hat er am renommierten Fotografie-College Gobelins in Paris studiert, als Fotografie-Assistent und Laborant in einer Dunkelkammer gearbeitet.

In der Fotostrecke: Die Aufnahmen von Jean-Jacques
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Den ersten Gameboy-Kameraaufsatz fand Jean-Jacques vor zehn Jahren auf einem Flohmarkt. Dieser hat eine Auflösung von 121 mal 112 Pixel – gesamt also etwa 13.500 Pixel und wurde 1998 gelaunched. Zum Vergleich: Eine iPhone-Kamera hat um die acht Millionen Pixel, womit nicht nur die Auflösung, sondern auch die Detailtiefe der Aufnahmen steigt. Ein fotografisches Qualitätsmerkmal, auf das Jean-Jacques bewusst verzichtet. "Details sind sicher wichtig", so der Fotograf. "Ich möchte aber auch zeigen, dass es bei der Fotografie um mehr geht als das." Erst, wenn man die Details weglässt, sehen alle Menschen – unabhängig von Religion, Alter und Lebensstil – gleich aus.

Der Kamera-Aufsatz funktioniere wie jeder andere auch: "Du drehst ihn auf den Gameboy auf, suchst dir dein Motiv und drückst ab. Du kannst den Kontrast und die Helligkeit verändern. Das war’s." Eine ergiebige Kamera.

Die meisten seiner Fotografien sind auf den Straßen von East London entstanden. Angefangen hat Jean-Jacques mit seinem derzeitigen Fotoprojekt vor drei Jahren.

I'm not telling a story, I'm telling my story and there is nothing to believe in because it's real.
Jean-Jacques Calbayrac

"Ich erzähle in erster Linie meine Geschichte. Sie ist vielleicht nicht glamourös, dafür real." Alles, was man auf seinen Fotos sieht, ist ungestellt. Angefangen von dem Kind, das die Hand seiner Mutter hält bis zu Passanten, die in der Brick Lane abhängen und dem Typen, der einen Rolls-Royce abcheckt. Das Besondere: Durch die geringen Pixel werden dem Betrachter nur die allernötigsten Basics übermittelt. Den Rest erledigt die Neunziger-Nostalgie.

For me it's really important to take pictures as often as possible. It makes me feel alive.
Jean-Jacques Calbayrac

"Wenn ich fotografiere, fühle ich mich lebendig", so Jean-Jacques. Zu Instagram hat er eine ambivalente Meinung. "Es ist eine gute Möglichkeit, um Menschen zu erreichen, zu denen du sonst keinen Zugang hättest. Ich denke aber nicht, dass es der einzige Weg ist, um Galerien auf dich aufmerksam zu machen." Es könne funktionieren, sagt Jean-Jacques. Garantie gebe es jedoch keine. In einer Ausstellung waren seine Werke bislang nicht zu sehen.

Lange wird es vermutlich jetzt nicht mehr dauern.


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Zwei Jahre Pegida: Die Geschichte in einer Grafik

Vor zwei Jahren begannen Pegida-Anhänger durch die Straßen Dresdens zu ziehen, um gegen eine vermeintliche "Islamisierung des Abendlands" zu demonstrieren. Am Sonntag haben die Sympathisanten nun auf einer Kundgebung ihr Jubiläum gefeiert – zwischen 6000 und 9000 kamen und wetterten erneut gegen Ausländer, den Islam und Angela Merkel.

Dabei zeigten sie sich radikal wie eh und je: "Die AfD ist die beste Partei, die wir uns vorstellen können" und "Diese Demokratie ist ein großes Gefängnis. Weil man für seine Meinung in den Knast gehen kann", hieß es. (MDR) Auch zu Gegenprotesten kamen Hunderte Teilnehmer.